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History, Documents & Ephemera > Factory Histories > Carl Zeiss in Jena (German/Auto-English)
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Carl Zeiss in Jena (German/Auto-English)
1945-1990

Book OCRed and corrected by xya. Scroll down for English Auto-Translated version after the German text

Wolfgang Mühlfriedel

Edith Hellmuth

Carl Zeiss in Jena

1945-1990

2004

BÖHLAU VERLAG KÖLN WEIMAR WIEN

[Seite 3]

ERSTES KAPITEL

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle

Das Ende der NS-Herrschaft in Jena

Am 11. April 1945, einem Mittwoch, gaben die Sirenen auf den Dächern der Stadt Jena jenen gleichbleibenden Ton, der den Offizieren und Soldaten der Jenaer Garnison, den NSDAP-Amtsträgern und den Einwohnern anzeigte, daß sich die Kampffront der Stadt nähert. Der nationalsozialistische Oberbürgermeister übergab dem Leiter des städtischen Ernährungs- und Wirtschaftsamts die Amtsgeschäfte und bemerkte dazu: „Ich bin politisch so exponiert, daß ich den Befehl erhalten habe, mich mit dem Volkssturm abzusetzen, sobald Feindalarm ausgelöst wird. Nun ist es soweit".{1} Die Wehrmachtsoffiziere bezogen mit ihren Männern das Ostufer der Saale, um die Verteidigungslinie gegen die amerikanischen Truppen zu errichten. Pioniere bereiteten die Sprengung von kommunalen Versorgungseinrichtungen und der Saalebrücken vor. Dr. Heinrich Küppenbender, der Betriebsführer und Geschäftsleiter der Firma Carl Zeiss, unternahm alles noch in seiner Kraft stehende, um Wehrmachtseinheiten davon abzuhalten, auf dem Werksgelände Widerstandsnester einzurichten und Gebäude zu sprengen. Er hatte in den letzten Wochen seine guten Beziehungen zum Minister für Rüstung und Kriegsproduktion, Albert Speer, genutzt, um zu verhindern, daß der Befehl „Verbrannte Erde", den Adolf Hitler am 19. März 1945 erlassen hatte {2}, in Jena vollzogen wird. Gleichzeitig versicherte sich Heinrich Küppenbender der Unterstützung innerhalb der Belegschaft. Daran erinnerte sich der Werkmeister in der Justiererei, Ernst Hädrich, nach dem Krieg:

„In der letzten Woche vor dem Einmarsch der Amerikaner suchte er (Heinrich Küppenbender d. V.) mich zweimal auf. Ich spürte, daß er innerlich außerordentlich bewegt war. Er sagte mir, die Partei (NSDAP d. V.) wolle Jena verteidigen. Ob die Gefolgschaft mitmache? Ich antwortete ihm, daß alle Männer und Frauen meiner Abteilung dies für einen Wahnwitz halten und nicht mitmachen würden. Herr Dr. Küppenbender sagte darauf, das sei noch nicht alles. Die Kerle wollten das Zeiss- und das Schott-Werk, ebenso die Saalebrücken in die Luft jagen. Ich war über diese Nachricht empört und sagte, das ist ja nicht zu glauben. Herr Dr. Küppenbender fragte darauf, ob die Gefolgschaft hinter ihm stehen würde, wenn er die Sprengung gegen den Willen der Partei und der Wehrmacht verhindere. Als ich dies ihm auf der Stelle bejahte sagte er, er sei entschlossen, das zu vereiteln, auch wenn es ihm den Kopf kosten würde. Einen solchen Wahnwitz mache

{1} Zitiert in: Wißt ihr noch vor zwanzig Jahren. Herausgegeben zum 20. Jahrestag der Gründung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes vorn FDGB-Kreisvorstand Jena, Jena 1965, S. 8.

{2} Das III. Reich 1939-1945. Eine Tageschronik der Politik, Wirtschaft, Kultur, Augsburg 1991, S. 592.

[Seite 4]1945-1948 Carl Zeiss Jena

er nicht mit, wenn er in diesem Kampf gegen die Partei unterliegen sollte, so möchte ich, bat er, allen Arbeitskameraden sagen, daß er als anständiger Mensch für das Werk auf der Strecke geblieben sei" {3}

Bei den Hitlergegnern in der Bevölkerung mischte sich die Hoffnung auf die Befreiung vom Nationalsozialismus mit der Sorge, daß die zu erwartenden Kampfhandlungen in letzter Minute die Stadt weiter zerstören und Opfer unter der Zivilbevölkerung kosten könnten. Die Stimmung der überwiegenden Mehrheit der Einwohner war von der Erwartung, daß der Krieg endlich vorbei ist, der Furcht vor bevorstehenden Kampfhandlungen und der Ungewißheit über das Verhalten der Amerikaner gegenüber den Deutschen geprägt. Die ausländischen Arbeitskräfte und Kriegsgefangenen erwarteten sehnsüchtig den Einmarsch der Amerikaner und ihre Rückkehr in die Heimat.

Am 13. April 1945 rückten die Soldaten der 4. Panzer- und der 80. InfantrieDivision, durch das Mühltal kommend, in die Innenstadt vor. Um den Amerikanern den Übergang über die Saale zu erschweren, hatten Wehrmachtspioniere am 12. April 1945 die Saalebrücken gesprengt Davon ließen sich die Amerikaner nicht aufhalten. Sie setzten über die Saale und drängten die Wehrmachtsverbände weiter nach Osten. In Jena zerfielen innerhalb weniger Stunden die nationalsozialistischen Herrschaftsstrukturen. Noch bevor die amerikanischen Truppen die Jenaer Innenstadt vollständig besetzt hatten, erschien ein amerikanisches Vorauskommando im Zeiss-Hauptwerk und suchte den Kontakt zu Heinrich Küppenbender.{4}

Als die amerikanischen Militärs das Zeiss-Werk besetzten, befand sich das Jenaer Unternehmen in einer existenzbedrohenden Krise. Seine Integration in das NS-Regime und insbesondere die zunehmende Ausrichtung der Forschung, Entwicklung und Fertigung auf die Rüstungsbelange sowie die Schwächung des innovativen Potenzials durch den Abzug von Fachkräften für den Kriegsdienst hatten dazu geführt, daß das Zeiss-Werk auf wichtigen Gebieten des optischen Präzisionsgerätebaus den Vorsprung vor internationalen Konkurrenten verloren hatte. Hinzu kamen die erheblichen Verluste an Vermögenswerten aus der Vorkriegszeit in den Ländern, gegen die das Dritte Reich Krieg geführt hatte oder die von deutschen Truppen besetzt worden waren, und durch die Luftangriffe auf die Werksanlagen in Jena.{5}

Der Höhepunkt dieser Krise war zweifellos die nahezu komplette Demontage des Werkes durch die UdSSR Ende 1946/Anfang 1947.

Die amerikanischen Militärs übernahmen unmittelbar nach ihrem Einrücken in Jena die Kontrolle über das Zeiss-Werk. Die Geschäftsleiter mußten alle wesentlichen Entscheidungen von den Offizieren der Militärkommission genehmigen lassen. Die Geschäftsleiter verstanden es, die Beziehungen zu den Besatzungsoffizieren sachlich und bisweilen vertrauensvoll zu gestalten. Der Geschäftsleiter Paul Henrichs berichtete am 14. Juni 1945 dem Bankier Joseph

{3} BACZ Nr. 15139 (Erinnerungen von Werkmeister Ernst Hädrich).

{4} Hermann: Nur der Name war geblieben. S. 10-12.

{5} Walter: Zeiss 1905-1945, S. 163-262, insbesondere S. 239-262.

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 5]

[Bild 1]

Abb. I Hauptwerk 1945, Bombenschäden am Bau 13 und 15

Abs von einem amerikanischen Offizier „unter dessen Kontrolle wir arbeiten und der uns andererseits besonders in den ersten Wochen guten Schutz gewährt hat".{6}

Kennzeichnend für das Ende der NS-Herrschaft war auch, daß sich Mitglieder des Betriebsrates, die bis zum Frühjahr 1933 die Interessen der Belegschaft gegenüber der Geschäftsleitung im Zeiss-Werk wahrgenommen hatten und von den Nationalsozialisten aus ihren Funktionen entfernt worden waren, nach der Besetzung der Stadt durch amerikanische Truppen wieder zusammenfanden. Die Initiative dazu ging von Otto Marquardt aus, der von 1930 bis 1933 den Vorsitz des Betriebsrates inne hatte. Der Optiker war am 15. April 1945 an seinen Arbeitsplatz in der Optik-Justiererei II zurückgekehrt und hatte Kontakt zu seinen ehemaligen Betriebsratskollegen aufgenommen, um mit ihnen gemeinsam die demokratische Belegschaftsvertretung wieder zu begründen. Mit einigen Kollegen suchte er am 21. April 1945 den Leiter der Planungsstelle, Dr. Hugo Schrade, auf, um mit ihm dieses Vorhaben zu erörtern. Hugo Schrade hatte Anfang der dreißiger Jahre in der Personalhauptleitung eine maßgebliche Rolle gespielt und war ebenso wie Otto Marquardt von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Er war für Otto Marquardt eine Vertrauensperson, mit der er den Aufbau der Belegschaftsvertretung besprechen konnte. Da nicht bekannt war, ob die amerikanische

{6} BACZ Nr.22825 (alt) (Schreiben Paul Henrichs an Joseph Abs vom 14. Juni 1945); Schumann: Carl Zeiss. Einst und Jetzt, S. 595.

[Seite 6] 1945-1948 Carl Zeiss Jena

Militärregierung Betriebsräte zulassen würde, wählte Otto Marquardt für die Belegschaftsvertretung die Bezeichnung Arbeiter- und Angestellten-Ausschuß. Ein solches Gremium war im Statut der Carl-Zeiss-Stiftung verankert.{7} Diesem Ausschuß wollte Otto Marquardt die Rechte und Pflichten eines Betriebsrates sichern. Mit Hugo Schrade erörterte Otto Marquardt inhaltliche Probleme, die umgehend gelöst werden mußten. Das betraf in erster Linie die Tilgung aller Bestimmungen, die auf Druck der Nationalsozialisten in das Stiftungsstatut eingefügt worden waren und dem Abbeschen Geist widersprachen, sowie die weitere Gültigkeit des Statuts. Sodann ging es um die Aufhebung der Maßregelungen, die von der Geschäftsleitung aufgrund der nationalsozialistischen Gesetzgebung gegen Belegschaftsmitglieder ausgesprochen worden waren.

Zwei Tage später trafen sich die Initiatoren des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses mit Heinrich Küppenbender, um aktuelle und prinzipielle Probleme zu besprechen.{8}

Nach den Wahlen der Ausschußmitglieder, Abteilungsvertreter und Kommissionsmitglieder zwischen dem 27. April und dem 6. Mai 1945 trafen sich am 7. Mai 1945 die Belegschaftsvertreter zur konstituierenden Sitzung des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses und beschlossen, auf der Grundlage des Stiftungsstatuts von 1933, des Arbeitsvertrags von 1928, des Pensionsstatuts vom 1. Januar 1939 und der Satzungen der Betriebskrankenkasse vom 1. März 1930 zu arbeiten.{9} Die Ausschuß-Mitglieder konzentrierten sich in den ersten Monaten ihrer Tätigkeit auf die Säuberung des Zeiss-Unternehmens von den Hinterlassenschaften des NS-Regimes.

Das erste Konversionsprogramm

Wenige Tage nach der militärischen Besetzung des Zeiss-Werkes entwarf Heinrich Küppenbender ein Konversionsprogramm, das die Maßnahmen für die unmittelbaren Nachkriegsmonate enthielt. Dazu gehörte das am 19. April 1945 verfaßte Fertigungsprogramm und die weitreichenden Veränderungen in der Belegschaft. Bei der Planung der Fertigung ging der Geschäftsleiter von dem absehbaren Bedarf an Zeiss-Erzeugnissen in der ersten Nachkriegszeit aus. Er stellte die Fertigung von Brillengläsern, Photo-Objektiven und ausgewählten optischen Präzisionsgeräten in den Mittelpunkt des zu produzierenden Sortiments. Das lassen die Zahlen über die Verteilung der Arbeitskräfte auf die Betriebs- bzw. Fertigungsabteilungen und die Aufteilung der vorgesehenen Fertigungsstunden erkennen. Danach sollten von der künftigen Gesamtbelegschaft 25,5 bzw. 28,5 Prozent in den Laboratorien, Konstruktionsbüros sowie in der Verwaltung und 74,5 bzw. 71,5 Prozent in den Betriebsabteilungen beschäftigt

{7} Hellmuth/Mühlfriedel: Die Firma Carl Zeiss Jena 1933-1939, S. 250-258.

{8} Mühlfriedel/ Hellmuth: Das Tagebuch des Betriebsrates, S. 194.

{9} Mühlfriedel/Hellmill II: Das Tagebuch des Betriebsrates, S. 195.

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 7]

werden.{10} Die Tabelle 1 im Tabellenanhang gibt einen Ein blick in den Küppenbender-Plan.

Ausgehend von diesem Plan begann am 18. Mai 1945 Karl Müller in der Planungsstelle mit der Ausarbeitung des Fertigungsprogramms für Brillengläser. Dieses Programm, das am 13. Juni 1945 vorlag, sollte bis zum Oktober 1945 abgearbeitet sein. Es wies neben Anzahl und Art der Gläser auch aus, welche Stückzahlen pro Monat zu fertigen waren.{11}

Als Heinrich Küppenbender am 19. April 1945 einem Major der amerikanischen Militärkommission die Maßnahmen vortrug, die für die Aufnahme der Fertigung unerläßlich waren, erfuhr er, daß die amerikanischen und britischen Streitkräfte verschiedene Anforderungen an das Zeiss-Werk richten werden, die im Zusammenhang mit den Kampfhandlungen in Ostasien standen. Die amerikanischen Offiziere bestellten 4.105 Feldstecher, 1.200 Zielfernrohre für Gewehre, die bis Herbst 1945, und 5.000 Zielfernrohre, die im kommenden Jahr zu liefern waren. Darüber hinaus erteilten die Amerikaner Aufträge für Entfernungsmesser verschiedener Bauweisen.{12} Wenig später kamen weitere Aufträge für optische Militärerzeugnisse hinzu. Im Laufe des Monats Mai 1945 unterbreitete die Geschäftsleitung der amerikanischen Militärkommission die entsprechenden Angebote. Seit dem 8. Mai 1945 berichtete die Geschäftsleitung dem amerikanischen Hauskommandanten regelmäßig über die laufende Produktion.{13} Die amerikanischen Aufträge veranlaßten Heinrich Küppenbender am 14.Juni 1945 Joseph Abs mitzuteilen: „Wir haben alsbald mit Zustimmung der Besatzungsmacht die Fabrikation wieder aufgenommen."{14} Das betraf aber nur wenige Werkstätten und war auch der Grund, weshalb ein zeitgenössischer Bericht festhält: „In der Zeit der amerikanischen Besatzung ruhte praktisch die Produktionstätigkeit. Ausnahme: Kleine Komplettierungsarbeiten an angefangenen Geräten, die nach der Fertigstellung von Amerikanern bis zum 30. Juni übernommen wurden."{15}

Die Arbeiter und Angestellten, die sich nach und nach wieder an ihren Arbeitsplätzen einfänden, führten hauptsächlich Aufräumungsarbeiten in den Laboratorien, Konstruktionsbüros, Werkstätten und auf dem Werksgelände aus.{16} Ein größerer Teil der Zeiss-Arbeiter beteiligte sich an Instandsetzungsarbeiten in der Stadt.

In den ersten Nachkriegswochen veränderte sich die Zusammensetzung der Belegschaft. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung schieden zum

{10} Zusammengestellt und errechnet nach BACZ Nr. 26785 (alt) (Jahresberichte der Abteilungen 1945).

{11} BACZ Nr. S 95 (Bericht des Technischen Direktors); Nr. 8000 (Fertigungsprogramme in der amerikanischen Besatzungszeit).

{12} BACZ Nr. 26785 (alt) (Jahresberichte der Abteilungen 1945).

{13} BACZ Nr. 4882 (Militärische Abteilung. USA. Allgemeiner Band I); Nr. 6146 (Namentliche Aufstellung der amerikanischen Militärkommission).

{14} Archiv Mühlfriedel (Schreiben von Heinrich Kiippenbender an Joseph Abs vom 14. Juni 1945).

{15} (Zeitzeugenbericht).

{16} BACZ Nr. 26785 (alt) (Jahresberichte der Abteilungen 1945).

[Seite 8]1945-1948 Carl Zeiss Jena

20. April 1945 die ausländischen Arbeitskräfte aus dem Zeiss-Werk aus. Das waren nach dem Stand vom 31. März 1945 29,8 Prozent aller Beschäftigten.{17} Zwischen April und Juni 1945 erhielten 71,2 Prozent der deutschen Arbeitskräfte, die während des Krieges ins Werk gekommen waren und in der Belegschaftsstatistik als „Kriegseingestellte" geführt wurden, die Entlassungspapiere. Ein kleiner Teil von ihnen wurde in die reguläre Zeiss-Belegschaft übernommen. Bis Juni 1945 trennte sich das Zeiss-Werk auch von 75,4 Prozent der Arbeitskräfte, die in den letzten Kriegsjahren dienstverpflichtet worden waren. Diese beiden Beschäftigtengruppen machten im März 1945 18,8 bzw. 3,5 Prozent der gesamten Belegschaft aus. Die Zeiss-Stammbelegschaft bestand zu diesem Zeitpunkt lediglich aus 41,1 Prozent der Beschäftigten. Des Weiteren pensionierte die Geschäftsleitung in diesen Wochen 337 Arbeiter und Angestellte, die 60 Jahre und älter waren. Durch diese Entlassungen veränderte sich zwischen März und Juni 1945 die Belegschaftsstruktur. Der Arbeiteranteil an den Beschäftigten verringerte sich von 74,2 auf 55,4 Prozent, und der Anteil der weiblichen Arbeitskräfte sank von 37,2 auf 18,7 Prozent.{18}

In den letzten Kriegswochen waren Mitarbeiter aus den verschiedenen Zeiss-Unternehmen außerhalb Deutschlands nach Jena zurückgekehrt. In der Personalhauptleitung meldeten sich auch die Belegschaftsmitglieder, die von alliierten Streitkräften aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Zuchthäusern befreit worden waren. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht kamen die ersten Zeissianer aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Zugleich mußten immer wieder Werksangehörige aus den Personallisten gestrichen werden, von denen bekannt wurde, daß sie noch kurz vor Kriegsende an der Front oder durch Luftangriffe ums Leben gekommen waren.

Die „Carl-Zeiss-Werk-Mission"

Während Heinrich Küppenbender das erste Konversionsprogramm erarbeitete und die Wiederaufnahme der Fertigung vorbereiten ließ, informierten sich seit Ende April 1945 amerikanische Offiziere eingehend über die Gerätefertigung während des Zweiten Weltkrieges, die Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, den Maschinenpark, die Elektroenergieversorgung, die Beschäftigten, die Zulieferfirmen, den Rohstoff- und Materialbedarf, die Absatzgebiete, die Kapitalbeteiligungen usw. Ihr besonderes Interesse galt den geschäftlichen Beziehungen des Zeiss-Konzerns zu den Japanern. Vor allem untersuchten sie, welche optischen Militärgeräte in das Kaiserreich geliefert worden waren.

{17} BACZ Nr. 27981 (Zivilausländer nach Nationalitäten. Stand: 31. März 1945). Danach beschäftigte das Zeiss-Werk insgesamt 3.899 Zivilausländer aus 22 Nationen. Darunter befanden sich 26,7 Prozent Russen, 23,5 Prozent Belgier, 8,8 Prozent Italiener, 7,8 Prozent Holländer und 4,7 Prozent Tschechoslowaken. Von den Zivilausländern waren 28 Prozent weiblichen Geschlechts.

{18} Zusanimengestellt und errechnet nach BACZ Nr. 11141 (Personalübersicht. März 1945).

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 9]

Als sich Ende Mai 1945 immer deutlicher abzeichnete, daß die US-Administration die in Jalta zwischen den drei alliierten Regierungschefs getroffene Vereinbarung über die Aufteilung Deutschlands und die damit verbundenen Demarkationslinien zwischen den Besatzungszonen respektieren wird, veränderte sich für die Stiftungsunternehmen die politische Situation. Jetzt war der Rückzug der amerikanischen Truppen aus Jena und die Besetzung der Stadt durch die Rote Armee nicht mehr auszuschließen. Es bestand die reale Gefahr, daß die Zentrale des Zeiss-Konzerns mit seinem Forschungs- und Entwicklungspotenzial, den hauptsächlichen Fertigungsstätten und dem Jenaer Glaswerk Schott & Gen., in dem die optischen Spezialgläser für den gesamten Konzern erzeugt wurden, von den Firmen in den westlichen Besatzungszonen getrennt wird, an denen die Carl-Zeiss-Stiftung und das Zeiss-Unternehmen beteiligt waren. Damit waren auch die arbeitsteiligen Beziehungen innerhalb des Zeiss- Konzerns gefährdet.

Dieser Sachverhalt hatte für die amerikanischen Militärs zwei Aspekte. Ihnen verblieb keine Zeit, die Erzeugnisse, die sie in Auftrag gegeben hatten, noch im vollen Umfang zu erhalten und gegebenenfalls im Krieg gegen das japanische Kaiserreich einzusetzen. Sie mußten zugleich hinnehmen, daß die sowjetischen Streitkräfte die Verfügung über das Jenaer Unternehmen bekommen. Da die Amerikaner aber eine militärische Konfrontation mit der UdSSR nicht ausschlossen, waren sie nicht daran interessiert, die militärisch nutzbaren Erkenntnisse, Erzeugnisse und Verfahren der sowjetischen Rüstungsindustrie zu überlassen.

Auch Unternehmen der feinmechanisch-optischen Industrie in den USA und in Großbritannien befürchteten, daß ihnen künftig sowjetische Unternehmen mit den in Jena vorgefundenen Innovationen auf dem internationalen Markt Konkurrenz machen könnten. Daß dies nicht unbegründet war, wird im folgenden Kapitel deutlich.

Die im Zeiss-Werk und im Jenaer Glaswerk agierenden amerikanischen und britischen Teams erkundeten darum nicht nur das militärisch Relevante, sondern erschlossen auch, was im optischen Präzisionsgerätebau und der Photo-Optik überhaupt von besonderem Wert war. So beschlagnahmten die Amerikaner die Objektiv-Sammlung des Zeiss-Werkes und verbrachten sie in die USA. Die 2.000 Stücke umfassende Sammlung enthielt sowohl die ältesten Zeiss-Objektive als auch die neuesten Belegstücke. Ferner wurden 20 Konstruktionsbücher mit je 100 optischen Skizzen der gängigsten Objektive und die dazu gehörigen Fertigungsvorschriften weggebracht. Der Schätzwert der Konstruktionsbücher lag bei vier Millionen RM.[19] Der Leiter der photographischen Abteilung der amerikanischen Armee-Nachrichten-Agentur, Edward K. Kaprelain, bewertete im Februar 1948 die nach Astoria, Long Island, gebrachte Objektiv-Sammlung wie folgt: „Das Studium der Jenaer Linsen und Pläne bedeutet auf dem Gebiet der Entdeckung

{19} BACZ Nr. 18187 (Liste der von den Amerikanern beschlagnahmten Objektivsammlung); Schumann: Carl Zeiss. Einst und Jetzt. S. 592-593.

[Seite 10]1945-1948 Carl Zeiss Jena

und Entwicklung von Linsen für die Vereinigten Staaten einen Fortschritt von Jahren" {21}

Lieutnant W. Brayer, ein Fachmann für Luftbildphotographie, der seit April 1945 der amerikanischen Militärkommission angehörte {21}, hatte die Geschäftsleitung zunächst mündlich und später auch schriftlich beauftragt, 3.400 hochwertige Spezialobjektive für Fliegerkameras herzustellen. Als Brayer bekannt wurde, daß sich die amerikanischen Truppen aus Thüringen zurückziehen werden, noch ehe die in Auftrag gegebenen Objektive fertiggestellt sein können, faßte er Ende Mai 1945 den Plan, diesen Auftrag zu stornieren und die gesamte Fertigung der Bildmeßobjektive in das amerikanische Besatzungsgebiet zu verlagern. Das teilte er Ende Mai oder Anfang Juni 1945 der Geschäftsleitung mit. {22} Um einen geeigneten Fertigungsstandort in der amerikanischen Besatzungszone zu erkunden, flog Colonel Goddhardt, von Heinrich Küppenbender, Geschäftsleiter Paul Henrichs und Ernst Opitz, dem Leiter sämtlicher Werksanlagen, begleitet, nach München. Dort prüften sie zunächst, ob die Firma Deckel geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen kann. Da sich die besichtigten Objekte nicht eigneten, reiste Lieutnant David Ginsberg mit Heinrich Küppenbender am 5. Juni 1945 nach Stuttgart in das Contessa-Werk, das zur Zeiss lkon AG gehörte. Die Nutzung dieser Fertigungsstätte scheiterte am Widerstand der französischen Besatzungsbehörden.

Da Brayer offensichtlich nicht kompetent war, das Verlagerungsunternehmen in die Wege zu leiten, suchte er die Unterstützung seiner vorgesetzten Dienststelle, die am 7. Juni 1945 Colonel Hubert Zempke und Colonel J.J. Stone nach Jena entsandte. Colonel Hubert Zempke führte im Auftrag des Hauptquartiers des Obersten Befehlshabers der lnterventionsstreitkräfte Sonderaufgaben aus, und Colonel Stone gehörte dem technischen Geheimdienst der US-Luftstreitkräfte an. {23} Die beiden Luftwaffenoffiziere organisierten nun im Auftrag des Hauptquartiers der Strategischen Luftwaffe der USA die „Carl-Zeiss-Werk-Mission", deren Ziel Colonel Stone am 20. Juli 1945 in einem geheimen Bericht an seine vorgesetzte Dienststelle so beschreibt: „Die Mission war geplant, um bestimmtes Schlüsselpersonal, wichtige Forschungsarbeiten und Produktionsgerätschaften des Carl-Zeiss-Werkes in Jena, Deutschland, in ein von der Armee der Vereinigten Staaten kontrolliertes Gebiet zu bringen". {24}

{20} Zitiert in Schumann: Carl Zeiss. Einst und Jetzt, S. 593.

{21} BACZ Nr. 9291 (Auskünfte, Militärische Besatzung, u. a. April 1945 - Januar 1946).

{22} BACZ Nr. 19159 (Heinrich Küppenbender: Notiz betr. Verpacken von Vorrichtungen und Werksanlagen vom 20. April 1946).

{23} Jürgen Steiner: Das Jenaer Glaswerk , S. 204-205.

{24} B-B Nr. 89 Geheimer Bericht über die Carl-Zeiss-Werk-Mission an das Hauptquartier der Vereinigten Strategischen Luftwaffe der Vereinigten Staaten in Europa - Büro des stellvertretenden Stabschefs, A-2 vom 20. Juli 1945, verfaßt von J. J. Stone, Colonel, A. G.; Executive. Archiv der US Air Force. Maxwell Air Force Base Montgomery, Alabama.

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 11]

Die Geschäftsleiter der Stiftungsunternehmen zogen aus den verschiedenen Informationen, die sie von den Offizieren der amerikanischen Militärkommission und aus anderen Quellen erhielten, den Schluß, daß der Rückzug der Amerikaner aus Thüringen in absehbarer Zeit bevorstehen kann. Sie nutzten die von den Amerikanern vorbereitete Mission, um selbst den Aufbau neuer Fertigungsstätten in der amerikanischen Besatzungszone so zu planen, daß sie die Aufgaben der Jenaer Stiftungsunternehmen im Gesamtkonzern übernehmen können. Sie mußten damit rechnen, daß, nachdem das nationalsozialistische Deutschland niedergerungen war, die latenten Spannungen zwischen der UdSSR und ihren westlichen Verbündeten zunehmen und die westlichen Besatzungszonen von der Ostzone abgeschottet werden. In einem solchen Falle würden die Unternehmen des Zeiss-Konzerns in den westlichen Besatzungszonen weder mit optischem Spezialglas noch mit optischen Systemen beliefert. Das könnte - so befürchteten sie - Zeiss-Konkurrenten ermöglichen, zunächst den Markt in den westlichen Besatzungszonen und zu gegebener Zeit auch den Außenmarkt zu beherrschen.

Unmittelbar nach seiner Stuttgart-Reise ordnete Heinrich Küppenbender an, die Verlagerung von Personal, Material und Ausrüstungen in das amerikanische Besatzungsgebiet vorzubereiten. Er forderte vom Leiter der Optik-Betriebsleitung und von der Planungsstelle, Richtzahlen für die einzelnen Maschinenarten festzulegen, die verlagert werden sollen. Am 9. Juni 1945 besprach er mit Ernst Opitz und Hugo Schrade das Resultat der Vorarbeiten. Und noch am gleichen Tag diktierte Heinrich Küppenbender die Notiz „Betr.: Errichtung einer Zweigfertigungsstelle des Zeisswerkes". Die entscheidende Passage in der Notiz lautet:

„Um die Fertigung des Zeisswerkes auch mit Sicherheit in dem von den Vereinigten Staaten besetzten Gebiet durchführen zu können, ist neben der Umsetzung der notwendigen Spezial- und Fachkräfte die Verlagerung eines Teils der in Jena und in den von der Firma Carl Zeiss gesteuerten Außenwerken ... befindlichen Werkzeugmaschinen sowie der Einrichtungen für Werkstätten, Konstruktionsbüros, Laboratorien und Verwaltungen mit den dazu gehörigen Unterlagen erforderlich ... Die Zusammensetzung des neuen Werkes soll so gewählt werden, daß ein geschlossenes, leistungsfähiges feinmechanisch-optisches Unternehmen gegeben ist, d. h., daß neben den Fachkräften und Spezialisten des Betriebes auch Spezialkräfte der Konstruktionsbüros, der Laboratorien mit verlagert werder." {25}

Heinrich Küppenbender ging von 2.000 Jenaer Mitarbeitern aus, darunter 1.000 produktiv Beschäftigten, die in das amerikanische Besatzungsgebiet umgesiedelt werden sollten. Für die gesamte Fertigungsstätte hatte der Geschäftsleiter eine Nutzfläche von 25.000 m2 vorgesehen, auf der 2.456 Maschinen aufgestellt werden können. Für den Abtransport der Maschinen, Einrichtungen, Unterlagen usw. waren insgesamt 600 Eisenbahnwaggons oder 350 Lastzüge vorgesehen, wenn ein 14 Tage währender Straßentransport notwendig werden sollte. Der Abtransport der 2.000 Belegschaftsmitglieder und deren ca. 4.000 Familienangehörigen

{25} BACZ Nr. 19159 (Heinrich Küppenbender: Notiz betr. Verpacken von Vorrichtungen und Werksanlagen vom 20. April 1946).

[Seite 12]1945-1948 Carl Zeiss Jena

würde sechs Tranportzüge zu je 100 Achsen beanspruchen. In der Planung von Küppenbender spielte die Unterbringung der insgesamt 6.000 Menschen - Zeiss-Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen - am neuen Bestimmungsort keine Rolle.{26} Als Heinrich Küppenbender den Amerikanern den Wagenbedarf für den Abtransport der zu verlagernden Güter vorlegte, wurde ihm bedeutet, daß eine derartige Anzahl von Waggons infolge der voraussichtlich nur noch kurzen Zeit, die zur Verfügung steht, nicht gestellt werden kann. Aus diesem Grunde sollte der Plan noch einmal für insgesamt 1.000 Personen aufgestellt werden.{27}

Colonel Stone hielt in seinem Geheimen Bericht fest, daß die Geschäftsleiter die Offiziere um ein Treffen ersucht hatten, um ihnen einen Vorschlag zu unterbreiten, den die amerikanische Seite berücksichtigen solle. Nach Stones Bericht verwiesen die Geschäftsleiter bei diesem Treffen zunächst darauf, daß nach ihrer Kenntnis Jena und das umliegende Gebiet unter russische Kontrolle kommen. Da sie aber weder für die Russen noch mit ihnen arbeiten wollten, möchten sie aus dem Zeiss-Werk „bestimmte wichtige Teile der Forschung, Produktionsgeräte und Schlüsselpersonal evakuieren". Als neue Standorte wurden Tochterunternehmen in München oder Stuttgart genannt. Ihr Evakuierungsplan sah auch verschiedene Produktionen und Kontrollgeräte vor, die benötigt werden, um den zu erwartenden US-Befehl zu erfüllen. Dabei ging es um die Objektive für die Bildmeßgeräte. Colonel Warner, G-4 Offizier der 9. US-Armee, hörte sich an, was die Geschäftsleiter vortrugen und ließ sie wissen, daß er sich zu den Plänen der sowjetischen Seite nicht äußern werde. Aber im Hinblick darauf, daß die US-Armee den Befehl erteilt habe, das Zeiss-Werk im Krieg gegen Japan zu nutzen, würde das Vorhaben der Geschäftsleitung „in Erwägung gezogen". Dazu verlangte der Colonel von den Geschäftsleitern in den nächsten 24 Stunden Unterlagen und Aufstellungen über das Personal, Material und Ausrüstungen.

Die Geschäftsleiter machten Colonel Warner und die anderen Offiziere darauf aufmerksam, daß auch das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. verlagert werden müßte, weil zur Ausführung des Befehls optische Spezialgläser erforderlich sind. „Daraufhin" - so vermerkt Stone in seinem Bericht - „wurde Dr. Schott von den Schott-Glaswerken der Befehl gegeben, eine Auflistung von Geräten und Personal zu erstellen, die denen, die durch das Zeiss-Werk anzufertigen sind, entsprechen." Material, Maschinen und Personal aus dem Jenaer Glaswerk sollte in das Tochterunternehmen in Zwiesel gebracht werden, das nach Auskunft von Erich Schott zu 75 Prozent auf den Produktionsbeginn vorbereitet war.

Am folgenden Tag legten die Geschäftsleiter den für die Mission zuständigen Offizieren die gewünschten Listen vor, bei deren Zusammenstellung sich die damit befaßten Zeiss-Mitarbeiter offensichtlich größte Zurückhaltung auferlegt hatten, denn die Amerikaner waren mit der Ausführung ihrer Anweisung höchst unzufrieden. Deshalb verlangten sie eine Nachbesserung. Gleichzeitig erhielten

{26} BACZ Nr. 19159 (Notiz: Btr. Errichtung einer Zweigfertigungsstelle des Zeisswerkes).

{27} BACZ Nr. 19159 (Heinrich Küppenbender: Notiz betr. Verpacken von Vorrichtungen und Werksanlagen vom 20. April 1946).

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 13]

die Geschäftsleiter den nachdrücklichen Befehl, die auf den Listen vermerkten Unterlagen und Gegenstände für den Abtransport bereitzustellen. Daraufhin wies Heinrich Küppenbender am 14. Juni 1945 an, alle Befehle der amerikanischen Militärs strikt zu befolgen.{28}

Die Geschäftsleiter warben zwischen dem 11. und 16. Juni 1945 unter den Wissenschaftlern und Konstrukteuren für eine freiwillige Übersiedlung in die amerikanische Zone. Wilhelm Trostmann äußerte sich später über diese Aktion der Geschäftsleitung:

"Gemäß Aussagen von Dr. Hansen hat dann Prof. Joos {29} wiederholt versucht, einzelne diese Forderung (freiwilliges Verlassen Jenas d. V.) mit größter Entschiedenheit ablehnende Herren durch Besuch in deren Wohnung und persönliche Überredung umzustimmen und sich freiwillig mit ihrer Verlagerung in amerikanisches Gebiet einverstanden zu erklären." {30}

In den Werbegesprächen wurde deutlich, daß die Angesprochenen nur eine geringe Bereitschaft zeigten, Jena zu verlassen, denn noch schien der Abzug der Amerikaner nicht ausgemacht. Und obendrein waren die mit einem Weggang verbundenen Unwägbarkeiten außerordentlich groß. Etwas anders verhielt es sich bei Heinrich Kuppenbender und einigen anderen Führungskräften, die auch ein persönliches Interesse daran hatten, den sowjetischen Militärs nicht zu begegnen, denn sie waren, auch wenn sie keine herausragende Funktion in der NSDAP innehatten, aufgrund ihrer Stellung in der Rüstungsindustrie in das nationalsozialistische Herrschaftssystem integriert. Sie mußten befürchten, daß man sie dafür zur Rechenschaft ziehen werde.

Am 10. Juni 1945 begann der Abtransport der wissenschaftlich-technischen Unterlagen und der speziellen Ausrüstungsgegenstände aus den Laboratorien und Werkstätten. Sie wurden zur 45. Air Depot Group gebracht.

Neue Direktiven der Amerikaner

Abtransport ausgewählter Fachkräfte - Verzicht auf Industrieausrüstungen

Während das Verpacken von Einrichtungsgegenständen und Unterlagen in Jena in vollem Gange war, erfuhr Colonel Hubert Zempke von seinen Vorgesetzten - er war am 11. Juni 1945 ins Hauptquartier nach Paris gereist, um dort sein weitreichendes Programm zur Evakuierung von Personal und Sachgütern vorzutragen -, daß man sich an die alliierte Festlegung hält und beim Rückzug der Truppen aus anderen Besatzungszonen die Industrieanlagen unangetastet läßt. Danach ließ sich die „Carl-Zeiss-Werk-Mission" nicht mehr im vollen Umfang realisieren.

{28} BACZ Nr. 27200 Tagebuch des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses (Eintragung vom 14. Juni 1945).

{29} Prof. Dr. Georg Joos, Ordinarius für Theoretische Physik an der Jenaer Universität, war seit 1941 Mitglied der Zeiss-Geschäftsleitung. Er leitete die Laboratorien des Unternehmens.

{30} BACZ Nr. 19159 (Mitteilung von Wilhelm Trostmann).

[Seite 14]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Da auch das 8. Korps der US-Armee, dem die Kontrolle Jenas oblag, diesen Befehl kannte, verweigerten seine Offiziere den Abtransport von industriellen Sachgütern aus Jena. Colonel Zempke, der am 17. Juni 1945 wieder in Jena eingetroffen war, drängte gemeinsam mit Colonel Stone beim 8. Korps auf die Freigabe des Requirierten. Sie vermochten aber vorerst nichts zu erreichen. Das 8. Korps hatte in den Stiftungsunternehmen sogar Wachen aufziehen lassen, die den Befehl hatten, den Abtransport von Material und Maschinen zu verhindern. Die Bemühungen der mit der „Carl-Zeiss-Werk-Mission" Beauftragten, beim Hauptquartier der Luftstreitkräfte einen schriftlichen Befehl für die Ausführung ihres Vorhabens zu erwirken, blieben erfolglos. Schließlich ging ein Funkspruch ein, der das 8. Korps anwies, Stone und Zempke bei der Evakuierung von Daten und Personen zu unterstützen. Material und Ausrüstungsgegenstände waren in dem Funkspruch nicht erwähnt, so daß sich das 8. Korps auch nicht veranlaßt sah, den Abtransport von Material und Ausrüstungsgegenständen zu erlauben. Danach wurden das Rohglas und die Einrichtungsgegenstände des Glaswerkes, beides war bereits in 19 Eisenbahnwaggons verladen, wieder ins Glaswerk zurückgebracht. Ebenso blieb das Verpackte im Zeiss-Werk an Ort und Stelle. Die mit der Mission beauftragten Offiziere kamen nun auch der Bitte Küppenbenders nicht mehr nach, die Rechtmäßigkeit der Verlagerungsaktion durch einen schriftlichen Befehl zu bestätigen. Um einen derartigen Befehl zu erwirken, hatte der Geschäftsleiter sogar ein entsprechendes Memorandum abfassen lassen, das von den Offizieren unterzeichnet werden sollte. Heinrich Kuppenbender berichtete später darüber:

„Wir bereiteten zusammen ein Memorandurn vor, in welchem klar zum Ausdruck kam, daß es sich um einen Befehl handele. Ich erinnere mich noch, daß die amerikanischen Offiziere das Memorandum korrigierten ... Wir kamen über ein, daß uns eine Reinschrift ... übergeben werden sollte. Das wurde nicht getan." {31}

Nachdem der amerikanische Präsident Mitte Juni 1945 Churchill und Stalin telegraphisch mitgeteilt hatte, daß er die amerikanischen Truppen aus dem Gebiet abziehen werde, das der UdSSR zugesprochen worden war, erließ das Alliierte Oberkommando in Abstimmung mit der militärischen Führung am 18. und 19. Juni 1945 den geheimen Befehl, beim Rückzug der amerikanischen Verbände aus Sachsen, der Provinz Sachsen und Thüringen alle Wissenschaftler und Techniker zu evakuieren, die den USA und Großbritannien nützlich sein können. {32}

Diesen Befehl brachte eine Gruppe von Offizieren aus dem Hauptquartier am Nachmittag des 18. Juni 1945 nach Jena. Daraufhin wurden die Geschäftsleiter der Stiftungsunternehmen für den späten Abend des 18. Juni 1945 im Verwaltungshochhaus zusammengerufen. In Anwesenheit mehrerer amerikanischer Offiziere eröffneten Colonel Zempke und Colonel Stone den Geschäftsleitern, daß, wie Heinrich Küppenbender später notierte, „keine Zeit mehr zur Durchführung

{31} Hermann: Nur der Name ist geblieben, S. 15.

{32} Klaus-Dietmar Henke: Die amerikanische Besetzung Deutschlands, München 1995.

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 15]

der früher geplanten Verlagerung zur Verfügung stehe. Man müsse sich deshalb auf die wichtigsten Menschen, Geräte und Maschinen beschränken. Col. Zempke brauchte hierbei den mir in Erinnerung gebliebenen Satz: ,We take the brain'". Colonel Zempke gab ferner bekannt, daß die Geschäftsleiter auf einer Sonderliste des alliierten Hauptquartiers stehen und als erste abtransportiert werden. Obwohl Walther Bauersfeld nicht erwähnt worden war, stand er am folgenden Tag auf der Liste der Geschäftsleiter. Von den Geschäftsleitern wurde verlangt, daß sie aus ihren Verantwortungsbereichen die wichtigsten Mitarbeiter auflisten. Prof. Dr. Georg Joos sollte 30 bis 35 Wissenschaftler und Prof. Dr. Walther Bauersfeld 20 Konstrukteure nennen. Die Personallisten von Joos und Bauersfeld erhielten die Amerikaner am 19. Juni 1945. Heinrich Küppenbender und Paul Henrichs unterließen die Abgabe ihrer Listen. Die in der Nachtsitzung von den amerikanischen Offizieren vorgetragenen Namen entsprachen allerdings nicht dem aktuellen Personalstand.

„In der erwähnten Nachtsitzung Führte Bfd (Betriebsinternes Kürzel Für Bauersfeld d. V.) in eindrucksvollen Darlegungen aus, die von den Amerikanern befohlenen Maßnahmen kämen einer Trennung des Kopfes vom Rumpf gleich. Sie führten zu einer Zerschlagung des Zeiss-Werkes und damit zu einer Vernichtung des Werkes unseres Stifters Abbe." {33}

Über diese Zusammenkunft vermerkt Colonel Stone in seinem Geheimen Bericht:

„Es wurde ein Treffen der Direktoren des Carl-Zeiss-Werkes einberufen und der mündliche Auftrag erteilt, mit dem Zusammenstellen und Verpacken der Geräte auf den Listen zu beginnen, die mit den Originalplänen eingereicht worden waren. Den Direktoren wurde gesagt, daß das keine Bitte, sondern ein Befehl ist. Und wenn kein Fortschritt beim Zusammenstellen und Verpacken innerhalb von 24 Stunden sichtbar wird, würden amerikanische Truppen ins Werk gebracht, um die Arbeiten abzuschließen. Des Weiteren wurden die Direktoren darüber informiert, daß, wenn kein sichtbarer Erfolg innerhalb von 24 Stunden zu sehen ist, sie den örtlichen Militärbehörden wegen Befehlsverweigerung übergeben werden. Diese Aktion zeigte Wirkung, so daß das Zusammenstellen und Packen der Schlüsselgeräte begann: {34}

Des Weiteren stellt Stone fest, daß man als „Richtlinie für die Auswahl des zu evakuierenden Personals" die „Liste des Forschungspersonals, so wie sie von den Direktoren des Carl-Zeiss-Werkes bzw. der Schott-Glaswerke eingereicht worden waren," genutzt habe."

Am Vormittag des 19. Juni 1945 traf sich Heinrich Küppenbender mit Mitgliedern des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses. Er machte sie mit den bisherigen Aufträgen zur Verlagerung von Teilen des Zeiss-Werkes bekannt und schilderte dann, was sich in der vergangenen Nacht zugetragen hatte. Heinrich

{33} BACZ Nr. 19159 (Heinrich Küppenbender: Notiz betr. Verpacken von Vorrichtungen und Werkzeugen am 20. Juni 1945 vom 16. April 1946).

{34} B-B Nr. 89 Stone: Geheimer Bericht.

{35} B-B Nr. 89 Stone: Geheimer Bericht.

[Seite 16]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Küppenbender hob vor allem hervor, daß die amerikanische Besatzungsbehörde auf Befehl des Alliierten Hauptquartiers angeordnet habe, „die Vorbereitungen zu einer Verlagerung nunmehr in die Tat umzusetzen, die Verpackung der Geräte und Maschinen beschleunigt durchzuführen und diese zur Weiterbeförderung den Amerikanern zu übergeben. Die Forderung der Verlagerung wurde noch dahin gedeutet, daß sie der Ergänzung der im amerikanischen Gebiete (eventl. auch englischen) liegenden zum Zeiss-Konzern gehörenden Fertigungsbetriebe dienen sollte. (Wertvoll für Contessa{36})

Zur Rechtfertigung der Geschäftsleitung führte er noch an: „Die Geschäftsleitung hat bei dieser Gelegenheit erneut mit aller Deutlichkeit auf die Folgen einer solchen Aktion hingewiesen sowohl für die zu verlagernden Menschen, wie auch für die zurückbleibende Belegschaft; sie hat klar zum Ausdruck gebracht, daß die Firma nur als geschlossenes Ganzes ihren traditionsgebundenen Aufgaben gerecht werden könne, daß der von den Amerikanern geforderte Schritt, wenn er durchgeführt würde, fast einer Trennung des Kopfes vom Rumpf gleichkomme und eine überaus schwere Beunruhigung im Betriebe hervorrufen werde."{37}

Um die Ausschußmitglieder aber zu beruhigen, führte er noch aus:

„Der Abtransport der Laboratoriumsgeräte und Maschinen, der zur Zeit im Fluß ist, geschieht, ohne daß hierdurch eine Beeinträchtigung der entsprechenden Einrichtungen im Hause erfolgt. Die Maschinen, welche für die Fertigung des erwähnten Auftrags auf Photolinsen erforderlich sind und abtransportiert werden, können einem sehr reichlichen Vorrat entnommen werden."

Am Morgen des 20. Juni 1945 wurde Heinrich Küppenbender zu Lieutnant Brayer bestellt. Er machte dem Geschäftsleiter heftige Vorwürfe, weil ihm das Verpacken der Laborgeräte, Zeichnungen usw. für die Wissenschaftler und Konstrukteure zu langsam erfolgte und drohte schärfere Maßnahmen an, wenn das Tempo nicht sofort gesteigert wird. Sodann befahl Brayer „sofort mit dem verstärkten Einpacken von Werkzeugen und Vorrichtungen zu beginnen, um die Fertigung im amerikanischen Sektor, gestützt auf den Maschinenpark von Amberg und Ebrach, in kurzer Zeit zum Anlaufen zu bringen. Hierbei sollten die Vorrichtungen und notwendigen Spezialmaschinen für die Herstellung der großen Fliegerobjektive vollständig mitgenommen werden."

Für Heinrich Küppenbender war die Forderung Brayers neu, „daß nun doch die Vorrichtungen für eine größere Fertigungskapazität abtransportiert werden sollten, nachdem in der Nachtbesprechung mit Col. Zempke und der GL (Geschäftsleitungen d. V.) der Plan der Fertigungsverlagerung aus Zeitmangel als undurchführbar bezeichnet wurde". Neu war für Heinrich Küppenbender auch,

{36} Das zu Zeiss Ikon gehörende Contessa-Werk in Stuttgart bezog Photoobjektive aus dem Zeiss- Werk.

{37} Die folgenden Ausführungen stützen sich auf BACZ Nr. 19159 (Heinrich Küppenbender: Notiz betr. Verpacken von Vorrichtungen und Werkzeugen am 20. Juni 1945 vom 16. April 1946); Nr. 27200 Tagebuch des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses (Eintragung vom 19. Juni 1945).

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 17]

„daß nunmehr wieder die gesamte Fertigungseinrichtung für die Herstellung der Fliegerobjektive, also Spezialmaschinen, Meßeinrichtungen und Vorrichtungen verlagert werden sollten".

Der Geschäftsleiter unterrichtete umgehend die Mitarbeiter, die mit der Verpackungsaktion befaßt waren, über die von Brayer erhaltene Anweisung. Er wies Erich Schreiber und Walter Traut an, die „Vorrichtungen für die allgemeine Zeiss-Fertigung und für die Fertigung der Fliegerobjektive" verpacken zu lassen und darüber die Betriebsleiter zu informieren. Die Frage von Walter Traut „Also auch die Unikate?" bejahte Heinrich Küppenbender in der Annahme, sie beziehe sich auf die Vorrichtungen für die Fliegerobjektive. Als Traut daraufhin feststellte: „Das bedeutet aber eine Stillegung der Fertigung", erklärte Küppenbender, wiederum nur an die Fertigung der Fliegerobjektive denkend, „Ich kann es nicht ändern". In der Zusammenkunft der Betriebsleiter wurde von Traut weitergegeben: „Sämtliche Werkzeuge und Vorrichtungen für die zivile Fertigung, auch wenn sie nur in einer Ausführung vorhanden sind, sind sofort in 24-stündiger Schichtarbeit einzupacken." Obwohl diese Information in den Betriebsabteilungen Unverständnis und Widerspruch auslöste, begann man in verschiedenen Abteilungen mit dem Abbau von Vorrichtungen. Als die Mitglieder des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses vom Betriebsleiter Maschinenbau und Hilfsbetriebe, Wilhelm Trostmann, über diese Anordnung unterrichtet wurden, legten sie dagegen scharfen Protest ein. Am Nachmittag des 20. Juni 1945 stellte Otto Marquardt Heinrich Küppenbender zur Rede.{38}} Der Geschäftsleiter erwiderte, man müsse ihn falsch verstanden haben und machte am späten Nachmittag die inzwischen angelaufene Aktion rückgängig. Otto Marquardt notiert unter dem 20. Juni 1945 im Ausschuß-Tagebuch:

„a.) Die Firma Zeiss verlagert auf Befehl der Amerikaner die Produktionsmittel, die für die Anfertigung eines größeren Photoauftrages im amerikanischem Gebiet notwendig sind; b.) Die GL beschließt einstimmig u. teilt es durch Bfd den Amerikanern mit: ,Wir werden freiwillig Jena u. das Zeiss-Werk nicht verlassen'; c.) Für die Friedensproduktion bleiben genügend Prod.-Mittel, um bei äußerster Anspannung eine Produktion aufzubauen; d.) Irrtümlich veranlaßte Vorbereitung für Verlagerungen werden rückgängig gemacht ...". Die Eintragung schließt: „11 Uhr. Etwa 120 leitende Gesch. Angehör., darunter die 4 Herren der G. L., bekommen den Befehl vom Amerikaner, sich zum Abtransport bereit zu halten."{39}

Den amerikanischen Offizieren, die mit der „Carl-Zeiss-Werk-Mission" beauftragt waren und am 20. Juni 1945 erneut versuchten, eine umfangreiche Verlagerung durchzusetzen, blieb letztlich der Erfolg versagt. Der amerikanische Verzicht auf das Requirieren von Maschinen und Einrichtungen durchkreuzte auch die Pläne der Geschäftsleiter, mit diesen Ausrüstungen außerhalb des sowjetischen Besatzungsgebietes eine neue Fertigungsstätte zu errichten. Es muß dahin gestellt bleiben, ob die Anweisung von Heinrich Küppenbender am Vormittag

{38} BACZ Nr. 27200 Tagebuch des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses (Eintragung vom 19. April 1945).

{39} Mühlfriedel/Hellmuth: Das Betriebsrats-Tagebuch, S. 196.

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des 20. Juni 1945 der Versuch war, aus allen Betriebsabteilungen die Vorrichtungen wegzubringen, die für die Einrichtung einer kompletten Fertigungsstätte im amerikanischen Besatzungsgebiet notwendig waren.

Am 21. Juni 1945 erhielt der Kommandierende General der 12. Panzer-Division der US-Streitkräfte aus dem Hauptquartier des 6. Armeekorps den Befehl, einen Platz für eine Gruppe von Wissenschaftlern und deren Familien, ca. 1.500 Personen, einzurichten, die überprüft und interniert werden soll. Er wurde auch angewiesen. Personen sofort festzusetzen, die ein Sicherheitsrisiko für die USA darstellen. Für die Unterbringung der Avisierten bestimmte der General Heidenheim an der Brenz.{40}

Die amerikanischen Offiziere wählten aus dem Zeiss-Werk 81 Mitarbeiter{41} und aus dem Jenaer Glaswerk 41 Beschäftigte{42} aus, die mit ihren Familien vom 23. bis 25. Juni 1945 in das amerikanische Besatzungsgebiet gebracht wurden. Gleichzeitig wurden Professoren, Dozenten und Mitarbeiter der Jenaer Universität samt Familien abtransportiert.{43} Colonel Stone teilte mit, daß der Abtransport der 500 Personen durch die amerikanische Armee schnell und effizient erfolgte. Die Armee hatte jeder Familie einen Lastwagen zugewiesen.{44}

In seinem Geheimbericht über die „Carl-Zeiss-Werk-Mission" gibt J. Stone Empfehlungen für die Verwendung der deportierten Fachkräfte und bewertet ihren Nutzen für die USA wie folgt: „Offensichtlich kontrollierte das Carl-ZeissWerk zu einem großen Teil das hochqualifizierte Forschungspotential der deutschen optischen Industrie. Die evakuierten Wissenschaftler waren die ‚Creme' des deutschen Forschungspersonals und sind von enormer Bedeutung für die zukünftige optische Entwicklung." Er rät seinen Vorgesetzten, diese Fachleute nach genauen und gut koordinierten Plänen zu verteilen, weil er befürchtete, daß „diese Top-Leute sich eventuell grüppchenweise ins Zeiss-Werk zurückschleichen".{45} Der Colonel regt an, die Wissenschaftler von einem Komitee amerikanischer Wissenschaftler und Untersuchungsbeauftragter hinsichtlich ihres Wertes und ihrer politischen Ambitionen gründlich überprüfen zu lassen. Danach könnten möglicherweise zehn Prozent der Wissenschaftler für eine industrielle oder universitäre Beschäftigung in den USA ausgewählt werden. Die anderen sollten auf die verschiedenen feinmechanisch-optischen Unternehmen in der amerikanischen Besatzungszone verteilt werden.

Der Bericht zeigt, daß das Ziel der „Carl-Zeiss-Werk-Mission", ausgewählte Fertigungskapazitäten in die amerikanische Besatzungszone zu verbringen und den Deportierten die unverzügliche Wiederaufnahme ihrer Arbeitstätigkeit in Aussicht zu stellen, überhaupt nicht oder nur für eine kurze Zeit beabsichtigt

{40} Carl Zeiss - geteiltes Deutschland. Die deutsche Frage im Unterricht. Reihe für Politik, Geschichte, Deutsch. (Hrsg.) Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Heft 9 (Juli 1986), S. 23.

{41} B-B Nr. 89 Stone: Geheimer Bericht, Anhang: Liste der evakuierten Zeiss-Mitarbeiter

{42} Steiner: Das Glaswerk, S. 212.

{45} Geschichte der Universität Jena 1548/58-1958. Band I., Jena 1958, S. 687

{44} B-B Nr. 89 Stone: Geheimer Bericht.

{45} B-B Nr. 89 Stone: Geheimer Bericht.

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 19]

war. Als Stone seinen Bericht verfaßte, befanden sich die USA noch im Krieg mit Japan, das erst nach dem Einsatz der Atombombe durch die amerikanischen Luftstreitkräfte am 14. August 1945 kapitulierte. Die wissenschaftlich-technischen Unterlagen und die Ausrüstungen aus dem Zeiss-Werk wurden in die USA gebracht, sie standen für die Zeiss-Gruppe in Heidenheim nicht zur Verfügung.

Die amerikanischen Requisitionen

Die amerikanische Militärkommission stellte für die Leistungen, die das Zeiss- Werk für die amerikanischen Streitkräfte von Mitte April bis Ende Juni 1945 erbracht hatte, und für einen Teil der abtransportierten Unterlagen, Materialien und Ausrüstungsgegenstände Requisitionsscheine aus. Schon beim Verpacken der beschlagnahmten Unterlagen und Gegenstände fertigten die betroffenen Abteilungen Verzeichnisse über das Entnommene an. Am 4. Oktober 1945 wurde eine Übersicht über die Verluste, die dem Zeiss-Werk durch das amerikanische und britische Militär entstanden waren, zusammengestellt. Danach gingen Dokumente, Material und Ausrüstungen im Wert von 14,1 Millionen RM verloren. Hinzu kamen die Erzeugnisse aus der Zeiss-Aerotopograph GmbH, Jena, im Wert von 1,4 Millionen RM.

Die Summe von 14,1 Millionen RM setzte sich zu 81,2 Prozent aus beschlagnahmten Erzeugnissen zusammen, darunter befanden sich sowohl solche, die bei Kriegsende bereits fertiggestellt waren, als auch die neu gefertigten, die man im alliierten Auftrag zwischen April und Juni 1945 produziert hatte. 6,3 Prozent des ermittelten Wertes entfielen auf Maschinen und Einrichtungen und 12,6 Prozent auf Originalzeichnungen und Zeichnungspausen. Die Analyse der requirierten Erzeugnisse ergibt, daß davon 50,5 Prozent optische Militärinstrumente waren, vornehmlich Bildmeßgeräte, Zielgeräte, Feldstecher, Zubehör und Einzelteile. Dazu kamen noch 7,7 Prozent aus der Bildmeßabteilung, die keine militärischen Erzeugnisse herstellte. 32 Prozent der requirierten Erzeugnisse wurden aus der Photo-Abteilung entnommen und 9,8 Prozent entfielen auf andere Abteilungen. Die Tabelle 2 im Tabellenanhang gibt näheren Aufschluß über die Verluste der Betriebsabteilungen. Bei den Zeichnungen und Stücklisten lag das Schwergewicht auf Unterlagen von Maschinen und Vorrichtungen. Sie machten allein 32,7 Prozent der Originalzeichnungen und 32 Prozent der Stücklisten aus. Des Weiteren interessierten sich die amerikanischen Militärs für Bild- und Feinmeßgeräte sowie für geodätische Instrumente. Von den beschlagnahmten Originalzeichnungen entfielen 11,8 Prozent auf Feinmeßgeräte, 10,6 Prozent auf Bildmeßgeräte und 9,3 Prozent auf geodätische Instrumente.{46}

{46} Errechnet nach BACZ Nr. 4884 (Bewertung der amerikanischen Requisitionen vom 4. Oktober 1945).

[Seite 20]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Die Berufung der neuen Geschäftsleiter

Am 20. Juni 1945 informierten die Offiziere der amerikanischen Militärkommission die Geschäftsleiter über ihren unmittelbar bevorstehenden Abtransport. Das zwang sie, eine Entscheidung über die Leitung der Jenaer Unternehmen für die Zeit zu treffen, in der sie nicht in Jena sein werden. Sie mußten die Personen auswählen, die während ihrer Abwesenheit ihre Aufgaben wahrnehmen und hatten sich darüber zu verständigen, welche Kompetenzen die neuen Unternehmensleitungen haben sollen.

Über den auszuwählenden Personenkreis waren sich die Geschäftsleiter rasch einig, denn es kamen nur Persönlichkeiten in Frage, die über die nötige Autorität in der Belegschaft verfügten, fachlich versiert und vor allem aber gegenüber den scheidenden Geschäftsleitern loyal waren. Sie mußten ferner in politischer Hinsicht von den sowjetischen Besatzungsbehörden und den Deutschen, die künftig in Jena und in Thüringen Spitzenpositionen einnehmen, akzeptiert werden.

Die Wahl fiel auf Dr. Friedrich Schomerus, Dr.-Ing. Hugo Schrade und Victor Sandmann. Friedrich Schomerus hatte bis 1933 die Personalhauptleitung geführt und war von den Nationalsozialisten aus dieser Funktion gedrängt worden. Er war ein exzellenter Kenner aller Angelegenheiten, die die Carl-Zeiss-Stiftung betrafen.{47} Hugo Schrade, seit 1929 im Zeiss-Werk, hatte bis 1942 eine führende Position in der Personalhauptleitung und war dann als Leiter der Planungsstelle tätig. Weil er mit einer Jüdin verheiratet war, wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt.{48} Victor Sandmann, seit 1934 im Zeiss-Werk, leitete die kaufmännische Abteilung. 1918 gehörte er einem Arbeiter- und Soldaten-Rat an und war zu einer Festungshaft verurteilt worden. In den zwanziger Jahren war er zunächst Mitglied der USPD und dann bis 1928 der SPD.{48}

Ein besonderes Problem war es für die Geschäftsleiter, die Zuständigkeiten ihrer Nachfolger festzulegen. Die Geschäftsleiter waren, so sah es das Statut der Carl-Zeiss-Stiftung vor, auf Lebenszeit berufen. Das war ein Privileg, auf das sie nicht ohne weiteres verzichten mochten. Gleichzeitig verlangten aber die unsicheren politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, daß ihre Vertreter für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben hinreichend legitimiert waren. Nach dem Stiftungsstatut durften die Geschäftsleiter ohne Zustimmung der Stiftungsverwaltung und des Stiftungskommissars keine neuen Geschäftsleiter ernennen. Zunächst wollte man Friedrich Schomerus und Hugo Schrade nur Prokura erteilen. Deshalb unterzeichnete Paul Henrichs am 21. Juni 1945 einen entsprechenden Antrag an das Amtsgericht, sandte ihn aber nicht ab. Am 22. Juni 1945 stellte Paul Henrichs für die drei ausgewählten Angestellten eine Vollmacht aus, die sie ermächtigte, „die Geschäfte der Geschäftsleitung einstweilen, solange sich die Mitglieder der Geschäftsleitung nicht in Jena befinden, wahrzunehmen". Am

{47} Wolfgang Mühlfriedel/Edith Hellmuth: Die Firma Carl Zeiss Jena 1933-1939. In: Detlev Heiden/Gunther Mai (Hrg.): Nationalsozialismus in Thüringen, Weimar Köln Wien 1995, S. 251.

{48} PA Nr. 94 (Lebenslauf von Hugo Schrade).

{49} BACZ Nr.8093 (Personalakte von Victor Sandmann).

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 21]

gleichen Tag teilte Paul Henrichs Hugo Schrade mit, daß man die Stellung eines Prokuristen als nicht geeignet ansieht, um die Aufgaben eines Geschäftsleiters wahrzunehmen. Deshalb hätten sich die Geschäftsleiter, insbesondere auf Vorschlag von Dr. Erich Schott, entschlossen, aus leitenden Angestellten, die in Jena verbleiben, eine neue Geschäftsleitung zu bilden. Paul Henrichs unterrichtete Hugo Schrade von der Absicht, der Stiftungsverwaltung vorzuschlagen, Victor Sandmann, Friedrich Schomerus und Hugo Schrade zu Geschäftsleitern der Firma Carl Zeiss sowie Hugo Schrade zum Geschäftsleiter in der Firma Schott & Gen. zu ernennen.{50}

Da die Mitglieder des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses der beiden Stiftungsunternehmen aber darauf bestanden, daß die mit der Leitung der Unternehmen Beauftragten über die gleichen Befugnisse verfügen, wie die auf Lebenszeit berufenen Geschäftsleiter, wandten sie sich noch am 22. Juni 1945 an das Landesamt für Volksbildung, der Stiftungsverwaltung, in Weimar. In dem Gespräch, das sie mit dem Ministerialrat Curt Böhme und Heinrich Hoffmann darüber führten, erfuhren sie, daß Dr. Arno Barth, Gerichtspräsident in Gera, vom Landesamt bereits zum neuen Stiftungskommissar berufen worden war.{51} Um keine Zeit zu verlieren, überbrachten die Ausschußmitglieder Arno Barth noch am gleichen Tag die Ernennungsurkunde. Sie unterrichteten Arno Barth über die in Jena entstandene Lage und die entsprechenden Paragraphen des Stiftungsstatuts. Arno Barth sicherte seinen Besuchern zu, am 23. Juni 1945 nach Jena zu kommen.

Am Morgen des 23. Juni 1945 kam der Stiftungskommissar nach Jena, um die personellen Angelegenheiten an der Spitze des Zeiss-Unternehmens zu klären. Um 9.30 Uhr trafen sich die Geschäftsleiter Walther Bauersfeld, Paul Henrichs und Georg Joos, die leitenden Angestellten Victor Sandmann, Friedrich Schomerus, Hugo Schrade und die beiden Mitglieder des Arbeiter- und Angestellten- Ausschusses, Otto Marquardt und Ernst Lötsch, mit dein Stiftungskommissar. Arno Barth kennzeichnete eingangs die Situation und verwies auf die Vorschriften des Statuts der Carl-Zeiss-Stiftung. In dem Vermerk, den Arno Barth darüber am 25. Juni 1945 anfertigte, heißt es:

„Als dringlichste Frage ergab sich, daß eine neue Geschäftsleitung bestellt werden muß. Die bisherige Geschäftsleitung hatte insofern schon Vorsorge getroffen, als sie neue Prokuristen bestellt hatte bzw. einem Gremium von drei Herren die künftige Geschäftsleitung übertragen hatte, ohne diese Herren aber formell zu Geschäftsleitern machen zu können. Meine Ansicht, daß sowohl der Belegschaft gegenüber wie nach außen hin die formelle Bestallung neuer Geschäftsleiter notwendig ist, wenn die bisherige Geschäftsleitung abtransportiert

{50} BACZ Nr. 26830 (alt) (Warenzeichenverfahren. Memorandum vom 9. August 1963).

{51} Prof. Dr. Esau, der bisherige Stiftungskommissar, war wegen seiner Verbindung zum nationalsozialistischen System abberufen worden. Dieter Hoffmann/Rüdiger Stutz: Grenzgänger der Wissenschaft: Abraham Esau als Industriephysiker und Forschungsmanager. In: Kämpferische Wissenschaft. Studien zur Universität Jena im Nationalsozialismus (Hrg.: Uwe Hoßfeld u. a.), Köln Weimar Wien 2003, S. 137-179.

[Seite 22]1945-1948 Carl Zeiss Jena

wird, setzte sich schließlich bei allen Beteiligten durch ... ." Der Stiftungskommissar fügte hinzu, daß Hugo Schrade, Victor Sandmann und Friedrich Schomerus „im vollen Einverständnis mit allen Beteiligten ... als neue Geschäftsleitung in Aussicht" genommen wurden.{52}

Die amtierenden Geschäftsleiter äußerten zunächst noch Vorbehalte gegen die uneingeschränkte Übertragung der im Stiftungsstatut festgeschriebenen Rechte und Pflichten für Geschäftsleiter an die vorgesehenen Angestellten. Sie wollten das Behelfsmäßige dieses Wechsels in der Geschäftsleitung stärker betont wissen. Otto Marquardt, der am 23. Juni 1945 den Verlauf dieser Zusammenkunft im Tagebuch des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses festhielt, notiert dazu: "Die alte G. L. hätte es lieber gesehen, wenn das Provisorische mehr betont wird. Dem treten Scho (Friedrich Schomerus d. V.) und auch ich entgegen.{53}

Was die amtierenden Geschäftsleiter zögern ließ, kann nur vermutet werden. Zunächst ist anzunehmen, daß es ihnen darum ging, bei einer möglichen Rückkehr nach Jena wieder in ihre vollen Rechte als Geschäftsleiter einzutreten. Das wurde ihnen vom Stiftungskommissar auch ohne weiteres zugestanden. In dem bereits zitierten Barth-Vermerk steht dazu: „Allerdings ist die bisherige Geschäftsleitung, wie es der Satzung entspricht, auf Lebenszeit bestellt. Sollte sie zurückkehren, so hat sie Anspruch darauf; das alte Amt wieder zu übernehmen. Aus diesem Grunde ist eine befristete Bestellung der neuen Geschäftsleiter vorgesehen, wie es auch die Satzung zuläßt" Paul Henrichs hatte dafür die Frist von einem Jahr vorgesehen.{54}

Es ist aber auch durchaus denkbar, daß die scheidenden Geschäftsleiter erwogen, in der kompletten Zeiss-Fertigungsstätte, deren Errichtung sie in der amerikanischen Besatzungszone planten, als berufene Geschäftsleiter zu agieren. Wahrscheinlich gingen die Geschäftsleiter auch davon aus, daß sie, wenn Thüringen längere Zeit von sowjetischen Truppen besetzt bleibt, in der Lage sein werden, als zweite Geschäftsleitung die Verantwortung für das Stiftungs- und Firmenvermögen in den westlichen Besatzungszonen zu übernehmen.

Am 23. Juni 1945 wurden die neuen Geschäftsleiter eingesetzt. Das geht aus dem Vermerk von Arno Barth ebenso hervor wie aus der Aufzeichnung von Otto Marquardt, der unter dem 23. Juni 1945 festhält: „Die alte G. L. schlägt die neue G. L. vor. Ich erkläre, daß wir in der glücklichen Lage sind, uns voll auf den Boden der Vorschläge der G. L. stellen zu können. Bei der Bekanntgabe der neuen G. L. soll nach Dr. Barth in Erscheinung treten, daß eine mit allen Vollmachten ausgestattete G. L. besteht, die allerdings zurücktritt, wenn etwa die alte G. L. zurückkommt ... so wird unter allseitigem Einverständnis am Ende formuliert: Es wird eine neue G. L. eingesetzt. Sie besteht aus den Herren Dr. Schrade,

{52} Archiv Mühljriedel (Vermerk von Arno Barth über die Zusammenkunft am 23. Juni 1945).

{53} BACZ Nr. 27200 Tagebuch des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses (Eintragung vom 23. Juni 1945).

{54} Archiv Mühlfriedel (Vermerk von Arno Barth über die Zusammenkunft am 23. Juni 1945).

{55} BACZ Nr. 27200 Tagebuch des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses (Eintragung vom 23. Juni 1945).

Das Zeiss-Werk unter amerikanischer Kontrolle[Seite 23]

Dr. Schomerus und Prok. (Prokurist d. V.) Sandmann. Die G. L. amtiert bis zur Rückkehr der alten Leitung."{55} Diesen Vorgang bestätigten Walther Bauersfeld, Paul Henrichs und Richard Hirsch am 28. Januar 1946 in einem Brief zur „Rechtsstellung der Jenaer Geschäftsleitungen", in dem sie an „die Herren Mitglieder der Geschäftsleitung im Hause Carl Zeiss und Jenaer Glaswerk Schott & Gen. z.Hd. des Herrn Geschäftsleiters Victor Sandmann" schreiben:

„Wir stimmen voll mit Ihnen in der Auffassung überein, daß es aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen nur eine allein verantwortliche Geschäftsleitung mit dem Sitz in Jena geben kann ... Um Ihnen den Weg statutengemässer Bestellung zu ordentlichen Geschäftsleitern zu eröffnen, haben wir deshalb Ende Juni v. J. dem Herrn Stiftungskommissar Sie als unsere Nachfolger vorgeschlagen und Ihnen die Geschäfte übergeben. Wir wünschen, Ihnen klar und zweifelsfrei zu bestätigen, daß wir Sie seit unserem Abtransport aus Jena als die nunmehr allein und voll verantwortlichen Geschäftsleitungen der Stiftungsbetriebe nach innen und nach außen betrachtet haben und weiter betrachten."{56}

Eine Abschrift dieses Briefes erhielt auch der Stiftungskommissar.In der Zusammenkunft mit Arno Barth am 23. Juni 1945 wurden auch die Zuständigkeiten der neuen Geschäftsleitungsmitglieder festgelegt. Hugo Schrade war für den Betrieb und die Fertigung verantwortlich, Victor Sandmann für die innere Verwaltung und die Finanzen und Friedrich Schomerus für Personalfragen, für Sozialpolitik und für Angelegenheiten der Carl-Zeiss-Stiftung. Am 27. Juni 1945 stellte der Stiftungskommissar dem amerikanischen Stadtkommandanten die neue Geschäftsleitung auf dessen Wunsch hin vor. Am gleichen Tag unterzeichnete der Stiftungskommissar die Verträge mit den von ihm berufenen Geschäftsleitern. Dem Amtsgericht meldete er, daß die Bestellung von Walther Bauersfeld und Paul Henrichs zu Beauftragten der Carl-Zeiss-Stiftung erloschen ist. Gleichzeitig teilte der Stiftungskommissar mit, daß die Mitglieder der Geschäftsleitung, Friedrich Schomerus und Victor Sandmann, zu Bevollmächtigten der Carl-Zeiss-Stiftung in Angelegenheiten der Firma Carl Zeiss neu bestellt worden sind.{57} Darüber unterrichtete der Stiftungskommissar am 29. Juni 1945 die Stiftungsverwaltung in Weimar. Ministerialdirektor Friedrich Stier vom Landesamt für Volksbildung hatte die Veränderungen an der Spitze der Jenaer Unternehmen bereits mündlich gebilligt. Eine entsprechende schriftliche Erklärung mußte Arno Barth allerdings anmahnen.{58}

{56} BACZ Nr. 16330 (Schreiben von Walther Bauersfeld, Paul Henrichs und Richard Hirsch an die Mitglieder der Geschäftsleitungen von Carl Zeiss und Jenaer Glaswerk Schott & Gen. vom 28. Januar 1946).

{57} BACZ Nr. 26787 (Arno Barth: Mitteilung an das Amtsgericht vom 27. Juni 1945).

{58} TK Nr. 007 (Schreiben von Arno Barth an das Landesamt für Volksbildung vom 9. November 1945).

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ZWEITES KAPITEL

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes

Der Neuanfang

Am späten Nachmittag des 1. Juli 1945 läutete in der Wohnung von Hugo Schradedas Telefon. Am Apparat war der Pförtner im Zeiss-Hochhaus und teilte dem Geschäftsleiter mit, daß ihn zwei Offiziere der Roten Armee zu sprechen wünschen. Als Hugo Schrade kurze Zeit später im Werk eintraf, stellte sich ihm Major Scharow vor, der, ebenso wie sein Begleiter, einem topographischen Truppenteil angehörte. Der Major beauftragte Hugo Schrade, das Werk wie bisher zu leiten und stellte ihm die entsprechenden Vollmachten der Besatzungsmacht aus. Noch am gleichen Tag übernahm Kapitän Grigorjew das Kommando über das Zeiss-Werk. Davon setzte Hugo Schrade am 2. Juli 1945 die Betriebsleiter in Kenntnis.{1}

Abb. 2 Geschäftsleiter Dr. Hugo Schrade

Den Wechsel der Besatzungstruppen nutzend, versammelte Otto Marquardt am gleichen Tag die Mitglieder des Arbeiter- und Angestellten-Ausschusses, um den Ausschuß in einen Betriebsrat umzubilden und personell zu ervveitern.{2} Am folgenden Tag

kamen die Geschäftsleiter mit Mitgliedern des Betriebsrates zusammen. Sie erörterten die künftige Stellung der Belegschaftsvertretung und berieten, was zu tun war, um aktive Verfechter des Nationalsozialismus im Werk aus führenden Positionen zu entfernen. Die Betriebsräte forderten die Geschäftsleitung auf, dafür zu sorgen, daß aus dem Statut der Carl-Zeiss-Stiftung alles entfernt wird, was die Nationalsozialisten 1935 in ihrem Sinne verändert hatten.{3} Die Geschäftsleiter, die ebenfalls an der

{1} BACZ Nr. 15139 (Protokoll der Betriebsleiterbesprechung vom 2. Juli 1945); Nr. 23407 (Information über den Truppenteil der Roten Armee mit der Feldpostnummer 94982).

{2} Mühlfriedel/Hellmuth: Betriabsratstagebuch, S. 193, 197.

{3} BACZ Nr. 12660 (Protokoll der ersten gemeinsamen Sitzung von Geschäftsleitung und Betriebsrat vom 3. Juli 1945).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 25]

Wiederherstellung der ursprünglichen Fassung des Statuts interessiert waren, beantragten am 16. Juli 1945 beim Regierungspräsidenten in Weimar, die vom nationalsozialistischen Geist geprägten Passagen aus dem Statut zu entfernen

und den von Ernst Abbe verfaßten Text wieder herzustellen. Dem wurde am 15. November 1945 auch entsprochen.{4}

Am 7. Juli 1945 waren die Geschäftsleiter zu einem Informationsgespräch beim sowjetischen Stadtkommandanten, der sie wissen ließ, daß die Besatzungsmacht an einer zügigen Wiederaufnahme der Produktion interessiert sei.{5}

Das erklärte Interesse der Besatzungsoffiziere an einer zügigen Wiederaufnahme der Produktion bestärkte die Geschäftsleiter und den Betriebsrat in ihrer Absicht, dafür die Voraussetzungen unverzüglich zu schaffen. Dazu gehörten in erster Linie das Beheben von Kriegsschäden, die konsequente Fortsetzung des Konversionsprozesses und die Aufstellung eines Produktionsprogramms für die kommenden Monate. Das erörterten Hugo Schrade und Victor Sandmann mit den Betriebs- und Vertriebsleitern.{6} Victor Sandmann legte am 10. Juli 1945 das Produktionsprogramm des Zeiss-Werkes für die kommenden Monate vor, das er den Leitungskräften am folgenden Tag erläuterte.{7} Die Notwendigkeit, alsbald mit der Produktion zu beginnen, ergab sich vor allem aus der finanziellen Situation des Werkes. Die sowjetischen Besatzungsbehörden hatten die Firmenkonten bei den Finanzinstituten gesperrt, so daß man in absehbarer Zeit nicht auf die Firmenguthaben bei den Banken in Jena und Berlin zurückgreifen konnte. Von den Finanzmitteln in Höhe von 19,2 Millionen RM, über die das Zeiss-Unternehmen in der sowjetischen Besatzungszone verfügte, befanden sich lediglich 2,6 Prozent in der Firmenkasse.{8} Aus dem gleichen Grund konnten Außenstände bei Firmen im sowjetischen Besatzungsgebiet nicht eingezogen werden, und die Geschäftsverbindungen zu den Kunden in den westlichen Besatzungszonen waren unterbrochen. Um die laufenden Kosten zu decken, vor allem um Löhne und Gehälter auszahlen zu können, mußten Bestände und neu produzierte Erzeugnisse verkauft werden. über die geschäftlichen Absichten des Stiftungsunternehmens unterrichtete die Vertriebsabteilung die Kundschaft in einem Schreiben vom 30. Juli 1945:

„Kurz nach der Besetzung der Stadt Jena durch die amerikanischen Truppen hat das Zeiss-Werk seine Tätigkeit wieder aufgenommen, und auch unter der russischen Besatzung wird die Arbeit in unseren Werkstätten fortgesetzt. Nach

{4} Chronik des Zeiss-Werkes, verfaßt von Fritz Ortlepp, (Typoskript), S. 648. Die endgültige Bestätigung des Statuts der Carl-Zeiss-Stiftung erfolgte erst am 11. Juni 1947. Ortlepp: Chronik des Zeiss-Werkes, S. 659.

{5} BACZ Nr. 6471 (Niederschrift über die Besprechung der Geschäftsleiter beim Stadtkommandanten am 7. Juli 1945.

{6} BACZ Nr. 15139 (Protokoll der Betriebsleiterbesprechung vom 2. Juli 1945); Nr. 8233 (Protokoll der Betriebsleiterbesprechung vom 11. Juli 1945).

{7} BACZ Nr. 8233 (Protokoll der Betriebsleiterbesprechung vom 11. Juli 1945).

{8} BACZ Nr. 19389 (Bilanz der Fa. Carl Zeiss Jena für das Geschäftsjahr 1944/45). Für das Wertausgleichskonto wurde am 16. Juli 1948 angegeben, daß zum 30. September 1947 Guthaben im Wert von 17,7 Millionen RM von den sowjetischen Behörden gesperrt worden waren. BACZ. Nr. 15704 (Wertausgleich).

[Seite 26]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Wegfall der Herstellung von militärischen Geräten haben wir unseren Betrieb vollständig auf die Fertigung der Ihnen bekannten Erzeugnisse für zivilen Bedarf umgestellt und sind somit in der Lage, Aufträge auf diese Geräte wieder entgegenzunehmen und auszuführen. Zur Zeit besteht allerdings die Beschränkung, daß Lieferungen nur in das russische Besatzungsgebiet erfolgen dürfen, die jeweils der Genehmigung des hiesigen russischen Werkskommandanten bedürfen. Die Genehmigung wird erteilt, wenn nicht russische Interessen durch diese Lieferungen beeinträchtigt werden.{9}

Der Plan des Volkskommissars für Bewaffnung

Diese Kundeninformation sollte sich als zu optimistisch erweisen, denn während die Geschäftsleiter, die Betriebs- und Vertriebsleiter, die Betriebsräte, von Teilen der Belegschaft unterstützt, alles unternahmen, um im Zeiss-Werk wieder friedensgemäße Verhältnisse zu schaffen, verfolgten die Offiziere aus dem Volkskommissariat für Bewaffnung der UdSSR, die am 11. Juli 1945 in Jena eintrafen, einen ganz anderen Plan. Der Volkskommissar für Bewaffnung der UdSSR Dimitri E Ustinow, dem die gesamte feinmechanisch-optische Industrie in der Sowjetunion unterstand, hatte im Frühjahr 1945 Anspruch auf die Überführung der beiden Stiftungsunternehmen Zeiss und Schott einschließlich eines großen Teils der Belegschaften in die UdSSR angemeldet. Dem hatte man auch stattgegeben, so daß es dem Volkskommissariat nach der Besetzung Thüringens durch die Rote Armee vor allem darauf ankam, ein Bild vom Zeiss-Potenzial zu gewinnen und Unterlagen, Ausrüstungen, Fertigerzeugnisseusw. sicherzustellen. Welche Pläne der Volkskommissar hinsichtlich der feinmechanisch-optischen Industrie in Thüringen hegte, wird im Herbst 1945 deutlich. Am 12. Oktober 1945 legte Ustinow in einer „Beschlußvorlage für Verfügung des Rats der Volks-

kommissariate" die Einzelheiten über den Abbau der Stiftungsunternehmen und die Deportation der Fachkräfte fest. Danach wollte er mit den Ausrüstungen 2.000 deutsche Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker in die UdSSR verbringen, die den ordnungsgemäßen Aufbau des Demontagegutes vornehmen sollten. In einem Schreiben an den Leiter des sowjetischen Geheimdienstes, Lawrenti P. Berija, vom 12. Oktober 1945 wies Ustinow daraufhin, daß durch die Überführung der Ausrüstungen der beiden Jenaer Unternehmen die Optik-Fertigung in der UdSSR um mehr als das Zweifache angehoben werden kann. Gleichzeitig

werde die steigende Produktion den Export feinmechanisch-optischer Erzeugnisse erlauben. Das begründete der Volkskommissar damit, daß es in den Balkanstaaten überhaupt keine derartige Industrie gibt, und sie in den europäischen Staaten nicht ausreichend entwickelt ist. Dieser Export werde für die UdSSR dringend benötigte Devisen bringen. Selbstverständlich spielte bei den Überlegungen des Volkskommissars auch eine Rolle, daß durch die Demontage der

{9} BACZ Nr. 19223 (Schreiben der Abteilung Disp. Raul Leonhardt vom 30. Juli 1945).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 27]

Stiftungsunternehmen den Deutschen die Möglichkeit, künftig optische Militärgeräte zu produzieren, entzogen, zumindest erschwert wird. Mit der Verfügung des Ministerrates der UdSSR Nr. 1539-686 vom 9. Juli 1946 bestimmte J. W. Stalin, daß die Demontage der Stiftungsunternehmen am 22. Oktober 1946 zu beginnen hat. Um dieses Vorhaben zu realisieren, mußte der Abbau der Forschungs- Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten vorbereitet und ausgeführt werden. Zugleich galt es, in der UdSSR die Voraussetzungen für den Aufbau der Ausrüstungen und für die Unterbringung des deutschen Fachpersonals zu schaffen.{10}

Doch zurück zu den Vorgängen in Jena im Juli 1945. Am 11. Juli 1945 kam eine Inspektionsgruppe des Volkskommissariats für Bewaffnung nach Jena, der Oberstleutnant Skopinzew von der Artillerie-Verwaltung und die IngenieurMajore Turügin und Winogradow angehörten. Skopinzew hatte vor dem Zweiten Weltkrieg die Zeiss-Lieferungen in die UdSSR abgenommen und die Verbindung zu den sowjetischen Handelsunternehmen in Berlin gehalten.{11} Die Inspekteure nahmen die Laboratorien, Konstruktionsbüros und Werkstätten in Augenschein und zeigten besonderes Interesse für die optischen Militärgeräte. Schließlich erörterten sie mit der Geschäftsleitung, welche Militärgeräte das Werk für die Rote Armee fertigen könnte. Ernst Fischer, der für die Militärgerätefertigung zuständig war, gewann aus einem Gespräch, das er am 17. Juli 1945 mit Turügin

geführt hatte, den „Eindruck, daß der Bericht dieser Dreier-Kommission maßgebend sein wird für die seitens des zuständigen Volkskommissariats in Moskau zu fassenden Beschlüsse" über die beste und zweckmäßigste Verwertungsmöglichkeit der Jenaer Potenziale.{12}

Am 19. Juli 1945 beendeten die drei Abgesandten des Volkskommissariats ihre Inspektion. Während der Oberst nach Moskau zurückkehrte, blieben die Ingenieur-Majore in Jena. In ihrem Inspektionsbericht, der am 18. August 1945 in Moskau vorlag, wurde empfohlen, in den nächsten Monaten einen größeren Kreis von Fachleuten zur Informationsgewinnung nach Jena zu entsenden, den Rüstungsbereich zu demontieren, den „zivilen Teil des Anlagenbaus (gemeint ist der Gerätebau d. V.) im Zentralwerk Zeiss und die Produktion von optischen Gläsern hierfür im Werk Schott" vorerst zu belassen und vollständig wiederherzustellen. Ferner wurde vorgeschlagen, in Jena einen sowjetischen Direktor und einen Hauptingenieur mit dem Auftrag einzusetzen, Planungsdaten für den Wiederaufbau der demontierten Produktionsanlagen in der Sowjetunion zu erarbeiten.{13}

Das Volkskommissariat setzte am 28. Juli 1945 eine Technische Kommission im Zeiss-Werk ein, die zunächst von Turügin und Winogradow geleitet wurde.

{10} Matthias Uhl: Das Ministerium für Bewaffnung der UdSSR und die Demontage der Carl Zeiss Werke in Jena - eine Fallstudie. In: Sowjetische Demontagen in Deutschland 1944-1949. Hintergründe, Ziele und Wirkungen. Hrsg. von Rainer Karlsch/Jochen Laufer unter Mitarbeit von Friederike Sattler. Zeitgeschichtliche Forschungen Band 17, Berlin 2002,S. 119-123.

{11} BACZ Nr. 6471 (Aktenvermerk über laufende Besprechungen mit Oberstleutnant Skopinzew

am 16. Juli 1945).

{12} BACZ Nr. 6471 (Aktenvermerk Ernst Fischer über Besprechung mit Major Turügin vom 17. Juli 1945).

{15} Uhl: Das Ministerium für Bewaffnung der UdSSR, S. 118.

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Kurze Zeit später übernahm Generalmajor Nikolajew die Leitung der Kommission. Diese Kommission, die werksintern als sowjetische oder russische Werkskommission bezeichnet wurde, ging, nachdem die Stiftungsunternehmen am 31. Dezember 1945 vom Chef der SMA in Thüringen, Kolesnitschenko, unter Sequester gestellt worden waren, in die Sowjetische Verwaltung der Werke Zeiss und Schott ein.{14} Sie wurde seit Ende 1945/Anfang 1946 vom Chef der 2. Hauptverwaltung im Volkskommissariat für Bewaffnung, Generalmajor A. E. Dobrowolski, geleitet. Die Hauptverwaltung war für die gesamte feinmechanisch-optische Industrie in der UdSSR verantwortlich. Generalmajor Nikolajew fungierte nun in dieser Verwaltung als Chefkonstrukteur. Die anderen Mitarbeiter der Werkskommission waren weiterhin für die verschiedenen Fachgebiete zuständig.

Die Offiziere der sowjetischen Werkskommission hatten zwischen Sommer 1945 und Herbst 1946 ein breites Spektrum von Aufgaben zu bewältigen. Die Hauptaufgabe bestand in der Vorbereitung der vollständigen Demontage der Unternehmen der Carl-Zeiss-Stiftung und der feinmechanisch-optischen Werke in Saalfeld und Gera. Sodann ging es um die systematische Erschließung des Entwicklungsstandes auf dem Gebiet des optischen Militärgerätebaus. Dabei kam es der Werkskommission besonders auf die Weiterführung von ausgewählten Entwicklungsthemen an. Dazu übergab Nikolajew am 7. September 1945 Hugo Schrade eine Liste mit 40 Geräten, deren Entwicklung während des Krieges nicht abgeschlossen werden konnte und an denen das Volkskommissariat ein besonderes Interesse hatte. Er ließ den Geschäftsleiter ferner wissen, daß im Zuge des Konversionsprozesses nichts zerstört werden dürfe, denn „die reichen Erfahrungen von CZ sollen Rußland zugute kommen". Ob die Fertigung dieser Geräte in Rußland erfolgen werde, sei noch nicht klar.{15} Hugo Schrade, der daran interessiert war, die Entwicklung und Fertigung von Militärgeräten innerhalb des Werkes zu separieren, schlug vor, die Arbeiten an den 40 Mustergeräten in einer besonderen Abteilung auszuführen. In dieser Abteilung mit der späteren Bezeichnung Konstruktionsbüro Versuchsgeräte (KoV) arbeiteten Ende März 1946 150 Personen unter besonderen Sicherheitsvorschriften.{16} Die Verantwortung für den Bau der Mustergeräte wurde Hans Bachmann und für andere Militärgeräte Georg Kresse übertragen.

Am 26. November 1945 erhielt Hugo Schrade von Generalmajor Nikolajew eine Aufstellung der „wichtigsten wissenschaftlich-technischen Aufgaben, welche von der Firma Carl Zeiss selbständig und in Zusammenarbeit mit der Firma Schott durchgeführt werden müssen". Sie enthielt zwölf wissenschaftlich-technische

{14} Garde-Generalmajor Kolesnitschenko hatte mit seinem Befehl Nr. 156 vom 31. Dezember 1945 auf „die Fa. Karl Zeiss u. ihre Filialen: Optische Fabrik in Saalfeld, Apparatebau in Saalfeld, Technisches Werk in Gera im Gesamtwert von RM. 93.586.152. - It. Bilanz" ein „Sequester gelegt" BACZ Nr. 15132.

{15} BACZ Nr. 6257 (Vereinbarung über bestellte Entwicklungsarbeiten mit Nikolajew vom 7. September 1945).

{16] BACZ Nr. 6359 (Niederschrift über eine Besprechung mit Nikolajew vom 7. September 1945); (Sondergenehmigung zum Betreten der Abt. KoV vom 16. November 1945); BACZ Nr. 9793 (Protokoll der Betriebsleiterbesprechung vom 1. April 1946).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 29]

Komplexe auf militärtechnischem Gebiet.{17} In einem Schreiben an Hugo Schrade benannte Nikolajew diese Komplexe und die Art der erwarteten Ergebnisse. Die zwölf Komplexe sind in der Tabelle 3 im Tabellenanhang aufgeführt. Für Nikolajew hatten die Arbeiten über das Quarzschmelzen und die ultrarotempfindlichen Zellen Vorrang. Die Werkskommission fmanzierte die Bearbeitungskosten aus ihrem eigenen Haushalt.{18} Die Geschäftsleitung setzte für die einzelnen Komplexe Fachleute als verantwortliche Leiter ein.{19} Zur sachgerechten Bearbeitung der "Ultrarot-Thematik" wurden Dr. Paul Görlich, Dr. Paul Gänswein, Dr. Alfred Krohs und Ingenieur Werner Haunstein von Zeiss-Ikon Dresden nach Jena geholt.{20} Im März 1946 machte Nikolajew sehr detaillierte Vorgaben für die Organisation dieser Arbeiten. Obgleich die Laufzeit verschiedener Themen bis Ende 1946 ausgelegt war, drängte die Werkskommission auf den Abschluß der Arbeiten.{21}

Die zweite Aufgabe für die Mitarbeiter der sowjetischen Werkskommission bestand darin, dafür zu sorgen, daß Jenaer Techniker und Facharbeiter eine Fertigungsstätte für den Photoapparat Contax in der UdSSR vorbereiten. Zunächst hatte das Zeiss-Werk seit August 1945 Photo-Objektive an Zeiss lkon in Dresden zu liefern. Im September forderte die Technische Kommission die Fertigung der kompletten Kamera im Zeiss-Werk. Am 17. Oktober 1945 wurde die Geschäftsleitung schließlich angewiesen, für eine Kamera-Fertigung in Kiew bis zum 1. März 1946 die technischen Grundlagen zu schaffen.{22} Dazu gehörten Zeichnungen für

alle Einzelteile, Baugruppen, Werkzeuge und Vorrichtungen, die Beschreibung aller Arbeitsgänge, Spezial-und Montagevorschriften usw. sowie Bau und Erprobung von Werkzeugen, Vorrichtungen, Lehren und Spezialmaschinen. Dieser

Auftrag konnte erst im September 1947 abgeschlossen werden.{23}

Im Februar 1946 erhielt die Geschäftsleitung den Auftrag, eine Optik-Fabrik für die UdSSR zu entwerfen. Der dazu gebildete Optikplanstab aus Ingenieuren, Technikern und Meistern schuf eine umfassende Dokumentation über die Optikfertigung. Erstmals wurde in 18 Bänden der technologische Prozeß zur Herstellung von optischen Elementen und -systemen aus einer modernen ingenieurtechnischen Sicht beschrieben.{24}

{17} BACZ Nr. 13449 (Niederschrift über eine Besprechung mit der sowjetischen Werkskommission am 26. November 1945).

{18} BACZ Nr. 4900 (Technisch-wissenschaftliche Entwicklungs-Aufgaben - Generalmajor Nikolajew vom 26. November 1945).

{19} BACZ Nr. 4900 (Bearbeiter der Technisch-wissenschaftlichen Entwicklungs-Aufgaben).

{20} Information von Werner Haunstein.

{21} BACZ Nr. 4900 (Die wichtigsten wissenschaftlich-technischen Aufgaben, welche von der Carl Zeiss selbständig und in Zusammenarbeit mit der Firma Schott durchgeführt werden müssen (Bestellung der Kommission NKVV) vom 26. November 1945).

{22} BACZ Nr. 15127 (Besprechung zwischen Turügin, Schrade und v. Hohlbeck am 17. Oktober 1945); BACZ Nr. 647 (Contax-Objektive und von Carl Zeiss gefertigtes Zubehör. 11. September 45).

{23] BACZ Nr. 4718 (Befehl von Major Selenin vom 12. September 1947).

{24} Edith Hellmuth: Die Entwicklung des VEB Carl Zeiss JENA 1945-1954 als Bestandteil der Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftsstruktur der sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Abschlußarbeit Humboldt-Universität Berlin 1989, S. 20.

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Die Mitglieder der Werkskommission kontrollierten schließlich, daß der Auftrag der Versorgungsabteilung der Hauptpolitverwaltung der Roten Armee vom Frühherbst 1945, 5.000 Filmvorführgeräte nach einem sowjetischen Modell zu fertigen, ausgeführt wurde.{25} Im Dezember 1945 begann die Fertigung des Tonkinokoffers K 25 und im Frühjahr 1946 des verbesserten K 101.{26} Von beiden Modellen wurden insgesamt 3.500 Stück an die Rote Armee ausgeliefert.{27} Dabei waren außerordentliche Schwierigkeiten zu bewältigen, die vor allem aus dem desolaten Zustand der Zulieferindustrie resultierten. Darüber hinaus forderte Generalmajor Nikolajew die Konstruktion eines vollkommen neuen Apparates. Unter der Bezeichnung D 15 entstand

ein Gerät, das seit 1947 in der Optischen Anstalt Saalfeld in einer größeren Stückzahl produziert wurde und einen breiten Abnehmerkreis fand.{28}

Abb. 3 Betriebsleiter Rudolf Müller und Major Lebedew am Tonkinokoffer K 25. 1. März 1946

Die Reparationslieferungen 1945 und 1946

Die sowjetischen Vorgaben für 1946

Ab Herbst 1945 trat die dritte Aufgabe der Werkskommission in den Vordergrund. Sie hatte dafür Sorge zu tragen, daß die verschiedenen sowjetischen Dienststellen mit Zeiss-Erzeugnissen aus der laufenden Produktion versorgt wurden. Empfänger waren wissenschaftliche Einrichtungen, staatliche Handelsorganisationen, die die Rote Armee und die Zivilbevölkerung in der UdSSR mit Konsumgütern belieferten, sowie sowjetische Außenhandelsunternehmen. Nachdem die

{25} Iwan Sosonowitsch Kolesnitschenko: Im gemeinsamen Kampf für das neue antifaschistisch-demokratische Deutschland entwickelte und festigte sich unsere unverbrüchliche Freundschaft. Beiträge zur Geschichte Thüringens (Hrsg. SED Bezirksleitung Erfurt, Bezirkskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung), Erfurt 1985, S. 33-34.

{26} BACZ Nr. S 95 (WL. Bericht der Technischen Direktion über das Zeiss-Werk).

{27} BACZ Nr. 15834 (Entwurf eines Schreibens von Carl Zeiss Jena an die Finanzabteilung der SMATh vom 11. August 1947).

{28} BACZ Nr. 13449 (Niederschrift über eine Besprechung mit der sowjetischen Werkskommission vom 26. November 1945); BACZ Nr. S 95 (Bericht der Technischen Direktion über das Zeiss-Werk).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 31]

SMAD im Oktober 1945 die Organisation und Finanzierung der Reparationslieferungen aus der laufenden Produktion ostdeutscher Betriebe neu geregelt hatte, verlangte die Werkskommission Anfang November 1945 von der Geschäftsleitung die Vorlage eines Produktionsplans für das Jahr 1946. Damit wurde das Stiftungsunternehmen vom sowjetischen Planungssystem erfaßt, denn nun bestimmte nicht mehr die Geschäftsleitung den Umfang und die inhaltliche Ausrichtung des Produktionsprogramms, sondern die 2. Hauptverwaltung des Volkskommissariats für Bewaffnung bzw. die Abteilung für Reparationen und Lieferungen bei der SMAD. Die Geschäftsleitung hatte aufgrund der gegebenen Bedingungen für 1946 ein mögliches Produktionsvolumen von 83,2 Millionen RM errechnet und angegeben. Damit zeigte sich die sowjetische Seite nicht zufrieden. In einer Besprechung, die der Leiter der Abteilung für Reparationen und Lieferungen, Generalmajor Sorin, am 17. November 1945 mit den Zeiss-Geschäftsleitern in Berlin-Karlshorst führte, ging es vor allem um die Reparationsleistungen, die vom Zeiss-Werk erwartet wurden. Der Generalmajor erklärte den Geschäftsleitern: „Die Firma ist verpflichtet, in erster Linie ihre gesamte (oder fast gesamte) Produktion für die Aufträge der ARL (Abteilung für Reparationen und Lieferungen d. V.) zu reservieren. Die Produktion CZ wird durch die ARL blockiert. Direkte Belieferung an russische Bedarfsträger ohne Bestellungsverfügung der ARL ist nicht mehr gestattet, ausgenommen die bei Photo und Telez {29} laufenden alten Aufträge".{30} Sorin hielt das von der Geschäftsleitung

für 1946 vorgesehene Produktionsvolumen für zu gering und verwies auf den Umsatz im Jahre 1944, der zwischen 215 und 240 Millionen RM betragen habe. Hugo Schrade machte den Generalmajor darauf aufmerksam, daß die Umsatzzahlen der Kriegsjahre nicht nur die Leistungen des Zeiss-Werkes enthalten, sondern auch die der Zulieferfirmen. Ohne diese Zulieferungen habe sich der Zeiss-Umsatz lediglich auf 87 Millionen RM belaufen. Hugo Schrade äußerte gegenüber dem Generalmajor noch die Bitte, die Ernährung der Belegschaft sicherzustellen. Tatsächlich wurde Jena zum 1. November 1945 als Industriestadt eingestuft, worauf sich die Lebensmittelversorgung in Jena etwas verbesserte.{31}

'

Die Geschäftsleitung erhöhte das für 1946 geplante Produktionsvolumen auf 116 Millionen RM.{32} Major Selenin, in der Werkskommission für die Produktionsplanung zuständig, überarbeitete die Proportionen zwischen den Warengruppen nochmals. So reduzierte er die vorgesehenen Fertigungsstunden für die Warengruppen Mikroskope, Medizinische Geräte, Vermessungsgeräte, Feinmeßgeräte sowie für Feldstecher und erhöhte sie bei Analysenmeßgeräten.{33} Diese Vorgaben

{29} Betriebsinternes Kürzel für die Warengruppe Fernrohre (Feldstecher, Zielfernrohre).

{30} BACZ Nr. 15293 (alt) (Besprechung bei der Abteilung für Reparationen und Lieferungen bei der SMAD vom 17. November 1945).

{31} BACZ Nr. 26785 (alt) (Lebensmittelversorgung 1945).

{32} BACZ Nr. 6497 (Übersicht über den Produktionsplan und dessen Erfüllung in den Quartalen I.-IV. 1946).

{33} BACZ Nr. 15293 (alt) (Besprechung mit Major Selenin über Produktionsplan für 1946 am 26.- 27. Dezember 1945); Nr. 8043 (Übersicht über die von Major Selenin vorgenommene Programmänderung); Nr. 8233 (Protokoll der Betriebsleiterbesprechung vom 4. Januar 1946).

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erwiesen sich 1946 ohnehin nur als vorläufig, denn die konkrete Auftragslage änderte sich ständig.

Die Probleme bei der Planerfüllung

Da die Geschäftsleitung den auf Druck von Generalmajor Sorin und der Werkskommission neu zusammengestellten Produktionsplan für das Jahr 1946 als unrealistisch ansah, entschloß sie sich am 26. Dezember 1945, der Werkskommission für das I. Quartal 1946 einen Plan in zwei Varianten einzureichen. Die erste Variante enthielt das auferlegte Produktionssoll und die zweite den vermutlich erreichbaren Produktionsumfang. Die Geschäftsleitung wählte diesen Weg, um sich gegen eine Konventionalstrafe abzusichern, die in dem Falle drohte, daß die vorgeschriebenen Lieferungen an die UdSSR nicht termingemäß erfolgten. Die zweite Variante wurde wie folgt begründet: „Zweck dieser Liste ist nicht nur unsere Sicherung gegenüber den Russen hinsichtlich der Konventionalstrafe, sondern auch, um zusammen mit den Russen zu versuchen, die eingetretenen Schwierigkeiten zu beheben!"{34}

Tatsächlich zeigte sich schon nach wenigen Wochen, daß die sowjetischen Vorstellungen von der Leistungsfähigkeit des Jenaer Unternehmens in diesen Zeiten unrealistisch waren, denn der für das I. Quartal 1946 vorgeschriebene Umsatz ließ sich nicht erreichen. So verhielt es sich auch in den folgenden Quartalen, so daß sich die Werkskommission ungeachtet aller Drohungen gegenüber der Geschäftsleitung genötigt sah, die Produktionsauflagen zu reduzieren.{35}

Dafür gab es mehrere Ursachen. Das Zeiss-Werk erhielt nicht mehr die nötigen Zulieferungen. Die Gußlieferungen aus Sachsen und Thüringen waren nahezu vollständig ausgefallen, denn die Gießereien verfügten weder über Roheisen noch über geeignete Brennstoffe. Es mangelte an Elektroerzeugnissen für die Geräte, die man bis Kriegsende vornehmlich aus Süd- und Westdeutschland bezogen hatte. Ebenso verhielt es sich mit schwarzmetallurgischen Halbzeugen, speziellen Chemikalien, Diamanten, Spiegelglas, Werkzeugen usw., die bis Kriegsende ebenfalls aus Westdeutschland geliefert wurden. Die Versuche, in

der Ostzone Ersatz zu schaffen, hatten nur geringen Erfolg, weil den einschlägigen Unternehmen selbst Roh- und Brennstoffe fehlten. Viele Firmen waren wegen Bombenschäden und Demontage lieferunfähig.

Im Zeiss-Werk selbst bestanden betriebliche Engpässe. Die Teilerei war der geforderten Produktionssteigerung kapazitiv nicht gewachsen. So fehlten vier automatische Kreistelimaschinen und zwei bis drei Maschinen zur Herstellung der linearen Teilung, um den Anforderungen zu genügen. Der Mangel an Gußteilen

{34} BACZ Nr. 4902 (Erstellung von zwei Listen für Fertigung und Lieferungen vom 26. Dezember 1945).

{35] BACZ Nr. 6497 (Übersicht über den Produktionsplan und dessen Erfüllung in den Quartalen I-IV. 1946 vom 19. Juni 1946).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 33]

ließ die Eigenanfertigung dieser Maschinen nicht zu. Die Tischlerei und die Mikroskopfasserei waren durch Bombenschäden nicht voll arbeitsfähig. Obendrein war die Tischlerei durch die vielen Einzelanfertigungen für die Besatzungstruppen über Gebühr beansprucht. Ein Umzug der Fertigungsstätten in geeignete Räumlichkeiten ließ sich wegen fehlender Transportmittel nicht bewerkstelligen.In den betrachteten Wochen und Monaten gelang es nicht, die im Zeiss-Werk üblichen Arbeitsleistungen zu erbringen. Es fehlte an eingearbeiteten Arbeits-kräften. Ein großer Teil der qualifizierten Arbeiter befand sich noch in Kriegsgefangenschaft. Neu eingestellte Arbeitskräfte mußten erst eingearbeitet werden. Die Übersiedlung von Fachkräften in die amerikanische Zone hatte eine empfindliche Lücke gerissen. Eine nennenswerte Anzahl fachlich versierter Belegschaftsmitglieder war von sowjetischen Dienststellen aus unterschiedlichen Gründen festgenommen worden. Das Mehrschichtsystem konnte nicht ohne weiteres wieder eingeführt werden, weil die Arbeitswege in den Abend- und Nachtstunden unsicher und die Verkehrsverbindungen höchst unstet waren. All das führte dazu, daß das Werk nur 70 Prozent der Friedensleistung erbrachte.{36}

Der zwischen November 1945 und Dezember 1946 erzielte Umsatz sowie der Teil, der von den sowjetischen Besatzungsbehörden davon in Anspruch genommen wurde, ist in der Tabelle 4 im Tabellenanhang aufgeführt. Um die Produktion wieder in Gang zu setzen und die sowjetischen Aufträge auszuführen, war die Geschäftsleitung genötigt, bei der Landesbank Thüringen erhebliche Kredite aufzunehmen. In einem Briefentwurf an das Landesamt für Finanzen beschreibt Dr. Friedrich Wönne die Situation Ende 1946 so: „Wir haben nach der Besetzung Thüringens durch die Russen am 1.7.1945 auf russischen Befehl unsere Fabrikation in großem Umfang ausbauen müssen, um den Forderungen der Russen auf Lieferungen von Geräten für Reparationen nachkommen zu können. Diese Vergrößerung ist gegen unseren Willen erfolgt, denn wir hätten von uns aus die Werke höchstens bis zu einer Belegschaft von 7-8.000 Personen ausgebaut. Da die Anlagen und Vorräte für Reparationslieferungen von uns angeschafft wurden, erscheint es recht und billig, daß sie auch seitens der Russen als Reparationslieferungen und nicht als Kriegsbeute behandelt werden, zumal die Reparationslieferungen ausschließlich aus Zivilgeräten bestanden.{37}

Die Firma Carl Zeiss nahm im zweiten Halbjahr 1945 drei Kredite von insgesamt 10.496.000 RM auf, von Februar bis Ende November 1946 kamen weitere Kredite in Höhe von 142.960.000 RM hinzu. Davon machten die Reparationskredite 49,8 Prozent aus. Diesen Verbindlichkeiten standen Forderungen an die sowjetischen Auftraggeber in Höhe von 38,2 Millionen RM gegenüber. Hinzu

kam die Erwartung, daß der Antrag vom 14. April 1946 auf Preiserhöhung für die Zeiss-Erzeugnisse eine Nachzahlung von zehn Millionen RM erbringt. Diesen

{36} BACZ Nr. 8043 (Schreiben von Hugo Schrade an die sowjetische Werkskommission vom 21. Dezember 1945).

{37} BACZ Nr. 19667 (Briefentwurf an das Landesamt für Finanzen vom 21. November 1946).

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Antrag hatte man damit begründet, daß die Stopp-Preise von 1944 die tatsächlich entstandenen Kosten nicht decken. Bis Ende Oktober 1946 war die geforderte Preiserhöhung noch nicht genehmigt worden.{38}

Nachdem die Offiziere des Volkskommissariats bzw. Ministeriums für Bewaffnung{39} die inhaltliche Ausrichtung der Forschung, Entwicklung und Fertigung übernommen hatten, blieb der Geschäftsleitung kein Spielraum mehr, um ihre strategischen Intensionen vom Juli 1945 zu realisieren. Der Konversionsprozeß wurde durch die Entwicklungsaufträge für optische Militärgeräte unterbrochen. Es mußten profilfremde Aufträge ausgeführt werden. Dazu gehörte die Konstruktion des neuen Tonkinokoffers und dessen Fertigung in großen Stückzahlen sowie die Entwicklung und der Bau von Ausrüstungen für eine Fabrikationsstätte für Photoapparate. Diese Aufträge erlaubten auch nicht, sich von der Geraer Technischen Werkstätte GmbH und der Saalfelder Apparatebau-Gesellschaft mbH zu trennen, die auf Initiative der Wehrmacht ausschließlich zur Herstellung

von Rüstungsgütern entstanden waren. Die Reparationslieferungen zwangen dazu, die Fertigungskapazitäten stark zu erweitern. Auch das lag nicht in der ursprünglichen Absicht der Geschäftsleitung, denn es war nicht abzusehen, ob es für diese Kapazitäten nach dem Ende der Reparationsverpflichtungen noch genügend Beschäftigung geben werde. Unter dem Gesichtspunkt des Ministers für Bewaffnung war diese Kapazitätserweiterung natürlich von Vorteil, denn der vergrößerte Ausrüstungspark schlug bei der geplanten Demontage für die Sowjetunion zu Buche.

Andererseits ermöglichten die sowjetischen Aufträge, insbesondere die Reparationslieferungen aus der laufenden Produktion, die Stammbelegschaft zusammenzuhalten und zu ergänzen. Viele Arbeitskräfte aus Jena und Umgebung, die während des Krieges zur Arbeit in das Zeiss-Werk dienstverpflichtet waren, darunter vornehmlich Frauen und Mädchen, die wieder eine Beschäftigung im Zeiss-Werk aufnahmen, erhielten nicht nur Verdienstmöglichkeiten, sondern auch Lebensmittelkarten, die dazu berechtigten, größere Lebensmittelrationen zu kaufen. Während im November 1945 7.593 Beschäftigte besondere Lebensmittelkarten erhielten, waren es am 27. September 1946 12.532. Davon erhielten 4,8 Prozent die Schwerstarbeiterkarte, 49,2 Prozent die Schwerarbeiterkarte, 42,0 Prozent die Arbeiterkarte und vier Prozent die Lebensmittelkarte für Angestellte.{40} Beides, Verdienstmöglichkeiten und Lebensmittelkarten, war in diesen Monaten lebenswichtig. Die Einwohner der sowjetischen Besatzungszone hatten zu dieser Zeit keinen Zugang zu ihren Ersparnissen auf Banken und Sparkassen.

{38} BACZ Nr. 19667 (Briefentwurf an das Landesamt für Finanzen vom 25. November 1946).

{38} Am 15. März 1946 wurde das Gesetz über die Umbildung des Rates der Volkskommissare und den Ministerrat der UdSSR erlassen, danach wurde das Volkskommissariat Ministerium fürBewaffnung.

{40} BACZ Nr. 26785 (alt) (Lebensmittelkarteneinstufung. 27. September 1946).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 35]

Deportation, Demontage und Widerstand

Der Befehl aus Moskau und der Widerstand gegen den vollständigen Abbau des Zeiss-Werkes

In der Nacht vom 21. zum 22. Oktober 1946 läuteten sowjetische Militärs an den Wohnungen von 275 Zeissianern und 12 Schott-Mitarbeitern und teilten den aus der Nachtruhe Aufgeschreckten mit, daß die Sowjetische Militäradministration angeordnet hat, die „Firma, in der Sie bisher gearbeitet haben, zusammen mit dem technischen Personal, für die weitere Arbeit nach der Sowjetunion" zu verlegen. „Mit dieser Firma werden Sie ebenfalls für die Arbeit in die Sowjetunion mobilisiert. ... Jetzt sind Sie verpflichtet, insgesamt mit Ihrer Familie, Ihrem Hab und Gut, Eisenbahnwagen zu besteigen. ... Bei der Packung Ihrer Sachen in die Wagen werden Ihnen die Soldaten behilflich sein"{41}

Unter den für einen Arbeitseinsatz in der UdSSR ausgewählten Zeissianern befanden sich nach Angaben von Victor Sandmann etwa 36 Mitarbeiter aus dem wissenschaftlichen Bereich, 100 aus der Konstruktion und 130 aus der Fertigung.{42} Zu ihnen gehörten auch Zeissianer, die, wie Dr. Karl Gundlach und der Entwicklungsleiter Artur Pulz, das Pensionsalter bereits oder fast erreicht hatten. Als der Konstrukteur Walter Kabisius von seinem Abtransport erfuhr, erlitt er einen Herzanfall, dem er Imme Zeit später erlag.{44}

Hugo Schrade wurde am Vormittag des 22. Oktober 1946 gegen 11 Uhr von Generalmajor Dobrowolski über den Demontagebefehl informiert. Der Chef der sowjetischen Verwaltung ließ ein Schreiben an den Geschäftsleiter verlesen, in dem ihm diese Tatsache mitgeteilt wurde und in dem die Maßnahmen enthalten waren, die Hugo Schrade umgehend einzuleiten hatte. Nachdem das Schreiben verlesen worden war, warnte Dobrowolski vor Sabotage beim Abbau und Verpacken des Demontagegutes durch die Belegschaftsmitglieder und drohte Strafen an. Hugo Schrade konnte erreichen, daß das Werk wie bisher in Betrieb blieb, „um ein Chaos zu vermeiden und um die Aufräumungsarbeiten zu erleichtern". Auf die Frage von Hugo Schrade, „ob Teile zurückbleiben, wird von Generalmajor Dobrowolski mitgeteilt, daß im Laufe des heutigen Nachmittags oder morgen nähere Anweisungen erfolgen, welche Teile zurückbleiben". Schrade erfuhr dann lediglich, daß die Arbeiten am Contax-Programm fortgeführt werden.

Unmittelbar nach dem Treffen mit dem Chef der Werkskommission unterrichtete Hugo Schrade die Geschäftsleiter und Betriebsräte der Stiftungsunternehmen von der neuen Situation.

{41} BACZ Nr. 8323 (Informationen an die Mitarbeiter der Werke Zeiss und Schott über ihre Arbeitsverpflichtung in die UdSSR vom 21. Oktober 1946).

{42} VA Nr. 5886 (Brief von Victor Sandmann an Paul Henrichs vom 29. Oktober 1946).

{43} BACZ Nr. 6730 (Verzeichnis der im Okt. 1946 nach der Sowjetunion deportierten Spezialarbeitskräfte des Zeisswerkes); Nr. 23736 (Namenslisten über die Rückkehr der Zeiss-Spezialisten aus der SU 1951-1953).

{44} VA Nr. 5886 (Brief von Victor Sandmann an Paul Henrichs vom 29. Oktober 1946).

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Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Deportationen und des Demontagebefehls begannen die Aktionen gegen den zu Recht befürchteten vollständigen Abbau der beiden Stiftungsunternehmen. Sie erfolgten auf verschiedenen Ebenen und aus unterschiedlichen Interessen.

Von den Deutschen, die sich gegen eine totale Demontage der Stiftungsunternehmen wandten, sprach sich keiner gegen die Verpflichtung Deutschlands zur Wiedergutmachung der Schäden aus, die die deutsche Wehrmacht in der UdSSR angerichtet hatte. Sie waren aber der Ansicht, daß deshalb ein gut funktionierender und komplizierter Wirtschaftsorganismus nicht zerstört werden muß, denn es war durchaus möglich, die Wiedergutmachungsleistungen in Form von feinmechanisch-optischen Erzeugnissen, Meß- und Prüfmitteln und speziellen Ausrüstungen zu erbringen. Die Geschäftsleitung hatte unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Demontagebefehls entsprechende Angebote unterbreitet.{45}

In Jena, Weimar und Berlin wirkten unterschiedliche politische Kräfte zusammen, um die totale Demontage der Werke Zeiss und Schott zu verhindern. Der Stiftungskommissar, die Geschäftsleiter und Betriebsräte, der thüringische Ministerpräsident sowie Funktionäre der SED intervenierten bei der Sowjetischen Militäradministration gegen die Demontage. Selbst Wilhelm Pieck und

Otto Grotewohl, die Vorsitzenden der SED, setzten sich beim Obersten Chef der SMAD dafür ein, daß Werksausrüstungen in Jena verbleiben. Letztlich war aber wohl das Interesse der Sowjetischen Militäradministration dafür ausschlaggebend, daß die Jenaer Unternehmen nicht vollends abgebaut wurden, sondern in Kernen erhalten blieben. Als Sokolowski von der beginnenden Demontage in Jena erfuhr, wandte er sich an Stalin. Er plädierte dafür, die Ausrüstungen in Jena zu belassen, die erforderlich waren, um die sächsische Kameraindustrie mit Objektiven für Photo- und Kino-Apparate zu beliefern, denn die Kameraindustrie hatte erhebliche Reparationsleistungen zu erbringen. Für das Reparationsaufkommen war letztlich Sokolowski verantwortlich. Noch im September 1946 hatte ein sowjetischer General das Zeiss-Werk damit beauftragt, monatlich 6.000

Photo-Objektive an die Dresdner Kamera-Werke zu liefern.{46} Es mag für Sokolowskis Einspruch aber auch noch politische Gründe gegeben haben, denn die Demontage der feinmechanisch-optischen Unternehmen in Thüringen erfolgte zur gleichen Zeit, in der auch andere größere Produktionsstätten in Ostdeutschland abgebaut wurden. Darunter befanden sich die Junkers-Werke in Dessau, die Henschel-Werke in Staßfurt, die Siebel-Werke in Halle, mehrere große Druckereien und Brennstoff- und Energieerzeuger.{47} Das hatte nicht nur Auswirkungen auf das wirtschaftliche Gefüge in der sowjetischen Besatzungszone, sondern auch auf die Stimmung in der Bevölkerung. Beides erschwerte den politischen Auftrag der SMAD, in Ostdeutschland die gesellschaftspolitischen Verhältnisse im Sinne der UdSSR zu verändern. Im Alliierten Kontrollrat zeigten die westlichen

{45} BACZ Nr. 1748 (Vorschläge der Fa. Carl Zeiss).

{46} BACZ Nr. 14985 (Stand der Demontage).

{47} Reiner Karlsch: Allein bezahlt. Die Reparationsleistungen der SBZ/DDR 1945-53, Berlin 1993, S. 80.

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 37]

Vertreter zu diesem Zeitpunkt ohnehin kein Verständnis mehr für die Reparationspolitik der UdSSR. So nahm der Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung, Friedrich Wönne, am 2. November 1946 ein Telefonat entgegen, in dem ein Mitarbeiter der Berliner Zeiss-Filiale darüber berichtete, daß in der kommenden Woche ein Alliierter Kontrollausschuß gebildet werden soll, der sich mit den jüngsten Demontagen und Deportationen in der Ostzone befassen wird.{48}

Sokolowskis Intervention bei Stalin hatte Erfolg. Auf Stalins Anweisung legte der Ministerrat der UdSSR am 5. November 1946 fest, daß sechs Prozent der Gesamtkapazität des Zeiss-Werkes von der Demontage auszunehmen sind. Wahrscheinlich hatte Sokolowski vorgeschlagen, zehn Prozent der Gesamtkapazität in Jena zu belassen, denn diese Aussage erhielten Rudolf Jobst, Erich Matthes, Otto Marquardt und der Betriebsratsvorsitzende des Schott-Werkes, Eduard Heintz, am 7. November 1946 in einer Besprechung mit Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck. In der Aktennotiz über diese Besprechung bei den Parteivorsitzenden, die Hermann Fechner, Vertreter des FDGB Thüringen, angefertigt hat, ist dazu vermerkt:

„Im Laufe der Aussprache gaben dann die Genossen Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl einen Bericht über die bis zur Stunde mit der SMA Karlshorst erzielten Übereinkünfte. Dabei ist wesentlich zu bemerken, daß seitens der SMA Karlshorst die grundsätzliche Zusage erfolgte, daß in den beiden Betrieben ein Grundstock zum Wiederaufbau bzw. zur Wiederentwicklung einer Friedensproduktion gelassen wird. Da über die Höhe des Prozentsatzes der verbleibenden Betriebskapazität noch keine endgültige Festlegung erfolgte, sondern nur mit ungefähr 10% gerechnet wird"{49}

Ustinow, der seinerseits bei Stalin Einwände gegen das Ersuchen von Sokolowski vorbrachte, hatte offensichtlich dafür gesorgt, daß lediglich sechs Prozent der Produktionskapazität von der Demontage ausgenommen werden. Er ordnete am 15 November 1946 auch an, nichts von den Laboratorien und Produktionslinien zu hinterlassen, das für sein Ministerium von Interesse war.{50}

Nachdem klar war, daß das Zeiss-Werk aus sowjetischer Sicht Zulieferbetrieb der Kameraindustrie wird, begannen zwischen der Geschäftsleitung und der Sowjetischen Verwaltung der Werke Zeiss und Schott zähe Verhandlungen über Umfang und Qualität der Ausrüstungen, die in Jena verbleiben müssen, damit die erwarteten Leistungen erbracht werden können. Es mußte sich die Industrieverwaltung bei der Sowjetischen Militäradministration einschalten, damit ein Minimum der benötigten technischen Ausstattung zurückgelassen wurde.

Nachdem Hugo Schrade zur Kenntnis genommen hatte, daß zehn Prozent der Fertigungskapazität in Jena verbleiben, begann er sofort mit der Wiederaufbauplanung. Am 9. November 1946 unterbreitete er Generalmajor Dobrowolski in einem Gespräch erste Vorschläge für die Wiederaufnahme der Produktion{51}

{48} BACZ Nr. 8086 (Demontage. Sowjetische Anordnungen).

{49} BACZ Nr. 14986 (Aktennotiz betrifft Demontage der Firmen Zeiss und Schott Jena vom 7. November 1946).

{50} Uhl: Das Ministerium für Bewaffnung, S. 129.

{51] BACZ Nr. 4699 (Schreiben der Geschäftsleitung an Dobrowolski vom 10. November 1946).

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und ließ zwei Tage später Zeichnungen für eine künftige Fertigung heraussuchen. Er beauftragte Karl Müller, Leiter der Planungsstelle, den Teil des Maschinenparks zusammenzustellen, der von der Demontage auf jeden Fall ausgenommen werden muß. Müller schlug vor, daß von den 10.600 Maschinen, über die das Werk im Oktober 1946 verfügte, 700 Groß- und 250 Kleinmaschinen in Jena verbleiben. Nach den Plänen von Schrade und Müller sollte das künftige Fertigungsprogramm Brillen, Photo-Objektive, medizinische Geräte, Mikroskope und Feinmeßgeräte umfassen. Aufgrund der alliierten Bestimmungen wollte man auf die Herstellung von geodätischen und aströnomischen Geräten, Bildmeßgeräten und Feldstechern verzichten. Friedrich Wönne ersuchte Schnittger, der in der Zentralverwaltung für Industrie für die feinmechanisch-optische Industrie zuständig war, bei der SMAD dafür einzutreten, daß die Gitterteilmaschine und die 1 m-Teilmaschine nicht weggebracht werden, da sie durch den Transport

ohnehin unbrauchbar würden. Schnittger sollte sich ferner dafür einsetzen, daß Maschinen und Einrichtungen vom Abtransport ausgenommen werden, die für eine leistungsfähige Fabrik unerläßlich waren, das betraf auch die Produktionsmittel, von denen nur ein Exemplar in Jena existierte. Wönne wollte durch Schnittger auch erfahren, ob Material und Maschinen, die nach dem 8. Mai 1945 angeschafft wurden, ebenfalls der Demontage unterliegen.{52}

Der Demontageverlauf

Die Demontagearbeiten begannen Anfang November 1946 und zogen sich bis Mitte März 1947 hin. Während der Demontage liefen die Arbeiten für das Contax-Programm und die Reparationsaufträge weiter. Aber so wie die Abbauarbeiten voranschritten, kam die Produktion zum Erliegen. In der ersten Novemberhälfte 1946 bauten die Soldaten der Trophäenbrigade den Ausrüstungspark systematisch ab. Von den insgesamt 8.700 Belegschaftsmitgliedern arbeiteten am 8. November 1946 76 Prozent für die Demontagebrigade, 6,5 Prozent waren noch mit der Contax-Fertigung und 17,5 Prozent mit Reparationsaufträgen beschäftigt.{53}

Mitte November 1946 ließ Dobrowolski die Demontagearbeiten beschleunigen. Da die Beschäftigten des Zeiss-Werkes nicht ausreichten, um die anfallenden Arbeiten zu bewältigen, forderte Dobrowolski Arbeitskräfte vom Jenaer Arbeitsamt an.{54}

Unter dem 15. November 1946 vermerkt ein Bericht der Fertigungsbetriebsleitung, daß in den einzelnen Abteilungen - die Contax-Fertigung ausgenommen - 90 bis 100 Prozent der Maschinen für den Abtransport bereit stehen.{55} Um die

{52} BACZ Nr. 8086 (Schreiben von Wönne an Schnittger vom 13. November 1946).

{53} BACZ Nr. 8086 (Demontage im Zeiss-Werk); 14985 (Stand der Demontage).

{54} BACZ Nr. 27200 Tagebuch des Betriebsrates (Eintragung vom 13. November 1946).

{55} BACZ Nr. 9796 (Bericht der FBL vom 15. November 1946).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 39]

Maschinen auf den Werkshof zu bringen, mußten oftmals die Gebäudewände aufgerissen werden, und über die Qualität der Transportverpackung wird in einem Bericht festgehalten:

„Die Art der Verpackung ist sehr primitiv und höchstwahrscheinlich von kurzer Lebensdauer. Um jede Maschine wird ein Balkengestell gebaut, das mit Maschinenschrauben zusammengeschraubt wird. Die Löcher für die Maschinenschrauben werden oft nur in einem Abstand von 4-5 cm vom Balkenende gebohrt, so daß die Balken jetzt schon aufspalten. Das fertig zusammengeschraubte Balkengestell wird dann von außen mit Brettern verschlagen. Die Innenseite der Kiste wird mit ungesandeter Dachpappe ausgekleidet. Die Oberseite der Kiste wird nicht mit Dachpappe abgedeckt, so daß der Kistendeckel durch Regenwasser und Schnee zerstört werden kann."{56}

[Bild 4]

Abb. 4 Verpacken von demontierten Maschinen im Zeiss-Werk. November 1946

Mitte November 1946 begann der Abtransport des Demontagegutes, und am 12. Dezember 1946 gibt ein Bericht an, daß die Hälfte der Maschinen und zwei Drittel der Werkzeuge bereits in die UdSSR gebracht worden sind.{57} Gegen Jahresende ging die Trophäenbrigade dazu über, aus den Werksgebäuden die

{56} BACZ Nr. 14985 (Stand der Demontage).

{57} BACZ Nr. 14985 (Stand der Demontage).

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Einrichtung für den Transport von Medien - elektrische Leitungen, Preßluft-, Gas- und Wasserleitungen -, Türen und Fenster, einschließlich der Rahmen, die Heizungsanlagen, eingebaute Schränke usw. zu entfernen. Dafür hatte die Werkskommission am 9. Dezember 1946 eine "Instruktion über die Demontage von Inneneinrichtungen von Räumen" herausgegeben, in der auch sehr eingehend beschrieben wird, was beim Abbau der sanitären Einrichtungen zu beachten ist: „Vor der Abnahme der Klosettbecken und der Pissoire sind diese mit Soda und Chlorkalk zu reinigen. Nach der Abnahme erfolgt eine zweite Reinigung mit Soda und Chlorkalk"{58}

Dieser Teil der Demontage hatte offensichtlich eine Doppelfunktion. Er diente einerseits dazu, die Voraussetzungen für eine Infrastruktur in den sowjetischen Werken zu schaffen. Zum anderen sollten dadurch die Werksgebäude für eine Wiederverwendung weitgehend unbrauchbar gemacht werden. Von der vollständigen Zerstörung waren lediglich diejenigen Gebäude ausgenommen, in denen die Contax-Arbeiten ausgeführt und die für das Photo-Optik-Programm der SMAD benötigt wurden.

Im Verlauf der Demontage kam es immer wieder zu Konflikten zwischen den Zeissianern und Offizieren und Soldaten der Trophäenbrigade. Die Geschäftsleitung und der Betriebsrat mußten sich mit dem sowjetischen Führungspersonal über die Entlohnung der Belegschaftsangehörigen auseinandersetzen, denn die Trophäenbrigade war für die Bezahlung der deutschen Arbeitskräfte zuständig. Sie hatte dafür ein Budget, das aber offensichtlich in Moskau zu knapp bemessen worden war. Zudem wollte die Trophäenbrigade lediglich die deutschen Arbeitskräfte entlohnen, die die Abbauarbeiten ausführten. Dazu waren sie aber nur in der Lage, wenn der gesamte Betriebsorganismus funktionierte. Die Arbeitskräfte, die das ermöglichten, es waren am 2. Dezember 1946 immerhin 1.093 Personen, standen nicht auf den Personallisten der Brigade und erhielten deshalb auch keinen Lohn.{59} Die Geschäftsleitung verlangte aber, auch diese Arbeitskräfte aus dem Brigade-Budget zu bezahlen. Die Entlohnung durch die Trophäenbrigade erfolgte höchst unregelmäßig. Erich Matthes erwähnte in einem Gespräch, das er am 15. Januar 1947 mit Walter Ulbricht führte, daß nahezu 1.500 Arbeiter sieben Wochen ohne Lohn geblieben waren und mehrere tausend Arbeiter nur unregelmäßig entlohnt worden sind.{60} Otto Marquardt vermerkt unter dem 26. November 1946 im Betriebsratstagebuch, daß die Arbeiter Schiemann und Helfrich sowie die Hälfte der Kollegen ihrer Arbeitsstelle lediglich einen Stundenlohn erhalten, der unter einer RM liegt. Die Betriebsräte mußten bei den Offizieren sowohl auf die Bezahlung der Überstunden als auch auf die dazu gehörenden Zuschläge in

{58} BACZ Nr. 9796 (Instruktion über die Demontage von Inneneinrichtungen von Räumen vom 9. Dezember 1946).

{59} BACZ Nr. 19205 (Lohnzahlung an Demontagekräfte).

{60} BACZ Nr. 14912 (Matthes: Notiz über eine Besprechung bei Walter Ulbricht am 29. November 1946).'

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 41]

Höhe von 20 Prozent drängen. Ebenso gab es Probleme bei der Bezahlung von Feiertagszuschlägen, Trennungsentschädigungen und bei der Fahrgeldrückerstattung.

Gegen Ende des Jahres 1946 stellte sich bei Verhandlungen mit der Werkskommission heraus, daß das Ministerium für Bewaffnung in der Annahme, die Demontagearbeiten werden bis Ende 1946 abgeschlossen, keine weitere finanzielle Vorsorge getroffen hatte, so daß finanzielle Mittel erst Ende Januar 1947 wieder bereitstanden, um die ausstehenden Löhne zu zahlen.{61}

Die Geschäftsleiter und der Betriebsrat sahen sich immer wieder veranlaßt, Belegschaftsmitglieder gegen übergriffe von Militärangehörigen in Schutz zu nehmen. So hielt Otto Marquardt unter dem 16. November 1946 im Betriebsratstagebuch fest: „Die Kollegen Rosenkranz und Gretscher sind von den Russen geschlagen und gewürgt worden". Und am 15. Dezember 1946 trägt Otto Marquardt ein: „Koll. Kimmisch, Klemp (Klempnerei d. V.) ist wegen Verweigerung von Überstunden von Russen entlassen. Er ist 31 Jahre bei Zeiss. Ich versichere ihm, daß er in 1-2 Wochen wieder Arbeit bekommt."{62}

Die Offiziere argwöhnten ständig, daß die Zeissianer ihre Anweisungen nicht ordnungsgemäß ausführen. Jede tatsächliche oder scheinbare Unregelmäßigkeit konnte als Sabotage ausgelegt und bestraft werden. Das zeigte sich auch am 20. November 1946 im Bau 29 des Hauptwerkes. An diesem Tag war beim Transport schwerer Maschinenkisten der Lastenaufzug abgestürzt. Generalmajor

Dobrowolski behauptete am 21. November 1946 gegenüber dem Betriebsrat, das Tragseil sei angeschnitten worden. Die Arbeiter Vogel und Frank aus der Photo-Dreherei, Mechsner aus der F-Fräserei und Klöpsch aus der F-Dreherei, die die Transportarbeit mit ausgeführt hatten, waren sofort von Mitarbeitern des NKWD verhaftet worden. Die Untersuchung des Vorganges ergab aber, daß das Seil gerissen war, weil es beim Herausziehen der Kisten mit Hilfe eines Krans über eine scharfe Betonkante der Hauswand gezogen worden war.{63} Das Untersuchungsresultat und das Eintreten von Otto Marquardt und Erich Matthes für die Verhafteten bei Dobrowolski führten dann dazu, daß drei der Verhafteten nach drei Tagen wieder frei kamen, Vogel aber erst am 4. Dezember 1946 an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte. Überhaupt wurden Arbeiter immer wieder von Mitarbeitern des NKWD verhört. Darüber berichtete Erich Matthes Walter Ulb-richt in der schon erwähnten Zusammenkunft: „Außerdem ist die Arbeiterschaft über die Verhöre bei der NKWD beunruhigt.

Ungeachtet der scharfen Kontrollen und der Gefahr, verhaftet zu werden, schafften Werksangehörige ausgewählte Werkzeuge, Lehren, wertvolle Meßmittel usw. sowie schriftliche Unterlagen in der Absicht beiseite, sie für den Wiederaufbau sicherzustellen. Am 3. Dezember 1946 wurden Rudolf Klupsch

{61} BACZ Nr. 19205 (Demontageangelegenheiten).

{62} BACZ Nr. 27200 Tagebuch des Betriebsrates (Eintragungen vom 16. November und vom 15. Dezember 1946).

{63} BACZ Nr. 9796 (Demontage FBL).

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und einige seiner Kollegen aus dem Werkstofflaboratorium verhaftet, weil sie einen Spektrographen Q 24 und ein Metallmikroskop vor der Trophäenbrigade versteckt hatten.{64}

Im Verlauf der Demontage verschlechterte sich die Stimmung in der Belegschaft zusehends. Die Art der Demontage wurde als sinnlos empfunden. Niemand konnte sich vorstellen, wie die empfindlichen Gerätschaften und Maschinen den Transport überstehen und in der UdSSR wieder in Betrieb genommen werden konnten. Immer wieder gab es Gerüchte über weitere Deportationen. Vor

allem die Mitarbeiter, die am Contax-Programm arbeiteten, befürchteten, daß sie, wenn ihr Auftrag abgeschlossen ist, samt der Ausrüstung in die Sowjetunion verbracht werden könnten. In einem von Betriebsratsmitgliedern am 15. November 1946 abgefaßten Bericht heißt es:

„Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß eine neue Evakuierung von Spezialisten stattfindet oder unmittelbar bevorstehen könnte. Es mußten Listen von Spezialisten aus Forschungs- und Entwicklungsabteilungen eingereicht werden mit genauen Angaben ihrer Spezial-Arbeitsgebiete und ihrer Spezialarbeiten und deren Dauer - sowie Gehalts- und andere Angaben zu ihrer Person."{65}

Der Bericht informiert auch über „das Wegbleiben von Spezialisten von der Arbeit", das in den letzten Tagen zugenommen hatte. Es wurde vermutet, daß sie in die westlichen Besatzungszonen gereist sind.

Wie die Stimmung in der Zeiss-Belegschaft war, zeigt der Text eines Flugblatts, das am 19. November 1946 im Nordwerk kursierte: „Zum 100jährigen Bestehen der Firma Carl Zeiss Jena. Seid keine Saboteure der deutschen Wirtschaft. Reiht Euch mit in die Reihen des zivilen Ungehorsams ein!"{66}

Das 100jährige Bestehen des Zeiss-Werkes sollte ursprünglich in einer angemessenen Form begangen werden. Aber unter den gegebenen Umständen war es der Geschäftsleitung nicht möglich, ihr Vorhaben zu realisieren. Am 17. November 1946 gedachten die Geschäftsleiter und Vertreter des Betriebsrates am Grab von Carl Zeiß des besonderen Tages in der Geschichte des Unternehmens, und Friedrich Schomerus trug in seiner Wohnung einem kleinen Kreis von Zeissianem die Rede vor, die er aus diesem Anlaß für die Festversammlung im Volkshaus verfaßt hatte.

Das Demontagegut wurde zwischen Mitte November 1946 und Juni 1947 auf 7.232 Waggons verladen und in 155 Eisenbahnzügen in die UdSSR gebracht. Es bestand aus 13.693 technischen Ausrüstungen, darunter 2.140 optische Spezialmaschinen, 2.218 Drehmaschinen, 1.197 Bohr- und 980 Fräsmaschinen sowie aus 84.516 t Material, darunter Laborausrüstungen und technische Dokumentationen, Halbfabrikate, Buntmetalle, Büromaterial, Sanitäranlagen.{67}

{64] Reinhard Bernst: Zur Geschichte des Werkstofflabors der Firma Carl Zeiss. In: Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte 2002. Verein für Technikgeschichte in Jena e.V., Jena 2002, S. 135.

{65} BACZ Nr. 14985 (Bericht des Betriebsrates vom 15. November 1946).

{66}BACZ Nr. 27200 Betriebsratstagebuch (Eintragung vom 19. November 1946); Mühlfriedel/Hellmuth: Das Tagebuch des Betriebsrates, S. 201.

{67} Uhl: Das Ministerium für Bewaffnung, S. 130-131.

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 43]

Über den Nutzen der Zeiss-Ausrüstung und der Deportierten für die sowjetische feinmechanisch-optische Industrie

Die Verwendung der Ausrüstungen

Der Minister für Bewaffnung konnte seine Absicht, das Zeiss-Werk an einem Standort in der UdSSR wiederaufzubauen - wie es bei anderen demontierten Objekten in seinem Ministeriumsbereich möglich war - nicht realisieren, weil ihm der Ministerrat dafür kein Sonderprogramm zugebilligt hatte. Und weil ihm für ein solches Vorhaben nicht die nötigen finanziellen Mittel, Materialien und Arbeitskräfte zur Verfügung standen, mußte Dmitri Ustinow eine andere Lösung finden. Am 16. Juni 1946 erließ er den geheimen Befehl Nr. 188, der alle Maßnahmen für die Verwendung des Demontagegutes und die Unterbringung der Deportierten aus Jena enthielt. Der Befehl sah vor, die demontierten Maschinen und Einrichtungen auf 14 feinmechanisch-optische Betriebe zu verteilen. Lediglich die Ausrüstung aus dem Jenaer Glaswerk wurde komplett dem Werk Nr. 233 in Lytkarino in der Nähe von Moskau zugewiesen. Für die Deportierten waren Arbeitsplätze in acht Betrieben vorgesehen.

Die vorbereitenden Arbeiten für die Aufnahme des Demontagegutes erfolgten nicht in dem vorgesehenen Tempo, so daß im Dezember 1946 überhaupt erst drei feinmechanisch-optische Betriebe in der Lage waren, den zugewiesenen Maschinenpark aufzunehmen und sachgemäß zu lagern. Die anderen Betriebe benötigten bis zum Sommer 1947, um wenigstens 50 Prozent der Maschinen und Einrichtungen zu nutzen. Die Leningrader Werke Nr. 349 und 357 sahen sich außer Stande die Maschinen zu übernehmen und zu lagern. Den größten Teil des Demontagegutes erhielten die Werke Nr. 233 in Lytkarino, Nr. 393 in Krasnogorsk, Nr. 784 in Kiew, Nr. 349 in Leningrad, Nr. 589 in Moskau und Nr. 355 in Zagorsk. Der Minister für Bewaffnung mußte wegen Geld-, Material- und Arbeitskräftemangel hinnehmen, daß sich die Inbetriebnahme der Ausrüstungen immer wieder verzögerte. Die Reihenfolge der Montagen wurde von militärischen Interessen bestimmt. Nach den Plänen des Ministeriums für Bewaffnung war vorgesehen, bis Ende 1947 die Fertigung von Entfernungsmessern im Werk Nr. 69 in Nowosibirsk und von Bombenzielgeräten im Werk Nr. 589 in Moskau aufzunehmen. Dagegen sah man zu diesem Zeitpunkt die Betriebsbereitschaft der Ausrüstungen für zivile Erzeugnisse nur noch zu 20 bis 40 Prozent vor. Bis Anfang der fünfziger Jahre war es schließlich gelungen, die Produktion in verschiedenen zivilen Fertigungsgruppen aufzunehmen. Dazu gehörten Mikroskope, Geräte zur Spektralanalyse, Refraktometer, geodätische Geräte, Photoapparate sowie photometrische Geräte. Die Herstellung von Brillen, Ferngläsern, Zielfernrohren, medizinischen oder astronomischen Geräten kam nur in einem begrenzten Umfang oder überhaupt nicht in Gang.{68}

{68} Uhl: Das Ministerium für Bewaffnung, S. 125.

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Der Einsatz der Zeissianer

Die deportierten Zeiss-Fachkräfte erhielten in Gruppen unterschiedlicher Größe ihren Arbeitsplatz in verschiedenen Werken zugewiesen.{69} Die größte Gruppe von 117 Personen, unter ihnen vier Saalfelder, kam in das Werk Nr. 393 in Krasnogorsk. Es waren Facharbeiter aus Spezialwerkstätten wie der Endmaßfertigung, der Zahnradwerkstatt und der Lehrenfertigung sowie aus verschiedenen Bereichen der Optikfertigung, insbesondere Fachkräfte für die Photolinsen- und Photoobjektivfertigung. Unter den Optikfachleuten befanden sich auch Mitarbeiter, die die Technologie zur Herstellung des T-Belages{70} beherrschten. Ferner waren in Krasnogorsk Montagearbeiter für Konstruktionsmusterbau und Bildmeßgeräte, Techniker, Ingenieure und Konstrukteure aus allen Konstruktionsbereichen - ausgenommen aus dem Konstruktionsbüro für astronomische Geräte - tätig. Wissenschaftler aus dem Zellen-, Kristall- und Elektro-Labor, dem Reproduktionslabor und dem Zentralen Prüflabor hatte man ebenfalls dem Krasnogorsker Werk zugewiesen. Zu ihnen gehörten die Physiker Dr. Paul Gänswein, Dr. Alfred Krohs und Dr. Paul Görlich aus dem Zellenlabor, der Leiter des Reproduktionslabors Dr. Karl Gundlach, die Wissenschaftler Dr. Harald Straubel aus dem Kristall-Labor, der bekannte Entwickler für Astro-Optik, Dr. August Sonnefeld, und Dr. Robert Tiedecken, der Fachmann auf dem Gebiet der Berechnung von Photoobjektiven, sowie der Betriebsleiter des Optikbetriebes, Oskar Ballmeier.

76 Zeissianer wurden in Leningrad vorzugsweise in den Betrieben der Leningrader Opto-Mechanischen Vereinigung (LOMO) eingesetzt!{71} Unter ihnen befanden sich vor allem Konstrukteure und Mechaniker aus der Entwicklung und Fertigung astronomischer Geräte, aber auch aus den Bereichen Feinmeßgeräte, Analysenmeßgeräte, Mikroskope und Ferm'ohrbau sowie Konstrukteure aus dem Bereich Kino, Projektion und Planetarien. Zur Leningrader Gruppe gehörten auch Professor Dr. Friedrich Hauser aus dem Mikrolabor und Dr. Konrad Kühne aus dem Quarzlabor. In Podolsk hatte das Ministerium für Bewaffnung zwei Kon-

strukteure aus dem Bereich „Feinmess, Geo, Ferngläser und medizinische Instrumente" eingesetzt. Sokolniki wurde die vorübergehende Arbeitsstätte für drei Konstrukteure aus dem Bereich Elektrik und zwei Mechaniker aus der Versuchsmusterfertigung. Die Gruppe im Werk Nr. 569 in Sagorsk umfaßte 13 Fachkräfte aus der Konstruktion und Produktion von ophthalmologischen und medizinischen Geräten sowie von Feldstechern. Im Werk Nr. 589 in Moskau waren 19 Zeissianer tätig. Sie kamen zum überwiegenden Teil aus dem Konstruktionsbüro

{69} Die folgenden Angaben wurden nach den in BACZ Nr. 6730 und 23736 enthaltenen Listen zusammengestellt.

{70} Durch den T-Belag kommt es zu Reflexionsminderung der Oberflächen von optischen Bauelementen durch die Interferenz des Lichtes an dünnen Schichten. Mit der Entspiegelung erreicht man eine höhere Transparenz der optischen Systeme und eine Verminderung von Streulicht. Der T-Belag wurde zu dieser Zeit vornehmlich auf die optischen Systeme von Fernrohren aufgebracht.

{71} LOMO war ein Zusammenschluß mehrerer Betriebe mit annähernd gleichem Produktionsprofil wie das Zeiss-Werk. Im Rahmen des RGW arbeitete der VEB Carl Zeiss Jena mit LOMO zusammen.

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 45]

"Elektrik", in dem während des Zweiten Weltkrieges auch Zieleinrichtungen konstruiert worden waren. Zu dieser Gruppe gehörten die beiden Wissenschaftler Dr. Wilhelm Kämmerer und Dr. Herbert Kortum. In diesem Werk wurden Bombenzielgeräte entwickelt und gefertigt.{72}

Das Werk Nr. 784 in Kiew war auf den Bau von Werkzeugmaschinen und geodätischen Geräten spezialisiert. Das war wohl auch der Grund, weshalb elf Konstrukteure aus dem Konstruktionsbüro für Werkzeuge, Maschinen, Justier- und Prüfmittel, fünf Mitarbeiter aus dem Maschinenbau, dazu Werkmeister und Arbeiter der Stanzerei, Druckgießerei, Teilerei und Konstrukteure und Produktionsarbeiter des Vermessungsgerätebaus hier ihren neuen Arbeitsplatz fanden. Zur Kiewer Gruppe gehörte auch Dr. Herbert Schorch, der stellvertretende Betriebsleiter des Gerätebetriebes, in dem die Vermessungsgeräte produziert wurden. In diesem Werk arbeiteten insgesamt 45 Zeissianer.{73}

Die Zeiss-Belegschaft erfuhr erst nach und nach durch die Briefe ihrer deportierten Kollegen, wo sie in der UdSSR zum Einsatz gekommen waren. Friedrich Schomerus, der für die Personalangelegenheiten zuständige Geschäftsleiter, suchte den Kontakt zu den einzelnen Gruppen.{74} Auf diese Weise gewann die Geschäftsleitung ein Bild von den verschiedenen Aufenthaltsorten ihrer Mitarbeiter und über deren Lage. In den Jahren 1946 bis 1949 berichtete Friedrich Schomerus über den Wiederaufbau des Zeiss-Werkes, und Mitglieder aus den einzelnen Gruppen schilderten ihre Eindrücke. Dieser Informationsaustausch wurde natürlich vom sowjetischen Sicherheitsdienst überwacht und ausgwertet. Matthias Uhl fand in den vom ihm ausgewerteten Archivalien auch einen Vorgang, in dem der Chef des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes, Abakumow, am 18. August 1947 an Berija über Äußerungen eines Optikfachmannes informierte, der im Leningrader Werk Nr. 349 arbeitete und sich darüber beklagte, daß die Ausrüstungen, die nach Leningrad gebracht worden waren, „vergammeln"." Die Briefpartner wußten bald, daß ihre Post der sowjetischen Zensur unterlag. Sie überlegten sich darum wohl sehr gut, was sie dem Papier anvertrauen konnten und was nicht, so daß die Informationen in den Briefen der Deportierten nur einen Teil der Wirklichkeit wiedergeben.

Die Situation war für die einzelnen Gruppen an den jeweiligen Arbeitsorten sehr unterschiedlich. In den Briefen aus den ersten Monaten spiegelten sich die außerordentlichen Schwierigkeiten wider, die in den sowjetischen Werken bestanden, um das Demontagegut aufzunehmen, zu nutzen und die Zeissianer einzusetzen. Georg Günzerodt teilte im November 1946 in seinem ersten Brief aus Leningrad mit, daß ihm und den anderen seiner Gruppe bisher noch keine

{72} Uhl: Das Ministerium für Bewaffnung, Anhang, S. 141-145.

{73} Einsatzorte und Berufe zusammengestellt nach den Listen BACZ Nr. 6730 und den Listen der Rückkehrer in BACZ Nr. 23736.

{74} BACZ Nr. 8244 (Briefwechsel zwischen Dr. Friedrich Schomerus und den in die Sowjetunion deportierten Zeissianern, 1946-1949). Nach dem Ausscheiden von Friedrich Schomerus aus dem Zeisswerk im Februar 1949 ist kein weiterer Briefwechsel überliefert.

{75} Uhl, Das Ministerium für Bewaffnung der UdSSR, S. 133.

[Seite 46]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Arbeitsaufgaben zugewiesen wurden.{76} Karl Gundlach berichtete aus Krasnogorsk, daß man sie erst Anfang Dezember 1946 auf ihren Fachgebieten eingesetzt habe.{77} Oskar Bihlmeier schreibt im März 1947 an Dr. Ernst Wandersleb: "Was ich in Rußland soll, weiß ich noch nicht, manchmal scheint es mir, als ob ich auf Eis gelegt werden sollte"{78} Um die Wartezeit zu nutzen, begann er, sich mit russischer Fachliteratur zu befassen. Da er kaum das Russische lesen konnte, orientierte er sich in einigen Büchern anhand der Abbildungen. Er erbat Informationen von Ernst Wandersleb, um sich dann in den Büchereien Moskaus nach deutscher und englischer Fachliteratur umzusehen. Fritz Winter, Werkmeister der Abteilung asphärische Optik, schildert in seinem Erinnerungsbericht aus dem Jahre 1955 als einziger zur damaligen Zeit, wie sich sein Einsatz im Werk in Krasnogorsk vollzog:

"Im Okt. 1946 kam ich dann als Spezialist mit der 100 % ausgeräumten Abteilung nach Rußland, ich war damals 60 1/2 Jahre alt. Dort machte ich nun den 4. Aufbau meiner asphärischen Abteilung, ich war allein ohne jede deutsche Hilfe. Aber das muß ich sagen, von russischer Seite habe ich jede Hilfe bekommen, und habe dort den Aufbau auch zur Fabrikation gebracht. Es war sehr schwer für mich, geeignete Mädchen anzulernen (Männer versagten vollständig). Von genau 38 Mädchen, die nacheinander kamen, schälten sich dann 5 Mädchen als gut heraus, und das waren Mädchen von technischen Schulen, von diesen 5 sprach gerade eine

leidlich deutsch. Einen Meister anzulernen, ist mir erst das letzte Jahr gelungen.

Meine Chefin war eine Technologin und war tätig im russischen OBB. Dieselbe hatte die asphärische Produktion und was so drum und dran hängt, sehr schnell begriffen, sprach auch sehr gut deutsch, und hat mir dadurch die Arbeit erleichtert. Es wurden viele Versuche mit russischen Rechnungen gemacht, als daVertrauen zu den Maschinen erst einmal da war, kamen Rechnungen über Rechnungen über asphärische Flächen, die auch alle gut ausgefallen sind. Rückschläge sind eigentlich nur entstanden durch Fehlrechnungen.

Wir lieferten im Durchschnitt 1.200-1.500 Linsen im Monat, es liefen ja nicht immer 4 Maschinen. In der letzten Zeit unseres Aufenthaltes in Rußland bekam ich einen Auftrag über 12 genaue Kondensoren,{79} ich sagte zum großen Chef, das sieht aber aus wie Objektive. Das wurde mir aber bestritten, denn ich war abgeneigt, Objektive herzustellen. Von den 12 Stück waren 10 gut und entsprachen genau der Rechnung.

Nach einiger Zeit war große Aufregung, es wurde mir vorgelesen, daß die Linsen sehr gut wären, und am Schluß des Briefes wurden 6.000 Stück bestellt. Es handelte sich hier um Objektive für Kinoaufnahmegeräte. Also doch Objektive, was mir dann auch lachend bestätigt wurde. Das war kurz vor unserer Abreise von Rußland, die Abreise wurde von meinen russ. Vorgesetzten bedauert. Es wurde mir auch gesagt, daß [unterstrichen]ich, mein Kollege Bernd und Dipl.-Ing. Reindel [/unterstrichen]

{76} BACZ Nr. 8244 (Brief von Georg Günzerodt an Friedrich Schomerus vom 19. November 1946).

{77} BACZ Nr. 8244 (Brief von Karl Gundlach an Friedrich Schomerus vom 2. Februar 1947).

{78} BACZ Nr. 14944 (Brief von Otto Bihlmeier an Ernst Wandersieb vom 9. März 1947).

{79} Kondensoren sind optische Linsen.

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 47]

(gemeint sind vermutlich Walter Bernst und Rudolf Reindl d. V.) einen Vertrag über 2 Jahre mit sehr günstigen Bedingungen für uns erhalten sollten. Ich lehnte ab, ich war inzwischen 66 Jahre geworden, meine Frau war krank, wir wollten nach Hause, wo meine Frau auch nach 2 Monaten verstorben ist. Zu erwähnen wäre noch kurz, daß ich als [unterstrichen] einziger [/unterstrichen] Spezialist ... für meine guten Leistungen von der russischen Betriebsleitung sowie den russischen Kollegen ein sehr wertvolles Abschiedsgeschenk und später noch einen sehr netten Brief erhalten habe,"{80}

Auch Franz Peter aus Issjum berichtete, daß die russischen Mitarbeiter und die Bevölkerung sehr hilfreich und freundlich seien - „nur die Unkenntnis der Sprache wirkt erschwerend in jeder Beziehung".{81} Aber nicht jeder Zeissianer stieß auf eine freundliche Aufnahme. Herbert Kortum empfand, daß die Umgebung gegenüber den Deutschen recht unfreundlich eingestellt war - „nicht verwunderlich nach dem Krieg".{82} Auch Karl Gundlach stellt in einem Brief fest:

„Man hat nicht das Gefühl, daß unsere Arbeit und unsere Bemühungen, die wir uns redlich geben, auf einen für beide Teile fruchtbaren Boden fallen. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Die Sprachschwierigkeiten und Verschiedenheit in der Art der Arbeitsauffassung spielen dabei wohl eine gewisse Rolle".{83}

Die Wissenschaftler und Konstrukteure aus Jena wurden in Arbeitsgruppen eingesetzt und blieben zumeist unter sich. Ein sowjetischer Verbindungsmann hielt den Kontakt zur Betriebsleitung. Dagegen waren die in der Fertigung tätigen Zeissianer in die Abteilungen oder sogar in Brigaden des sowjetischen Betriebes

[Bild 5]

[Text des Bildes]

AN HERRN Anschütz, G., Lehrling

Es wird Ihnen mitgetellt,dass laut Anordnung der Sowjetregierung

Ihnen tür Ihre Leistungen ein Monatsgehalt in Summe von 300 Rbl.

festgesetzt ist.

Es wird Ihnen gestattet allmonatlich Pakete im Gewicht bist 8 Klg

nach Deutschland zu schicken ,und aus Deutschland zu erhalten, 50% Ihres

Monatsgehaltes in deutscher Mark nach Deutschland zu übersenden.

S[A]usserdem wird es Ihnen erlaubt einmalig deutsche Marken in Sowiet-

geld in Summe von 3000 Rb. einzutauschen.

DIREKTION

31/111-46.

[Ende des Textes]

Abb. 5 Verdienstbescheinigung für den Lehrling Horst Anschütz, Werk „Progress" Leningrad

integriert, da sie zum großen Teil Anleitungs- und Anlernaufgaben erfüllten. Horst Anschütz, Jahrgang 1932, der mit seinen Eltern nach Leningrad kam, berichtet, daß er dort nach Beendigung der Schule eine Lehre begann. Er war im

{88} BACZ Nr. 18815 (Erinnerungsbericht von Fritz Winter vom 13. Juli 1955).

{81} BACZ Nr. 8244 (Brief von Franz Peter an Friedrich Schomerus vom 28. März 1948).

{82} BACZ Nr. 8244 (Brief von Herbert Kortum an Friedrich Schomerus vom 26. Januar 1948).

{83} BACZ Nr. 8244 (Brief von Karl Gundlach an Friedrich Schomerus vom 26. März 1948).

[Seite 48]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Werk „Progress" zuerst in einer Frauenbrigade tätig. Die Frauen hätten ihn betreut, „wie ihr eigenes Kind". Er mußte im Betrieb alles machen, lernte viel. Der Nachteil dieser „Lehre" war - er erhielt kein Zeugnis oder Abschlußzertifikat.

Über die Lebensbedingungen der Deportierten und ihren Familien

Die Informationen, die in Jena über die Lebensumstände der Deportierten und ihren Familien eintrafen, waren nach dem Aufenthaltsort und der Jahreszeit sehr unterschiedlich. Karl Gundlach war angenehm überrascht, in einem Erholungsheim, „ein früheres Jagdschlößchen eines russischen Grafen", unterzukommen und dort hübsche Zimmer, einen Speisesaal mit anschließenden Versammlungs- und Musikzimmer, Warmwasserheizung und fließendes Wasser sowie elektrische Beleuchtung vorzufinden.{84} Georg Günzerodt meldet bereits in seinem ersten Brief: „Leningrad hat angenehm enttäuscht. Es gibt keine größeren Zerstörungen, zumindest im Zentrum."{85} Auch Friedrich Hauser war von der Stadt Leningrad und ihrer Umgebung sehr angetan.{86} In Issjum wohnte die kleine Zeissianer-Gruppe in einem Trakt eines Häuserblocks mit Warmwasserheizung, Brausebad und Wasserklosett, zehn Minuten vom Werk entfernt.{87} Die große Gruppe in Krasnogorsk hatte man an verschiedenen Orten in der Umgebung der Stadt einquartiert. Georg Günzerodt beklagte für Leningrad, daß eine größere Zahl von Mitarbeitern und ihren Familien „in einer Siedlung in beträchtlicher Entfernung von hier untergebracht" war.{88} Tatsächlich war der größere Teil der

„Leningrader Zeissianer" im ersten Jahr in einem Schlößchen im Westteil der Stadt nahe dem Finnischen Meerbusen untergebracht, während weit davon entfernt am östlichen Stadtrand die Siedlung entstand, in der schon ein kleinerer Teil der Zeissianer Unterkunft gefunden hatte, und die noch weiter ausgebaut wurde. Nach Fertigstellung der Häuser zogen auch die „Schloßbewohner" dorthin um. Die Fabriken lagen im Süd-Osten der Stadt.{89}

In den Wintermonaten, besonders im Winter 1946/47, litten die Deportierten und ihre Familien unter dem kalten Kontinentalklima. Die Leningrader beklagten das windige und feuchte Seeklima.{90} Die Kamine in den Häusern, die vom

Flur aus beheizt wurden, boten nicht viel Wärme. Die deutschen Kriegsgefangenen, die die Häuser errichteten, halfen mit dem Bau von Öfen.

{84} BACZ Nr. 8244 (Brief von Karl Gundlach an Schomerus vom 2. Februar1947).

{85} BACZ Nr. 8244 (Brief von Georg Günzerodt an Friedrich Schomerus vom 19. November 1946).

{88} BACZ Nr. 18805 (Erinnerungsbericht von Prof. Friedrich Hauser über seine Arbeit im Zeiss-Werk).

{87} BACZ Nr. 8244 (Brief von Werkmeister Franz Peter aus Issjum an Friedrich Schomerus vom 28. März 1948).

{88} BACZ Nr. 8244 (Brief von Georg Günzerodt an Friedrich Schomerus vom 19. November 1946).

{89} Nach Aussagen von Otto Straube, Gisela und Horst Anschütz, die als Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern in Leningrad waren.

{90} BACZ Nr: 8244 (Brief von Georg Günzerodt an Friedrich Schomerus vom 27. März 1948).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 49]

Die Ernährungsumstellung bereitete den Jenaern erhebliche Probleme. Die Frau des Schlossers Walter Süss, der in Kiew eingesetzt war, vermißte vor allem Obst und Gemüse. Nur das arbeitende Familienmitglied bekam Kartoffelzuteilung - ein Pfund am Tage. „Könnt Ihr Euch vorstellen einen Haushalt ohne dies?", schrieb sie an eine befreundete Familie in Jena.{91}

Manchem bereitete die einseitige Ernährung gesundheitliche Probleme. Einige Briefschreiber zeigten sich aber mit der Lebensmittelversorgung zufrieden, sie sei gut und ausreichend, jedenfalls besser als in der Heimat. Dabei waren die

Alleinstehenden im Vorteil, besonders gegenüber großen Familien und gering bezahlten Arbeitern{92}, die „sich mit ihren zum Teil zahlreichen Familienmitgliedern nur notdürftig durchschlagen und zum Teil direkt in Not geraten sind.{93} Durch „Eßgemeinschaften" konnte mancher Mangel gelindert werden: Die Frauen kochten für Alleinstehende mit, und diese gaben von ihrer Zuteilung, was wiederum der Familie zugute kam.

[Bild 6]

Abb. 6 Sportfest der Zeissianer in Leningrad. Wohnhäuser der Zeiss-Spezialisten im Hintergrund. 1. August 1948

Ein Problem war auch der Schulunterricht für die Kinder. In Leningrad war erst ab Frühjahr 1948 regulärer Schulunterricht bis zur 8. Klasse möglich. Gisela

{91} BACZ Nr. 14944 (Brief der Frau Süss vom 8. April 1947 an eine bekannte Familie in Jena).

{92} Nach Aussage von Gisela und Horst Anschütz hatten die Zeissianer wohl ein Mitspracherecht um die Höhe des Verdienstes. Es wurden die Arbeitsjahre im. Zeisswerk berücksichtigt.

{93} Siehe BACZ Nr. 8244 (Brief von Karl Gundlach an Friedrich Schomerus vom 2. Februar 1947).

[Seite 50]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Anschütz berichtete, daß vorher einige Eltern den Unterricht übernahmen und in der Unterstufe Lesen, Schreiben, Rechnen und Heimatkunde lehrten. Ähnliches wird auch aus den anderen Orten berichtet.

Die Freizeit verbrachten die Zeissianer meist miteinander. Sie gestalteten gemeinsame Weihnachts- und Osterfeiern und Konzerte. Im April 1948 berichtete Robert Tiedecken aus Krasnogorsk, daß sie im Februar eine Faschingsveranstaltung, im März einen Tanzabend oder einen Kulturabend mit klassischer Musik und Dichtung organisiert, zu Ostern eine Lesung des ersten Teiles von Goethes „Faust" veranstaltet hatten.{94} Die „Moskauer", „Krasnogorsker" und „Leningrader" konnten, wenn auch nur in bescheidenem Umfang, Theateraufführungen und Konzerte in Moskau und Leningrad besuchen. Die in Leningrad lebenden Zeiss-Mitarbeiter unternahmen in den Sommermonaten Ausflüge in die städtische Umgebung.{95} Mit anderen in Leningrad lebenden deutschen Fachkräften wurden Sportwettkämpfe ausgetragen. Im ersten Jahr konnten sich die Zeissianer in Leningrad frei bewegen. Später mußten sie sich abmelden, wenn sie die Wohnsiedlung auf mehr als 1 km Entfernung verlassen wollten und bekamen eine einheimische Begleiterin.{96}

Unter den Deportierten befanden sich auch ältere Mitarbeiter, denen es besonders schwer fiel, sich in die neuen Verhältnisse einzugewöhnen. Deshalb fragte Karl Gundlach, der inzwischen das 69. Lebensjahr erreicht hatte, immer wieder bei Friedrich Schomerus an, ob es der Geschäftsleitung nicht möglich sei, bei den zuständigen Stellen eine Verkürzung der Aufenthaltsdauer der Ältesten zu erwirken. Mit Bedauern mußte Friedrich Schomerus mitteilen, daß der Geschäftsleitung eine solche Einflußmöglichkeit fehlt.{97}

Die Ungewißheit über ihr weiteres Schicksal war für viele Zeissianer eine starke seelische Belastung, die sie nur allmählich überwanden, denn sie hatten nicht nur Unklarheit über die Dauer ihres Aufenthaltes in diesem fernen Land und über das Wohlergehen ihrer Angehörigen in Jena, sie sorgten sich auch um das Schicksal des Jenaer Werkes. Friedrich Schomerus konnte Ende 1947 und 1948 mit Freude vom begonnenen Wiederaufbau berichten.{98} Eine große Rolle spielte für die Zeissianer, die es in die UdSSR verschlagen hatte, auch die Sorge, welchen Arbeitsplatz sie nach Rückkehr - wann immer das auch sein würde - erhalten werden. Deshalb schreibt ihnen Friedrich Schomerus zum Jahreswechsel 1948/1949:

„Zunächst möchten wir auch Ihnen ... sagen, daß Sie alle bei Ihrer Rückkehr wieder bei uns Aufnahme finden werden. Wir werden uns sehr freuen, wenn Sie

{94} BACZ Nr. 8244 (Brief von Robert Tiedecken an Friedrich Schomerus vom 6. April 1948).

{95} BACZ Nr. 18805 (Erinnerungsbericht von Prof. Friedrich Hauser über seine Arbeit im Zeiss-Werk).

{98} Nach Erzählung von Gisela Anschütz.

{97} BACZ Nr. 8244 (Brief von Friedrich Schomerus an Karl Gundlach vom 17. April 1947).

{98} BACZ Nr. 8244 (ähnlich lautende Schreiben von Friedrich. Schomerus vom 11. Dezember 1947 an Georg Günzerodt, Leningrad; Wilhelm Hess, Kiew; Karl Gundlach, Krasnogorsk; Franz Peter, Issjum; Herbert Kortum, Moskau sowie Briefe vom Dezember 1948 an Franz Peter, Herbert Kortum, Wilhelm Hess, Georg Günzerodt).

Die Sowjetische Verwaltung des Zeiss-Werkes[Seite 51]

alle recht bald zu uns zurückkehren, und erwarten durch Ihre dort gewonnenen Erfahrungen auf technischem wie auf gesellschaftlichem Gebiet auch für uns reichen Gewinn!"{99}

Anfang 1951 entschied man im Ministerium für Bewaffnung, daß die Zeissianer in absehbarer Zeit in die Heimat zurückkehren dürfen. 13 Zeiss-Werksangehörige verstarben während ihres außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes in der UdSSR.

Zu den Resultaten der Demontage und des Arbeitseinsatzes der Deportierten

Betrachtet man die Resultate der Demontage und des Arbeitseinsatzes von Zeissianern in der UdSSR aus der Sicht des Ministers für Bewaffnung, dann haben sich letztlich die Erwartungen, die Ustinow 1945 hegte, nur zum Teil erfüllt. Es war nicht gelungen, mit Hilfe der überführten Ausrüstungen und der deportierten Fachkräfte ein neues Zentrum der feinmechanisch-optischen Industrie zu bilden, dessen Erzeugnisse der Sowjetunion auf dem internationalen Markt eine herausragende Position verschafften. Die durch die Demontage gewonnenen materiell-technischen Kapazitäten mußten dezentralisiert werden, ihre Verwendung war auch nicht in jedem Falle effektiv. Vor allem aber kam durch die Art und Weise wie die Demontage erfolgte, das innovative Wesen des Zeiss-Werkes und seiner Belegschaft nicht zum Tragen. Die für das Zeiss-Werk charakteristische unmittelbare Verbindung von Wissenschaft und Produktion fand ebensowenig die gebührende Beachtung wie die Herausbildung und Pflege eines feinnervigen Unternehmensorganismus. Die Zersplitterung der Produktionsbereiche und der Kräfte ließ das „Jenaer Klima", die Grundvoraussetzung für die Leistungsfähigkeit des Zeiss-Werkes, nicht aufkommen. Lediglich in den großen

Gruppen, die in Leningrad und Krasnogorsk tätig waren, gab es weitgehende Erfolge beim Aufbau der Anlagen und der Vermittlung der im Zeiss-Werk charakteristischen Zusammenarbeit zwischen Forschung, Entwicklung und Produktion. Den einheimischen Arbeitskräften fehlte das über Jahre erworbene und von Generation zu Generation weitergegebene fachliche Wissen und handwerkliche Können der Meister, Spezial- und Facharbeiter. Es hatte sich gezeigt, daß die technische Vorbildung der russischen und ukrainischen Arbeiter nicht ausreichte, um in kurzer Zeit die Arbeiten, die bei der Fertigung feinmechanisch-optischer Erzeugnisse anfallen, in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu bewältigen.{100}

Dessen ungeachtet erhielt die feinmechanisch-optische Industrie der UdSSR moderne Produktionsanlagen und Technologien, die in den verschiedenen Produktionsstätten lange Zeit ihren Dienst taten. Jenaer Fachleuten, die in den fünfziger und sechziger Jahren diese Betriebe besuchten, wurden die noch funktionstüchtigen Maschinen und Einrichtungen mit lobenden Bemerkungen

{99} BACZ Nr. 8244 (Brief von Fr. Schomerus an Georg Günzerodt in Leningrad vom 16. Dezember 1948). Ähnlich lautende Schreiben gingen an die Briefpartner aller Gruppen.

{100} Uhl: Das Ministerium für Bewaffnung, S. 134-140.

[Seite 52]1945-1948 Carl Zeiss Jena

vorgeführt. Die in die UdSSR verbrachten Zeissianer haben in verschiedenen Funktionen zur Modernisierung des Produktionsapparates und der Arbeitsorganisation sowie zur Heranbildung von Fachkräften in den einschlägigen Betrieben

beigetragen. Das Fachwissen der Jenaer Wissenschaftler und Ingenieure wurde vor allem bei der Lösung militärtechnischer Probleme in Anspruch genommen. Nach dem Weggang der Zeissianer unterblieb auf dem zivilen Sektor vielfach die Weiterentwicklung der optischen Präzisionsgeräte, so daß die alten Zeiss-Konstruktionen noch lange Zeit angeboten wurden.{101}

Ustinow blieb es auch versagt, das Vorhaben, das Jenaer Zeiss-Werk zu liquidieren, zu realisieren. Dem stand nicht nur das Interesse anderer sowjetischer Dienststellen an Reparationslieferungen und der Aufbauwille der Zeiss-Belegschaft entgegen, sondern auch und vor allem der Kurswechsel, den die Führung der KPdSU und die Sowjetregierung 1947 in der Deutschlandpolitik vollzogen. Der nun verfolgte Kurs zielte auf eine allmähliche Gesundung der Wirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone.

Der Demontageschaden für das Zeiss-Werk

Obgleich es nicht zur völligen Liquidierung der Stiftungsunternehmen kam, erlitten beide Unternehmen durch die Demontage und die Deportation von Fachleuten erhebliche Verluste, von denen sie sich erst im Laufe eines Jahrzehnts erholen konnten. Das trug wesentlich dazu bei, daß das Zeiss-Werk die ohnehin durch den Zweiten Weltkrieg geschwächte Führungsposition im optischen Präzisionsgerätebau weitgehend verlor und nur auf ausgewählten Gebieten halten oder zurückgewinnen konnte.

Mitte März 1947 wurde die Demontage beendet. Zwischen dem 12. und 14. März 1947 händigten der Mitarbeiter des Ministeriums für Bewaffnung der UdSSR und ein Offizier der Trophäenbrigade Hugo Schrade die Übergabedokumente für die Jenaer Werksteile aus, in denen der Zustand dieser Werksteile beschrieben wurde. Im Dokument über das Hauptwerk ist zur Übergabe vermerkt:

"1.) Die Fertigungsfläche des Hauptwerkes CZ mit einer Fläche von 127.000 qm (einschließlich Garagen), wobei auf 22.500 qm sanitäre und Elektroeinrichtungen nicht demontiert sind, die den 6% zugehören, welche dem Werk entsprechend dem Befehl des Hauptkommandierenden, des Marschalls der Sowjet-Union Sokolowski, verblieben sind."{102}

Anfang Dezember 1946 hatte die Geschäftsleitung erstmals die Verluste zusammengestellt, die dem Zeiss-Unternehmen in Jena durch die Demontage entstanden waren. Eine endgültige Schadensermittlung war noch nicht möglich, weil sich die zu Beginn der Demontage angelegten Inventarlisten in der Hand der sowjetischen Werkskommission befanden. Der Bitte der Geschäftsleitung an die [...Seite 53 fehlt]

{101} Aus den Erfahrungen Otto Straubes im Laufe der späteren Zusammenarbeit.

{102} BACZ Nr. 1784 (übergabeprotokoll Hauptwerk vom 13. März 1947).

[Seite 53 fehlt]

[Seite 54]

DRITTES KAPITEL

Der Wiederaufbau des Zeiss-Werkes in Jena und die Herausbildung der ZEISS-OPTON GmbH in Oberkochen

Der beginnende Wiederaufbau in Jena

Nachdem bekannt war, daß nach Abschluß der Demontage die Fertigung in einem begrenzten Umfang wieder aufgenommen werden kann, hatte Victor Sandmann am 26. November 1946 Unterlagen zur künftigen Produktions-, Finanz- und Vertriebsplanung vorgelegt, die, vom 1. Januar 1947 ausgehend, die einzelnen Schritte für den Wiederaufbau des Zeiss-Werkes bis 1948 vorzeichneten. Der Geschäftsleiter nannte als vordringliche Aufgaben für 1947 die Berei-nigung des Anlagensektors, die Vorratswirtschaft und die Vorfabrikation und fügte hinzu: „Grundsätzlich soll die Fertigung auf breiter Basis in allen Zivilabteilungen erstrebt werden"{1} Von den Vertriebsabteilungen forderte er, für jeden Fertigungsbereich die Endziele vorzugeben. Die Bereiche sollten ihre Tätigkeit aufnehmen, sobald dafür die technischen Möglichkeiten bestehen. Der sich verzögernde Abschluß der Demontagen veranlaßte Victor Sandmann, seine Planungen den veränderten Gegebenheiten anzupassen.

Am 6. Februar 1947 rief Hugo Schrade die Betriebsleiter zusammen, um die ersten praktischen Schritte in die Wege zu leiten. Er wies die Wiederherstellung von Räumlichkeiten und das Zusammentragen der zurückgelassenen Maschinen und Einrichtungen an bestimmten Stellen der Gebäude an. „Nach Beendigung der Demontage werden sämtliche Räume gesäubert und verschlossen.Das Treppenhaus 14 ist als erstes wieder instand zu setzen (Türen, Fußböden, Abortanlagen)." Hugo Schrade verlangte, im Bau 29 die Stockwerke IV bis VI für die Wiederaufnahme der Fertigung vorzubereiten.{2}

[Bild 8]

Abb. 8 Geschäftsleiter Victor Sandmann

{1} BACZ Nr. 20837 (Material von Victor Sandmann über die Planung für 1947 vom 26. November 1946).

{2} BACZ Nr. 16146 (Niederschrift über die Betriebsleiterbesprechung vom 6. Februar 1947).

Der Wiederaufbau des Zeiss-Werkes in Jena[Seite 55]

Bei der Planung der Wiederaufbauarbeiten hatten die Ansprüche der Besatzungsmacht zunächst Priorität Das betraf sowohl das Contax-Programm als auch den SMAD-Optikauftrag vom Dezember 1946. Die SMAD achtete streng darauf, daß ihre Befehle eingehalten wurden. So überprüfte der SMAD-Mitarbeiter Chewaldin vom 20. bis 22. August 1947 das Zeiss-Werk. Er besichtigte alle Laboratorien, Werkstätten und Lager und erkundigte sich über die Belegung der Räumlichkeiten sowie über die Auftragsplanung. Karl Müller unterrichtete den SMA-Abgesandten über verschiedene technische und Materialschwierigkeiten,die hinsichtlich des Photo-Optik-Programms bestanden. So war zum Beispiel die Herstellung der Contax-Apparate in Verzug geraten, weil die Werkzeugmacherei noch mit der Anfertigung von Werkzeugen für diesen Auftrag befaßt war.{3}

Dessen ungeachtet hatten die Geschäftsleiter schon einen größeren Zeitraum im Blick. Anknüpfend an die Dispositionen von Ende November 1946 gab Victor Sandmann am 14. Februar 1947 Richtlinien für die Gestaltung des Fertigungsprogramms vor. Er beauftragte die Vertriebsabteilungsleitungen, in Abstimmung mit den Fertigungsleitungen das traditionelle zivile Zeiss-Programm wieder anzubieten. Dazu waren künftig herzustellende Geräte unter Beachtung ihrer Qualität so rasch wie möglich auszuwählen. Erst danach sollte die weitere Programmplanung erfolgen. Victor Sandmann forderte, daß vorerst einige Standardtypen aufgelegt werden und äußerte die Ansicht, daß 1947/48 eine Programmerweiterung vermieden werden muß. Die Abteilungen sollten mindestens ein charakteristisches Zeiss-Instrument auf den Markt bringen. Experimente mit Neuentwicklungen seien zu unterlassen. Lediglich Geräte mit geringfügigen Verbesserungen könnten angeboten werden. Er hob hervor: „Carl Zeiss muß zunächst mit Waren gleicher Art und Güte auf dem Markt erscheinen."{4} Ende Dezember 1948 erinnerte der Planungsleiter Erich Schreiber in einer Betriebsleitersitzung daran, daß die Geschäftsleitung nach der Demontage den Plan gefaßt habe, den Gesamtaufbau des Werkes bis 1951 durchzuführen. Die Belegschaft sollte in diesem Zeitraum auf 9.000 Wissenschaftler, Techniker, Arbeiter und Kaufleute anwachsen. Zugleich war vorgesehen, daß sich 1951 die produktiven Stunden auf ca. 700.000 Stunden pro Monat belaufen.

Dr. Hans Harting, der von Hugo Schrade im Sommer 1945 gebeten wurde, die Geschäfte der Wissenschaftlichen Hauptleitung in seinem Auftrag wahrzunehmen, leitete den Wiederaufbau der Laboratorien und entwarf gemeinsam mit den Laborleitern das wissenschaftliche Rekonstruktionsprogramm.

Vorerst konnte das Wiederaufbauprogramm nur in Absprache mit der Industrieabteilung der SMAD und dem Chef der SMA in Thüringen schrittweise realisiert werden. Bis in das Jahr 1948 hinein mußte die Geschäftsleitung für jedes Geschäftsfeld, das sie wieder bearbeiten wollte, die Genehmigung der SMAD einholen. Als im Februar 1948 die Aufträge für Rekonstruktionsarbeiten an Astro-Großgeräten aus Brasilien und Kanada eingingen, benötigte die

{3} BACZ Nr. 4732 (Überprüfung des Zeiss-Werks durch Herrn Chewaldin von der SMAD, Berlin-Karlshorst vom 20. bis 22. August 1947).

[Seite 56]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Geschäftsleitung dafür die Zustimmung der SMAD. Ebenso verhielt es sich bei Exportgeschäften.5 Ende 1947 unterlag das Zeiss-Werk noch immer der Kontrolle durch die Industrie-Verwaltung der SMAD.{6}

Erst im Mai 1948 erhielt Hugo Schrade im Laufe eines Gesprächs mit dem Chef der SMA in Thüringen auf die Frage, ob es für den Aufbau des Zeiss-Werkes eine Grenze gibt, von Kolesnitschenko die Antwort, „daß dem Wiederaufbau nach oben keine Grenzen gesetzt sind". „Zur Grundfrage erklärte General IC, so vermerkt die Gesprächsniederschrift, „daß auch solche Geräte in die Planung aufgenommen werden sollen, welche die Reparationsverwaltung nicht interessiert, dagegen für Export oder sonstigen Bedarf in Deutschland nötig erscheinen".{7} Bei einer späteren Begegnung mit dem Generalmajor erfuhr Hugo Schrade, daß die Geschäftsleitung bei der SMA keinerlei Genehmigungen mehr einzuholen braucht, wenn sie die Produktionsfläche des Unternehmens erweitern will. Der Grund für diese neue Haltung der sowjetischen Besatzungsmacht lag in der veränderten Politik der sowjetischen Regierung in Deutschland.Im Laufe des Jahres 1947 befaßten sich die Geschäftsleiter mehrfach mit der Organisationsstruktur des Zeiss-Werkes, die auf die Erfordernisse des Wiederaufbaus ausgerichtet werden mußte. Dabei ging es vor allem auch darum, die personellen Lücken zu schließen, die durch die Deportation der Fachleute in die UdSSR und durch die Folgen der Demontage vor allem in der Leitungshierarchie entstanden waren. Gleichzeitig waren die Facharbeiter nach ihren Arbeitserfahrungen und -fertigkeiten in den sich neu konstituierenden Betriebsabteilungen einzusetzen.

Im Februar 1948 bestand im Zeiss-Werk folgende Organisationsstruktur: Der Geschäftsleitung mit den Stabsabteilungen unterstanden die Wissenschaftliche Hauptleitung, Entwicklungshauptleitung, Betriebshauptleitung, Kaufmännische Hauptleitung, Vertriebshauptleitung und Personalhauptleitung. Daneben bildeten die Berufsschule und die Lehrlingswerkstätten eine eigene Struktureinheit. Zur neu gebildeten Betriebshauptleitung gehörten sieben Betriebsleitungen und das Ausbildungswesen.{8}

Am 13. März 1947 gab Hugo Schrade in der Betriebsleiterbesprechung das Ende der Demontage bekannt und stellte dazu fest: „Der Weg für den Wiederaufbau ist nun frei und es soll mit allen Kräften diese Aufgabe in Angriff genommen werden.{9}

Die Mitarbeiter der Forschungs- und Entwicklungsbereiche brachten gemeinsam mit den Betriebshandwerkern ihre Arbeitsräume wieder in Ordnung. Sie

{4} BACZ Nr. 4907 (Schreiben von Victor Sandmann. Betr.: Wiederaufbau des Werkes. Fertigungsprogramm).

{5} BACZ Nr. 6501 (Schriftwechsel mit Fa. Carl Zeiss - SMAD)

{6} BACZ Nr. 6501 (Schriftverkehr Fa. Carl Zeiss - SMAD-Industrieverwaltung vom 29/30 Dezember 1947).

{7} BACZ Nr. 26785 (alt) (Niederschrift über einen Besuch von Hugo Schrade bei Kolesnitschenko am 10. Mai 1948).

{8} Hellmuth: Die Entwicklung des VEB Carl Zeiss, Anlage 4.13-14.

{9} BACZ Nr. 16146 (Niederschrift über die Betriebsleiterbesprechung am 13. März 1947).

Der Wiederaufbau des Zeiss-Werkes in Jena[Seite 57]

begannen sowohl mit der Rekonstruktion der Unterlagen für die Meß- und Prüfeinrichtungen, die für die Wiederaufnahme der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten unerläßlich waren, als auch mit den Arbeiten an den für den Verkauf vorgesehenen Erzeugnissen. Ebenso wurden Konstruktionsunterlagen für spezifische Maschinen und Einrichtungen geschaffen.

Auch wenn zunächst die Entwicklungsarbeiten im Vordergrund standen, die sich aus dem Sokolowski-Befehl ergaben, so bereiteten die Mitarbeiter der Forschungs- und Entwicklungshauptleitungen gleichzeitig das traditionelle Zeiss-Gerätesortiment für die Fertigung vor. Als ein Beispiel dafür kann das Mess-Labor genommen werden, das unter Leitung von Fritz Löwe stand und in dem

Horst Lucas, der 1947 nach Jena zurückgekehrt war, an maßgeblicher Stelle wirkte. Die Mitarbeiter dieses Laboratoriums begannen damit, das vollständige Programm an physikalisch-optischen Meßgeräten zu rekonstruieren.{10} Zugleich wurden der Abbe-Refraktometer, das Laborinterferometer und das Kreiselpolarimeter neu konstruiert Auf die Rekonstruktionsarbeiten in anderen Warengruppen wird im fünften Kapitel eingegangen.

Der zügige Wiederaufbau des Zeiss-Werkes wurde im Fertigungsbetrieb (FBL), den Rudolf Müller leitete, besonders deutlich. In diesem Betrieb arbeitete man 1947 vornehmlich noch am Contax-Programm, um die komplette Fabrikein-richtung für die Herstellung von Photo-Apparaten vom Typ Contax, einschließlich aller Werkzeuge, Vorrichtungen, Hilfsmittel, Zeichnungen und technischer Unterlagen, endgültig abzuschließen. Im Juni 1948 konnte die Fabrikeinrichtung in einem Gesamtwert von 7,4 Millionen RM abgerechnet werden.{11}

Sodann kam es darauf an, die materiell-technischen Voraussetzungen für die Fertigung der photo-optischen Systeme zu schaffen, die der Sokolowski-Befehl verlangte. Bis Juni 1947 konzentrierte man sich darauf, die Herstellung der Kleinbild-Objektive in

Gang zu setzen, im Sommer 1947 erfolgte dann die Produktionsaufnahme von Reproduktions-Objektiven, und ab

September 1947 begann die Fertigung der Kino-Projektions-Objektive. Am 25. November 1947 stellte die Abteilung das

zwanzigtausendste Objektiv fertig.{12}

[Bild 9]

Abb. 9 Kleinbildkamera Contax. Juni 1947

{10} Lothar Kramer: Fritz Löwe - Leben und Werk. In: Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte 1999, S. 53-54.

{11} BACZ Nr. 17140 (Wipo. Jahresbericht der Abteilung Vertrieb für optische Meßgeräte für das Geschäftsjahr; Jahresbericht der Abteilung Diverser Verkauf für das Geschäftsjahr 1947/48); Hellmuth: Die Entwicklung des VEB Carl Zeiss, S. 31.

{12} Schumann: Carl Zeiss. Einst und Jetzt, S. 636.

[Seite 58]1945-1948 Carl Zeiss Jena

Diese Fortschritte wurden möglich, weil bis Ende 1948 die Produktionsfläche von 3.000 auf 10.200 m2 erweitert werden konnte und der Ausrüstungspark von 120 auf 420 Maschinen anwuchs, wovon allerdings noch immer 45 Maschinen überholungsbedürftig waren. Die Belegschaft des FBL, die unmittelbar nach der Demontage nur noch 400 Arbeiter und Angestellte zählte, belief sich Ende 1948 bereits auf 1.288 Personen. Rudolf Müller sorgte vor allem dafür, daß in den Werkstätten - ungeachtet aller Schwierigkeiten - die technologischen Prozesse modern gestaltet wurden. Es gelang bis Ende 1948 nicht, die vorgesehenen

Umkleideräume und Waschanlagen einzurichten.{13}

Die Brillenfertigung, die im Frühjahr 1947 wieder begann, wurde zügig gesteigert, so daß der Brillen-Betrieb im vierten Quartal des gleichen Jahres 70.000 Brillengläser ausliefern und schon Duopal-, Star- und Katralgläser herstellen konnte.{14}

Von besonderer Bedeutung war der Aufbau einer eigenen Gießerei, in der am 22. Juni 1948 der erste Abstich des selbstkonstruierten Kupolofens erfolgte.{15}

Erhebliche Aufwendungen waren notwendig, um die durch Bombardements und Demontage verwüsteten Produktionsgebäude wieder herzurichten. Im Hauptwerk wurden 50.000 m2 für die Fertigung wieder instand gesetzt, so daß im Dezember 1947 auf einer Gesamtfläche von 70.000 m2 gearbeitet werden konnte. Dazu war es nötig, 6.500 m2 Wandfläche neu zu errichten, auf 30.000 m2 Malerarbeiten auszuführen, 3.000 m2 Fensterglas einzusetzen, 2.500 m2 Parkettboden neu zu verlegen bzw. zu reparieren und 1.800 m2 Pflaster und Asphalt aufzubringen.{16}

Am 8. März 1947 zählte die Belegschaft noch 6.392 Mitarbeiter, davon waren 33,5 Prozent Angestellte und 66,5 Lohnarbeiter.17 Da es aber für diesen Personenkreis nach dem Abschluß der Demontage noch nicht genügend Beschäftigung gab, mußten ca. 1.000 Arbeitskräfte beurlaubt werden, so daß die Belegschaftszahl im April 1947 auf 5.048 Arbeiter und Angestellte zurückging. Nachdem sich der Wiederaufbau zügiger als erwartet vollzog, rief man im Laufe des Jahres einen Teil der Beurlaubten ins Werk zurück. Ende 1947 beschäftigte das Zeiss-Werk wieder 6.233 Personen18 und im folgenden Jahr 9.000 Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker, Kaufleute und Arbeiter. Damit war die Vorgabe des ersten Aufbauplans realisiert.{19}

Der Wiederaufbau wurde aus verschiedenen Quellen finanziert. 1947 erreichte die Geschäftsleitung, daß die Rechnungen für Leistungen, die sowjetische Militäreinheiten und Auftraggeber vor der Demontage in Anspruch genommen hatten,

{13} BACZ Nr. 15410 (FBL-Bericht: 18 Monate Aufbau).

{14} Schumann: Carl Zeiss. Einst und Jetzt, S. 636-637.

{15} BACZ Nr. 18947 (Zeittafel der ZBL Oktober 1946 - Dezember 1948).

{16} BACZ Nr. 6478 (Rechenschaftsbericht von Hugo Schrade auf der Betriebsversammlung des Zeiss- und des Glaswerkes am 5. Dezember 1947).

{17} BACZ Nr. 26785 (alt) (Personalstatistik vom 10. August 1947.).

{18} BACZ Nr. 6478 (Rechenschaftsbericht von Hugo Schrade vor der Belegschaft des Zeiss- und des Schott-Werkes am 5. Dezember 1947).

{19} Schumann: Carl Zeiss. Einst und Jetzt, S. 676.

Der Wiederaufbau des Zeiss-Werkes in Jena[Seite 59]

zum Teil beglichen wurden. Des Weiteren konnte das Contax-Programm abgerechnet werden. Sichere Einnahmen waren die Erlöse aus Reparationslieferungen und Verkäufen an sowjetische Handelsorganisationen. Während die Aufwendungen für die Reparationen aus dem thüringischen Staatshaushalt beglichen werden mußten, zahlten die Handelsorganisationen in bar. Im Laufe des Jahres 1947 lieferte das Zeiss-Werk Erzeugnisse im Wert von 8,9 Millionen RM und von Januar bis Juni 1948 für weitere 1,3 Millionen RM an sowjetische Auftraggeber. Der Anteil der Lieferungen der Firma Carl Zeiss Jena an die UdSSR am Gesamtumsatz und Anteil der sowjetischen Handelsorganisationen an diesen Lieferungen ist der Tabelle 8 im Tabellenanhang zu entnehmen.

1947 beanspruchte die UdSSR 67,1 und in den ersten sechs Monaten des Jahres 1948 16 Prozent vom Gesamtumsatz des Zeiss-Werkes.{20} Mit der allmählichen Wiederaufnahme der Produktion stiegen auch die Einnahmen aus dem Verkauf von Fertigerzeugnissen an die einheimische Bevölkerung. Allerdings wurden die finanziellen Resultate des Zeiss-Werkes durch die Preispolitik der Alliierten beeinträchtigt, denn in dem hier betrachten Zeitraum galten die Stopp-Preise des Jahres 1944, die schon bei ihrer Einführung nicht kostendeckend waren. Da inzwischen die Preise für Rohstoffe, Material und Halbzeuge unter der Hand weiter angestiegen waren, sah sich die Geschäftsleitung schon 1946 veranlaßt, bei den deutschen und sowjetischen Preisbehörden Anträge auf Preiserhöhung zu stellen, auf die zunächst nicht reagiert worden war. Immerhin ging es um Preiserhöhungen, die zwischen 70 Prozent für medizinische Geräte und 125 Prozent für astronomische Geräte lagen. Im September 1947 gab es ein gewisses Zugeständnis dahingehend, daß für Erzeugnisse, für die Preiserhöhungsanträge liefen, die beantragten Preise berechnet werden durften. Für Reparationslieferungen mußten weiterhin Preise angesetzt werden, die 1944/45 galten.{21}

Den entscheidenden Anteil an der Finanzierung des Wiederaufbaus hatten aber die Kredite von der Thüringischen Landesbank. Wie noch zu schildern ist, beschloß der Thüringische Landtag Anfang 1947 ein Gesetz zum Wiederaufbau der Stiftungsunternehmen, auf dessen Grundlage das Land eine Kreditbürgschaft von 35 Millionen RM übernahm. Davon entfielen 71 Prozent auf die Firma Carl Zeiss.{22} Auch für 1948 stellte die Landesregierung einen Wiederaufbaukredit von monatlich bis zu zwei Millionen RM bereit.{23}

Zwischen Januar 1947 und Juni 1948 wuchs der Umsatz der Firma Carl Zeiss bei einigen Rückschlägen allmählich an. In diesem Zeitraum realisierte das Unternehmen insgesamt 22,3 Millionen RM.{24} Die Tabelle 9 im Tabellenanhang vermittelt

{20} Quelle: Errechnet nach BACZ Nr. 23200 (Umsätze im Zeiss-Werk und Monatserfolgsmeldungen).

{21} BACZ Nr. 15293 (Interne Mitteilung über die Bestimmungen der SMAD über Reparationslieferungen vom 29. April 1947; Preisgestaltung vom 1. September 1947).

{22} BACZ Nr. 23341 (Vermerk über ein Telefonat zwischen Friedrich VVönne und Kohlitz vom 25. Januar 1947).

{23} BACZ Nr. 7792 (Materialsammlung Archiv. Chronik); Hellmuth: Die Entwicklung des VEB Carl Zeiss, S. 30-31.

{24} Errechnet nach BACZ Nr. 23200 (Umsätze im Zeiss-Werk und Monatserfolgsmeldungen).

[Seite 60]1945-1948 Carl Zeiss Jena

einen Eindruck von der Umsatzentwicklung in diesem Zeitraum. Im Frühjahr 1947 stellte das Zeiss-Werk erste Erzeugnisse auf der Leipziger Messe aus. Im folgenden Jahr konnten die Zeissianer das neue Mikroskop LgO, eine Phasenkontrasteinlichtung und die Kugelspiegellampe auf der Leipziger Frühjahrsmesse zeigen.{25}

[Bild 10]

Abb. 10 Zeiss-Messestand in Leipzig. Frühjahr 1947

Im Sommer 1948 war die erste Wiederaufbauetappe des Zeiss-Werkes weitgehend abgeschlossen.

[Ende des Textes für dieses Thema]

Die Abwehr des ersten Verstaatlichungsversuches

Als das Ende der Demontage der Stiftungsunternehmen unmittelbar bevorstand und die Stiftungsunternehmen in absehbarer Zeit ihre traditionelle Friedensproduktion wieder aufbauen konnten, kam es zur ersten Auseinandersetzung über die Verfassung der Carl-Zeiss-Stiftung. Während die Geschäftsleiter und die

{25} BACZ Nr. 9102 (Mikro-Vertrieb. Jahresbericht 1947/48 der Abteilung Mikro und Med).

[50 Seiten nicht kopiert, da nicht zu diesem Thema gehörend]

[Seite 110]1949-1964 VEB Carl Zeiss JENA

Lücken besonders spürbar, die durch den Krieg und seine Folgen in der Stammbelegschaft entstanden waren. Von den ca. 16.000 Arbeitern und Angestellten, die Mitte des Jahrzehnts im Werk arbeiteten, gehörten lediglich 29,4 Prozent bereits während des Krieges zur Zeiss-Belegschaft. Nach Abschluß der Demontage nahmen 12.000 Arbeitskräfte ihre Tätigkeit im Zeiss-Werk auf und mußten von erfahrenen Zeissianern in fachlicher und mentaler Hinsicht mit dem Zeiss-Geist vertraut gemacht werden. Das war eine Grundvoraussetzung, um die Erzeugnisentwicklung im gebotenen Tempo und auf dem erforderlichen Niveau weiterzuführen, die Produkte in traditioneller Zeiss-Qualität und zu angemessenen Kosten herzustellen. Dabei wurden die erfahrenen Zeissianer durch die Kollegen unterstützt, die Anfang der fünfziger Jahre aus der UdSSR zurückkehrten.

[Fortsetzung zu diesem Thema]

Die Heimkehr der Zeissianer aus der UdSSR

Als Anfang 1951 die Werkleitung von Deportierten die Nachricht erhielt, daß deren Rückkehr bevorsteht, traf sie unverzüglich die nötigen Vorbereitungen für die Aufnahme der Kollegen. Es wurden Mitarbeiter mit der Betreuung der Heimkehrenden und deren Familien beauftragt{72} und finanzielle Mittel für die provisorische Unterbringung der Rückkehrenden sowie für den Ankauf von Möbel und Hausrat bereitgestellt. Im Geschäftsbericht per 30.9.1952 wurden unter der Rubrik „außergewöhnlicher Aufwand" 20.000 Mark Rückführungskosten ausgewiesen, die das Innenministerium der DDR nicht übernommen hatte. Außerdem waren 337.000 M Gehaltsaufwendungen für die ersten drei Monate außerplanmäßig angefallen.{73}

Die ersten 13 Heimkehrer trafen im August 1951 in Jena ein.{74} Unter ihnen waren die Doktoren Karl Gundlach und August Sonnefeld, zwei der Ältesten, die 1946 in die UdSSR verbracht worden waren.{75} Die überwiegende Mehrheit der Deportierten kam im Januar und Juni 1952 nach Jena zurück.{76} Sie wurden mit großer Herzlichkeit empfangen. Werkleitung und Betriebsgewerkschaftsleitung unternahmen alles, um ihnen das Gefühl zu geben, daß sie im Zeiss-Werk und in Jena willkommen sind.{77} Rudolf Müller, der Technische Hauptleiter, hält dazu in seinen Erinnerungen fest: "Wir Zeissianer bereiteten den Familien einen unbeschreiblich herzlichen Empfang. Die Zeiss-Kapelle

{72} BACZ Nr. 23736 (Materialien zur Frage der Rückkehr von Spezialisten aus der Sowjetunion nach Jena. Bericht der Betriebsparteiorganisation der SED an Dr. Hugo Schrade vom 16. März 1951).

{73} BACZ Nr. 15975 (Geschäftsbericht per 30. September 1952 des VEB Optik Carl Zeiss Jena).

{74} BACZ Nr. 20845 (Geschäftsbericht per 30. September 1951 des VEB Optik Carl Zeiss Jena); Nr. 9340 (Monatsbericht des Kulturdirektors vom 4. Oktober 1951 an das ZK der SED, Abteilung Agitation).

{75} BACZ Nr. 15863 (Schreiben des Kulturdirektors Schiek des VEB Carl Zeiss Jena an den Förderungsausschuß beim Stellvertreter des Ministerpräsidenten der DDR betr. Zuteilung von IN-Karten vom 17. August 51).

{76} BACZ Nr. 18934 (Zeittafel DAL 1952).

{77} BACZ Nr. 23736 (Materialien zur Frage der Rückkehr von Spezialisten aus der Sowjetunion nach Jena. Bericht der Betriebsparteiorganisation der SED an Dr. Hugo Schrade vom 16. März 1951).

Die Integration des Zeiss-Werkes in das staatssozialistische System[Seite 111]

[Bild 16)

Abb. 16 Dr. August Sonnefeld spricht auf dem Empfang für die ersten Rückkehrer aus der UdSSR. 7. August 1951

begrüßte ihre Kollegen mit Heimatliedern. ... Der Werkdirektor Dr. Hugo Schrade bereitete allen ein Wiedersehen mit der geliebten Heimat, die allen zu Herzen ging.{78}

Die Werkleitung bot jedem Rückkehrer eine Tätigkeit in seiner alten Abteilung an, sofern in den einzelnen Arbeitsgebieten inzwischen keine Strukturveränderungen eingetreten waren. Das ließ Hugo Schrade die Heimgekehrten in einer Zusammenkunft am 29. Juli 1952 wissen:

„Ich kann nicht sagen, nachdem Ihr 5 Jahre weg wart, der kommt dahin und der dahin. Das kann ich erst, wenn ich mit Euch gesprochen habe und weiß, was Ihr in der Sowjetunion geleistet habt. Deshalb habe ich angeordnet, daß erst einmal jeder auf seinen früheren Arbeitsplatz Anspruch erheben kann und gehaltlich so eingesetzt wird, wie er mutmaßlich die Entwicklung hier genommen hätte. Das sollte aber nur eine vorläufige Regelung sein. Im Verlauf eines Vierteljahres sollten die Dinge in Ordnung gebracht werden:"{79}

Die Zurückgekehrten erhielten nach einem Gespräch mit Hugo Schrade einen Arbeitsplatz, der ihrem beruflichen Werdegang entsprach. Mitarbeiter, die vor ihrem Abtransport als Meisterstellvertreter oder Techniker beschäftigt waren,

{78} NL XIII/13 Rudolf Müller - Erinnerungen.

{79} BACZ Nr. 23736 (Protokoll über die Aussprache von Vertretern der Werkleitung, BPO, BGL, und der Kreisleitung der SED am 29. Juni 1952).

[Seite 112]1949-1964 VEB Carl Zeiss JENA

erhielten Meisterstellen oder wurden als Vollkonstrukteure eingesetzt. Ältere Kollegen, die noch nicht in Rente gehen mochten, übernahmen Kontroll- oder Anleitungsaufgaben.

Um eine gute Aufnahme der Heimkehrer war man aber nicht nur im Zeiss-Werk bemüht Auch die SED-Parteileitungen und das Ministerium achteten auf eine reibungslose Wiedereingliederung, denn es sollte alles unterbleiben, was die Fachleute veranlassen könnte, nach Westdeutschland weiterzureisen. Bei manchem Zeissianer, der die harte Wiederaufbauzeit durchlebt hatte, stieß die politisch gewollte Bevorzugung der „SU-Spezialisten" auf Vorbehalte. Das traf besonders zu, wenn der eine oder andere Rückkehrer den Eindruck erweckte, er sei durch den Aufenthalt in der Sowjetunion dazu prädestiniert, im Werk eine Leitungsfunktion zu übernehmen. Dazu stellt Rudolf Müller rückblickend fest:

„Einige umgaben sich mit dem Nimbus eines in der SU qualifizierten Kommunisten, der schließlich Anerkennung der vielen Entsagungen - denen auch nicht in dem durch den faschistischen Krieg so unerträglich hart geprüften Lande er entgehen konnte - verlangen kann. Sie sahen ihre Chance darin, im Werk nun, ihre Politik' durchsetzen zu können. Sie hatten sich offensichtlich einiges vorgenommen und gaben sich, als wenn das ZK der SED ihnen einen solchen Auftrag gegeben haben könnte. Offensichtlich sorgten sie für einen schnellen Einsatz des Heimkehrers Dr. Paul Görlich als Hauptleiter für Forschung und Entwicklung. Braune wurde als Hauptleiter der Kaderabteilung und Röhrdanz als Direktor für Arbeit eingesetzt Eine gesteuerte Unruhe schlich sich durch die Reihen der leitenden Kader. ... Mich umgab ein geheimnisvolles Mißtrauen der ‚Neuen'. Kaum einer stellte sich aber den aktuellen Belangen des Betriebes!"{80}

Ein besonderes Problem bestand in der Bereitstellung von Wohnraum für diejenigen, die mit ihren Familien in der UdSSR gelebt hatten. Es mußten Unterkünfte für 169 Familien beschafft werden {81}, deren frühere Wohnungen inzwischen von Jenaer Einwohnern oder Umsiedlern, darunter "eine Reihe von Aktivisten und Angehörigen der schaffenden Intelligenz",{82} belegt waren. Die Beratungen zur Wohnungsfrage mit der Stadtverwaltung ergaben, daß 30 Wohneinheiten mit 2-3 Zimmern in der Baugenossenschaft und 50 Wohnungen vom städtischen Wohnungsamt bereitgestellt werden können. Um den Bedarf einigermaßen zu befriedigen, war der Neubau von 90 Wohnungen nötig. Im Programm der staatlichen Intelligenzpolitik, das den Bau von 300 Einfamilienhäusern in der gesamten DDR vorsah, erhielt Jena Investitionsmittel für zehn derartige Neubauten.{83} Die Bemühungen ergaben im August 1951, daß in der Camburger

{80} NL XIII/13 Rudolf Müller - Erinnerungen.

{81} BACZ Nr. 23736 (Schreiben der Werkleitung an den Oberbürgermeister der Stadt Jena vom 27. Februar 1951 die Unterbringung der zurückkehrenden Zeiss-Spezialisten betreffend).

{82} BACZ Nr. 23736 (Bericht der Betriebsparteiorganisation an Hugo Schrade vom 16. März 1951).

{83} BACZ Ni.. 23736 (Besprechungsniederschrift vom 13. März 1951).

Die Integration des Zeiss-Werkes in das staatssozialistische System[Seite 113]

[Bild 17] [Bild 18]

Abb. 17 Rudolf Müller (links) begrüßt den Konstruktionsleiter Hermann Schrumpf

Abb. 18 Wilhelm Lutz

[Bild 19] [Bild 20]

Abb. 19 Meister Paul Schnerr mit Tochter Heidi (Hintergrund)

Abb. 20 Sepp Bauer (links) mit Rückkehrer Dr. Harald Straubel (rechts)

Abb. 17-20 Begrüßung von Heimkehrern aus der UdSSR. 9. Juni 1952

[Seite 114]1949-1964 VEB Carl Zeiss JENA

Straße 40 Wohnungen gebaut wurden. Für weitere 60 Rückkehrer mußten andere Möglichkeiten gefunden werden.{84}

Aufgrund eines Antrages von Hugo Schrade an den Stellvertretenden Ministerpräsidenten Heinrich Rau erhielt die Stadtverwaltung die Zusage, daß 1952 in Jena weitere ca. 100 Wohnungen für die Intelligenz zusätzlich gebaut werden können.{85} Anfang Februar 1952, einen halben Monat nach Eintreffen der größten Heimkehrergruppe, berichtet der Kulturdirektor an das ZK der SED:

„Die Wohnungsbeschaffung hat anfänglich große Schwierigkeiten gemacht, ist aber im großen und ganzen zur Zufriedenheit der Spezialisten erledigt worden. Grundsätzlich sind die Heimkehrer in ihren früheren Wohnungen untergebracht worden. Soweit die Wohnungen nicht bis zum Eintreffen freigemacht werden konnten, wurden die heimkehrenden Kollegen mit ihren Familien im Hotel

vorübergehend untergebracht. (Jetzt sind alle Kollegen untergebracht. Beanstandungen liegen nicht vor.) ... Wir haben die Heimkehrer in allen Fragen ihrer neuen Seßhaftmachung weitgehend unterstützt, Wohnungen instand gesetzt, fehlenden Hausrat, Gasherde, Öfen, Küchenherde beschafft, sie beim Geldwechsel usw. usw. unterstützt. Schwierigkeiten hat es nirgendwo gegeben."{86}

Zeitweilige Unstimmigkeiten vor allem beim Geldwechsel, die zu Mißmut und Unruhe unter den Heimkehrern führten, wurden geklärt und in Ordnung gebracht.{87}

26 Wissenschaftler und Ingenieure, die in Krasnogorsk, Leningrad, Moskau und Kiew an militärischen Aufgaben gearbeitet oder größere Einblicke gewonnen hatten, waren 1952 noch in den sowjetischen Betrieben verblieben und wurden Mitte des Jahres 1953 für ein halbes Jahr auf die Insel Gorodomlia im Seligersee{88}, zwischen Leningrad und Moskau gelegen, umgesiedelt, bevor

sie im November 1953{89} die UdSSR verlassen konnten. Zu ihnen gehörten die

{84} BACZ Nr. 9329 (Protokoll über die Besprechung beim Oberbürgermeister Herdegen am 9. August 1951).

{85} BACZ Nr. 15802 (Schreiben Heinrich Rau an den Oberbürgermeister der Stadt Jena vom 8. Februar 1952).

{86} BACZ Nr. 9340 (Monatsbericht des Kulturdirektors an das ZK der SED vom 5. Februar 1952)

{87} Anfang des Jahres 1951 hatte man festgelegt, daß die Heimkehrer ihren Rubelverdienst zum Kurs ein Rubel zu 0,63 bzw. 0,68 Mark umtauschen können. Siehe BACZ Nr. 23736 (Niederschrift einer Besprechung in Berlin am 13. März 1951). Geldüberweisungen der deutschen Spezialisten aus der Sowjetunion während der Zeit ihres Aufenthaltes an ihre Angehörigen in der DDR waren aber zu einem Kurs von 1 Rubel in 2 DM erfolgt Deshalb wurde der Geld umtausch noch einmal neu geregelt: Die Hälfte des zuletzt bezogenen Gehaltes sollte im Verhältnis 1:2, der Rest im Verhältnis 1:0,63 Rubel in Deutsche Mark umgetauscht werden. Dennoch kam es anfangs zur Überweisung von Beträgen, die nicht den Erwartungen de Spezialisten entsprachen. Erst nach erfolgten Einsprüchen seitens des Betriebes wurden die Geldüberweisungen nachträglich aufgebessert. Siehe BACZ Nr. 9340 (Monatsbericht des Kulturdirektors an das ZK der SED vom 1. April 52)

{88} Auf dieser Insel hatten seit 1946 deutsche Raketenspezialisten gelebt und gearbeitet 1953 waren nur noch wenige da, die ebenfalls „vergessen" sollten.

{89} BACZ Nr. 19600 (SU-Heimkehrer - Namensaufstellung betreffs Einzelverträge und Alters versorgung vom 12. Mai 54 von EHB/Her) und nach Aussage des Sohnes von Fritz Straube Otto Straube, der als Kind (Jahrgang 1939) mit seinen Eltern in Leningrad und auf der Insel Gorodomlia weilte.

Die Integration des Zeiss-Werkes in das staatssozialistische System[Seite 115]

ehemaligen Betriebsleiter Oskar Bihlmeier, Georg Kresse, Dr. Konrad Kühne aus dem Quarzlabor, der Astro-Werkmeister Walter Pfaff, die Doktoren Herbert Kortum und Wilhelm Kämmerer, die in einem Moskauer Rüstungsbetrieb gearbeitet hatten, sowie der Ingenieur Fritz Straube, der von Herbert Kortum während der „Quarantäne" in die gedankliche Vorbereitung einer elektronischen Rechenmaschine, der späteren OPREMA, einbezogen wurde.{90}

[Bild 21]

Abb. 21 Heimkehr der Familie Fritz Straube aus der UdSSR. 26. November 1953

[Ende des Textes zu diesem Thema]

Das Wachstum und die strukturelle Veränderung der Belegschaft

Wie schon an anderer Stelle dargestellt, bestimmte das zuständige Ministerium durch die Vorgabe von Kennziffern Umfang und Grundstruktur der Zeiss-Belegschaft. Nachdem die Zeiss-Belegschaft in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre stark anwuchs, blieb bis zur Mitte der sechziger Jahre die Anzahl der Beschäftigten weitgehend konstant. Von 1950 bis 1954 stieg die Beschäftigtenzahl von 10.496 auf 16.554. 1954 hatten die Jenaer Betriebe einen unterschiedlich großen Anteil an den Beschäftigten des Werkes. Auf den Fertigungsbetrieb entfielen 36,5 und auf den Brillenbetrieb lediglich 3,7 Prozent.91 Die Tabelle 12 im Tabellenanhang gibt darüber nähere Auskunft.

1965 arbeiteten im Zeiss-Werk 17.161 Arbeiter und Angestellte.92 Die Tabelle 13 im Tabellenanhang vermittelt einen Eindruck von der quantitativen Entwicklung der Belegschaft des VEB Carl Zeiss JENA.

1965 arbeiteten 83 Prozent der Beschäftigten des VEB Carl Zeiss JENA in den Laboratorien, Konstruktionsbüros und Fertigungsstätten in Jena. 17 Prozent waren in den neun Fertigungsstätten tätig, deren Standorte sich in verschiedenen

Regionen der DDR befanden, davon 8,5 Prozent in Saalfeld, 3,9 Prozent in Eisfeld und 1,9 Prozent in Lommatzsch. Die restlichen Beschäftigten arbeiteten in kleineren Fertigungsstätten.

In dem betrachteten Zeitraum vollzog sich in der Belegschaft eine Reihe struktureller Veränderungen. Zwischen 1950 und 1960 ging der Anteil der Produktionsarbeiter von 68,4 auf 60,5 Prozent zurück. Demgegenüber nahm der Anteil des technischen Personals sowie des übrigen industriellen und nichtindustriellen Personals von 31,6 auf 39,5 Prozent zu. Bemerkenswert ist, daß sich die Proportionen zwischen den letztgenannten drei Beschäftigungsgruppen verschoben. 1955 hatte das technische Personal einen Anteil von 27, das sonstige industrielle

{90} Nach Aussage von Otto Straube.

{91} Zusammengestellt und errechnet nach BACZ Nr. 18934 (Chronik der Abteilung Arbeit).

{92} In Vollbeschäftigteneinheiten und ohne Lehrlinge. Statistisches Jahrbuch 1965 des VEB Carl Zeiss JENA, S. 15.

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ENGLISH AUTO-TRANSLATION:

Book OCRed and corrected by XYA.

Wolfgang Mühlfriedel

Edith Hellmuth

Carl Zeiss in Jena

1945-1990

2004

Böhlau Verlag COLOGNE WEIMARCARD VIENNA

[Page 3]

CHAPTER ONE

The Zeiss works under American control

The end of Nazi rule in Jena

On 11 April 1945, a Wednesday, gave the Sirens on the rooftops of the city of Jena those monotonous sound that indicated the officers and soldiers of the garrison Jena, the NSDAP officials and residents that approaches the battle front of the city. The National Socialist mayor handed the head of the municipal food and economic office into office and said: "I am so politically exposed that I have been ordered to drop me off with the Volkssturm as soon as enemy alarm is triggered. The time has come. "{1} to build the Wehrmacht officers in relation with their husbands the east bank of the Saale, the line of defense against the American troops. Pioneers prepared the demolition of municipal utilities and the Saale River bridges. Dr. Heinrich Küppenbender, the operator and Director of Carl Zeiss, everything went on further in his power standing to prevent Wehrmacht units thereof to set up pockets of resistance on the premises and to blow up the building. He had his good relations with the Minister of Armaments and War Production, Albert Speer used in the last few weeks, to prevent the command "Scorched Earth", the Adolf Hitler on 19 Adopted March 1945, {2}, is performed in Jena. At the same time Henry Küppenbender assured the support of the workforce. This is followed reminded the foreman in the Justiererei, Serious Hädrich, after the war:

"In the last week before the American invasion he sought (Heinrich Küppenbender author) me twice. I felt that he was internally greatly moved. He told me that the party (NSDAP author) wanted to defend Jena. Whether the following mitmache? I told him that all men and women of my department think this is a madness and would not go along. Dr. Küppenbender said it, that was not all. The guys wanted to hunt the Zeiss and Schott the plant, as well as the Saale bridges in the air. I was outraged by this news and said, this is not to believe. Dr. Küppenbender asked whether the following would stand behind him when he prevents the blowing up against the will of the Party and the Wehrmacht. When I said yes to him on the spot, he said he was determined to prevent this, even if it would cost him his head. Such madness do

{1} Quoted in: Do you remember twenty years ago. Issued on 20 Anniversary of the founding of the Free German Trade Union Confederation front FDGB District Executive Jena, Jena, 1965, p 8

{2} The III. Empire from 1939 to 1945. A daily chronicle of politics, economy, culture, Augsburg 1991, p 592

[Page 4] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

he does not know if he should be limited in this fight against the party, so I want to, he asked, to say to all fellow workers that he had stayed as a decent human being for the work on the track "{3}

The opponents of Hitler in the population, the hope mixed on the liberation from National Socialism with the concern that the anticipated hostilities could destroy the city further and cost victims among the civilian population in the last minute. The mood of the vast majority of the population was from the expectation that the war is finally over, the marked fear of imminent hostilities and uncertainty about the behavior of the Americans against the Germans. The foreign workers and prisoners of war eagerly awaited the arrival of the Americans and their return home.

On 13 April 1945 moved the soldiers of the 4th Panzer and the 80th Infantry Division, coming through the Mill Valley, in the city before. To complicate the Americans the crossing of the Saale, had Wehrmacht pioneers on 12 April 1945, the Saale bridges blown up Of these, the Americans could not stop it. They sat on the Saale and pushed the Wehrmacht units further east. In Jena fell apart within a few hours, the Nazi regime structures. Even before American troops had the downtown Jena fully occupied, an American advance team appeared in the Zeiss major work and sought contact with Heinrich Küppenbender. {4}

As the American military occupied the Zeiss factory, Jena, the company was in existence-threatening crisis. Its integration into the Nazi regime and in particular the continuing focus of the research, development and production on the defense issues as well as the weakening of the innovative potential through the withdrawal of personnel engaged in military service had led to the Zeiss factory in important areas of the optical precision instrument making had lost the advantage over international competitors. In addition, the substantial losses came in property arising out of the pre-war period in the countries against which the Third Reich had been at war or which had been occupied by German troops, and by the air attacks on the plants in Jena. {5}

The highlight of this crisis was undoubtedly the almost complete dismantling of the plant by the end of the USSR 1946/Anfang 1947.

The American military took over immediately after their engagement in Jena control of the Zeiss works. The managers had to be approved all substantial decisions of the officers of the Military Commission. The managers understood it, to make relations with the occupying officers objectively and sometimes trusting. The Leader Paul Henrichs reported on 14 June 1945 the banker Joseph

{3} BACZ No. 15139 (memories of working Meisterernst Hädrich).

{4} Hermann: Only the name remained. Pp. 10-12.

{5} Walter: Zeiss 1905-1945, pp. 163-262, especially pp. 239-262.

The Zeiss works under American control [Page 5]

[Picture 1]

Figure I major work in 1945, bomb damage to the building 13 and 15

Abs of an American officer "under the control we work and the other hand, has given us, especially in the first few weeks good protection." {6}

A characteristic of the end of Nazi rule was that council members who had seen until the spring of 1933, the interests of the employees towards the management at the Zeiss factory and had been removed by the Nazis from their functions, according to the occupation of the city ​​by U.S. forces came together again. The initiative came from Otto Marquardt, who had chaired the council from 1930 to 1933. The optician was on 15 April 1945 returned to his work in optics-Justiererei II and was in contact with his former council colleagues taken to jointly establish with them the democratic workforce representation again. With a few colleagues, he was looking at the 21 April 1945 the Head of the Planning Board, Dr. Hugo Schrade, in order to discuss with him this project. Hugo Schrade had played a key role in the early thirties, the main line and staff was just as Otto Marquardt persecuted by the Nazis. He was a trusted person with whom he could discuss the structure of the workforce representation for Otto Marquardt. Because it was not known whether the American

{6} BACZ Nr.22825 (old) (letter to Joseph Paul Henrichs Abs on June 14, 1945); Schumann: Carl Zeiss. Then and Now, p 595

[Page 6] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Military government would allow councils, Otto Marquardt chose the name for the workforce representation of workers and employees-Committee. Such a body was enshrined in the constitution of the Carl Zeiss Foundation. {7} This committee wanted Otto Marquardt secure the rights and obligations of a works council. With Hugo Schrade Otto Marquardt discussed substantive issues that had to be solved immediately. This concerned primarily the elimination of all provisions that were inserted under pressure from the Nazis in the foundation's statute, and contradicted the Abbe spirit, as well as the continuing validity of the statute. Then it was about the abolition of disciplinary actions, which had been spoken by the management due to the Nazi legislation against staff members.

Two days later, the initiators of the Workers 'and Employees' Committee met with Heinrich Küppenbender to discuss current and fundamental problems. {8}

After the election of committee members, department representatives and Commissioners between 27 April and the 6th May 1945 met on 7th May 1945 staff representative for the constituent meeting of the Workers 'and Employees' Committee and decided on the basis of the Foundation's constitution of 1933, the employment contract of 1928, the Pension Regulations of 1 January 1939 and the statutes of the company health insurance from 1 March 1930 to work. {9} The committee members were concentrated in the first few months of its work on cleaning up the Zeiss company of the legacies of the Nazi regime.

The first conversion program

A few days after the military occupation of the Zeiss plant designed Heinrich Küppenbender a conversion program that contained the measures for the immediate post-war months. This included the 19 April 1945 wrote production program and the far-reaching changes in the workforce. When planning the production of the directors of the expected demand went out in the first postwar period Zeiss products. He gave up the manufacture of ophthalmic lenses, photographic lenses and selected optical precision equipment in the center of the range to be produced. The let the numbers on the distribution of workers recognize the operating and manufacturing departments and the division of the intended production hours. Then from the future total workforce 25.5 and 28.5 percent in the laboratories, design offices, and in the administration and 74.5 percent or 71.5 should work in the operating departments

{7} Hellmuth / Mühlfriedel: The company Carl Zeiss Jena 1933-1939, pp. 250-258.

{8} Mühlfriedel / Hellmuth: The Diary of the Works, p 194

{9} Mühlfriedel / Hellmill II: The Diary of the Works, p 195

The Zeiss works under American control [Page 7]

be. {10} The Table 1 in Appendix Table A gives an insight into the Küppenbender plan.

Based on this plan began on 18 May 1945 Karl Müller in the Planning Board with the preparation of the production program for ophthalmic lenses. This program, on 13 June 1945 was present, should be processed until October 1945. It had next to number and type of glasses also from which numbers were finished per month. {11}

When Henry Küppenbender 19 April 1945 a major in the American Military Commission recited the measures were essential for the start of production, he learned that the American and British forces are set up different requirements on the Zeiss works, which were in connection with the fighting in East Asia. The American officers ordered 4,105 binoculars, riflescopes for 1,200 rifles, until the fall of 1945 and 5000 riflescopes, which were to deliver in the coming year. In addition, the Americans issued orders for rangefinder different construction methods. {12} A little further orders for military optical products were added later. During the month of May 1945, the Executive Board of the American Military Commission submitted the corresponding offers. Since 8 May 1945 reported the management of the U.S. House commanders regularly on the ongoing production {13} The American orders prompted Henry Küppenbender on June 14, 1945 to inform Joseph Abs:.. "We have immediately taken with the consent of the occupying power, the production again," {14} The but affected only a few workshops and was also the reason why a contemporary report states: "In the time of the American occupation practically rested production activity. Exception: Small completing work on unfinished devices that were taken after the completion of Americans to 30 June . "{15}

The workers and employees who einfänden gradually returned to their jobs, mainly led clearing work in the laboratories, design offices, workshops and on the premises of. {16} A larger part of the Zeiss-workers participated in repair work in the city.

In the early postwar weeks, the composition of the workforce changed. At the request of the American military government stepped down

{10} Compiled and calculated by BACZ No. 26785 (old) (annual reports of departments 1945).

{11} BACZ No. S 95 (Report of the Technical Director), No. 8000 (manufacturing programs in the American occupation time).

{12} BACZ No. 26785 (old) (annual reports of departments 1945).

{13} BACZ No. 4882 (Military Division U.S. General Volume I..), No. 6146 (Names list of American Military Commission).

{14} Mühlfriedel archive (letter from Henry Kiippenbender to Joseph Abs on June 14, 1945).

{15} (eyewitness report).

{16} BACZ No. 26785 (old) (annual reports of departments 1945).

[Page 8] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

20 April 1945, the foreign workers from the Zeiss factory. This was according to the level of 31 March 1945 29.8 percent of all employees. {17} Between April and June 1945 were 71.2 percent of German workers who had come to the factory during the war and were led into the workforce statistics as "War Set", the discharge papers. A small Some of them were transferred to the regular Zeiss workforce. By June 1945, the Zeiss works also separated by 75.4 percent of the workers who had been conscripted in the last years of the war. these two groups of employees or made in March 1945 18.8 . 3.5 percent of the total workforce. Zeiss-permanent staff consisted at that time of only 41.1 percent of the workforce. Moreover retired senior management in these weeks 337 workers and employees who were 60 years and older. Through these redundancies changed from March to June 1945, the workforce structure. The worker share of employees decreased from 74.2 to 55.4 percent, and the share of female workers decreased from 37.2 to 18.7 percent. {18}

In the last weeks of the war staff had returned from the various Zeiss companies outside Germany to Jena. The staff main line itself known to the staff members who had been liberated by Allied forces from Nazi concentration camps and prisons. After the unconditional surrender of the Wehrmacht, the first Zeissians came back from captivity. At the same time always plant employees had to be removed from the staff lists again, of which it became known that they had come shortly before the end of the war at the front or by air strikes killed.

The "Carl-Zeiss-works mission"

While Heinrich Küppenbender developed the first conversion program and had to prepare the resumption of production, 1945 American officers informed since the end of April in detail about the device production during the Second World War, the research and development facilities, the machinery, the electric power supply, the employees, the suppliers, the raw material and material requirements, the sales territories, capital investments, etc. She was especially interested the business relationships of the Zeiss Group to the Japanese. In particular, they investigated which optical military equipment had been delivered in the Empire.

{17} BACZ No. 27981 (Civil foreigners by nationality. March 31, 1945). Then the Zeiss factory employed a total of 3,899 civilian foreigners from 22 nations. These included 26.7 percent Russians, 23.5 percent of Belgians, Italians 8.8 percent, 7.8 percent and 4.7 percent of Dutch Czechoslovaks. Of the civil foreigners were 28 percent female.

{18} Zusanimengestellt and computed in accordance BACZ No. 11141 (Personalübersicht. March 1945).

The Zeiss works under American control [Page 9]

As late May 1945, more and more clearly apparent that the U.S. administration will respect the agreement reached at Yalta between the three Allied leaders agreement on the division of Germany and the associated lines of demarcation between the zones of occupation changed for the foundation company of the political situation. Now the withdrawal of U.S. troops from Jena and the occupation of the city by the Red Army was not ruled out. There was a real danger that the headquarters of the Zeiss Group with its research and development potential, the principal manufacturing facilities and the Jena glass Schott & Gen.., In which the special optical glasses were produced for the entire Group of companies Western in the occupation zones is separated, where the Carl-Zeiss-Stiftung and the Zeiss companies were involved. This means that the division of labor relations within the Zeiss Group were at risk.

This situation had two aspects for the American military. You remained no time, the products which they had been commissioned to obtain even in full and, if employed in the war against the Japanese Empire. They had to accept at the same time that the Soviet armed forces get the disposition of the Jena-based company. Since Americans but did not rule out a military confrontation with the USSR, they were not keen to leave the military usable knowledge, products and processes of the Soviet defense industry.

Also, the precision engineering and optical industry in the U.S. and UK companies feared that Soviet enterprises could make them with the existing Jena innovations in the international market competition in the future. That this was not unfounded, it becomes clear in the following chapter.

The acting in the Zeiss factory in Jena glassworks and American and British teams explored why not just militarily relevant, but also opened up what ever was of particular value in the optical precision device and the photo-optics. So the Americans seized the objective collection of the Zeiss factory and spent it in the United States. The 2000's collections contained both the oldest Zeiss lenses as well as the latest pieces of evidence. Furthermore, 20 construction books were taken away with 100 optical sketches of the most common lenses and the associated production rules. The estimated value of construction books stood at four million RM [19] The head of the photographic department of the American Army Intelligence Agency, Edward K. Kaprelain, assessed in February 1948, to Astoria, Long Iceland, placed lens collection as follows:. " The study of the Jena lenses and plans means in the field of discovery

{19} BACZ No. 18187 (List of confiscated by the Americans lens collection); Schumann: Carl Zeiss. Then and Now. Pp. 592-593.

[Page 10] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

and development of lenses for the United States a few years of progress, "{21}

Lieutenant W. Brayer, a specialist in aerial photography, which since April 1945, the American military commission belonged {21} had, the management first orally and later written mandate to produce 3,400 special high quality lenses for cameras flyer. As Brayer was known that the American troops will withdraw from Thuringia, even before the lenses commissioned to be completed, he took late May 1945, the plan to cancel this contract and to shift the entire production of Bildmeßobjektive in the American occupation zone . He announced in late May or early June 1945, the Executive Board. {22} In order to explore a suitable production site in the American occupation zone, flew Colonel Goddhardt, by Heinrich Küppenbender, Director Paul Henrichs and Ernst Opitz, the head of all plant facilities, accompanied, to Munich. There they checked first whether the company cover can provide suitable premises. Since the visited objects were not suitable, Lieutenant David Ginsberg traveled with Henry Küppenbender on 5 June 1945. Stuttgart in the Contessa factory, which belonged to the Zeiss AG lkon Use of this manufacturing facility failed due to the resistance of the French occupation authorities.

Since Brayer obviously was not qualified to conduct the relocation company in the ways he sought the support of his superior authority, on 7 June 1945 Colonel Hubert Zempke and Colonel JJ Stone sent to Jena. Colonel Hubert Zempke argued on behalf of the Headquarters of the Supreme Commander of the lnterventionsstreitkräfte special tasks, and Colonel Stone was a member of the technical intelligence of the U.S. Air Force. {23} The two Air Force officers organized now on behalf of the headquarters of the Strategic Air Force of the United States, "Carl-Zeiss-works mission," whose aim Colonel Stone describes as in a secret report to his superior authority on July 20, 1945: "The mission was planned to bring certain key personnel, important research and production equipment of the Carl Zeiss plant in Jena, Germany, a company controlled by the Army of the United States territory. " {24}

{20} Quoted in Schumann: Carl Zeiss. Then and Now, p 593

{21} BACZ No. 9291 (Information, Military occupation, including April 1945 - January 1946).

{22} BACZ No. 19159 (Heinrich Küppenbender: Note Betr. packaging equipment and plant facilities of 20 April 1946).

{23} Jürgen Steiner: The Jena glassworks, pp. 204-205.

{24} BB # 89 Secret Report of the Carl-Zeiss-works mission at the headquarters of the United Strategic Air Force of the United States in Europe - Office of the Deputy Chief of Staff, A-2 of 20 July 1945, written by JJ Stone, Colonel, AG; Executive. Archives of the U.S. Air Force. Maxwell Air Force Base Montgomery, Alabama.

The Zeiss works under American control [Page 11]

The directors of the foundation companies attracted from the different information that they received from the officers of the American military commission and other sources, the conclusion that the American withdrawal from Thuringia may be imminent in the near future. They used the prepared by the Americans mission to plan even the construction of new production facilities in the American occupation zone so that they can take over the tasks of the Jena foundation companies in the Group as a whole. They had expected that after Nazi Germany was defeated, the latent tensions between the USSR and its Western allies increase and the Western occupation zones are isolated from the Eastern Zone. In such a case, the company of the Zeiss Group were supplied in the Western occupation zones neither with special optical glass or optical systems. This could - as they feared - enable Zeiss competitors, initially to dominate the market in the Western occupation zones, and in due course the external market.

Immediately after his Stuttgart travel ordered Heinrich Küppenbender to prepare the relocation of personnel, materials and equipment in the American occupation zone. He demanded that the head of the optic management and the Planning Board to set target figures for the individual machine types that are to be relocated. On 9 June 1945 he discussed with Ernst Opitz and Hugo Schrade the result of preparatory work. And on the same day dictated Heinrich Küppenbender the note "Subject:. Establishment of a branch office of the Zeiss factory production" The crucial passage in the note reads.:

"In order to carry out the production of the Zeiss factory with security in the occupied by the United States territory, as is the implementation of the necessary specialized and skilled workers, transferring some of the in Jena and in the controlled by the company Carl Zeiss outworks .. . located machine tools and facilities for workshops, design offices, laboratories and administration required with the related documents ... The composition of the new plant is to be chosen such that a closed, high-performance precision-engineered optical company is given, ie, that in addition to professionals and specialists of the company also special forces of the design offices, laboratories with shifted werder. "{25}

Heinrich Küppenbender went out of 2,000 Jena employees, including 1,000 productive employees who were to be resettled in the American occupation zone. For the entire production facility of the directors had provided a floor space of 25,000 m2, on the 2456 machine can be set up. For the transportation of machinery, equipment, documents, etc. a total of 600 rail cars or 350 trucks were provided when a 14 days ending road transport should be necessary. The removal of the 2,000 staff members and their 4,000 family members

{25} BACZ No. 19159 (Heinrich Küppenbender: Note Betr. packaging equipment and plant facilities of 20 April 1946).

[Page 12] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

would take six Tranportzüge to 100 axes. In the planning of Küppenbender played the accommodation of a total of 6,000 people - Zeiss employees and their family members - in the new location does not matter {26} When Henry Küppenbender the Americans presented the carriage requirement for the removal of the to be moved goods, was important to him that. such a number of cars as a result of expected only short time that is available, can not be found. For this reason, the plan should be re-positioned for a total of 1,000 people. {27}

Colonel Stone noted in his secret report that the Director had asked the officers for a meeting in order to make them a proposal which should take into account the American side. According to Stone's report, the Director pointed at this meeting first that come to its knowledge, Jena and the surrounding territory under Russian control. And as they went not work for the Russians still with them, they want from the Zeiss factory "certain important parts of the research, production equipment and key personnel evacuate." When new sites subsidiaries were named in Munich or Stuttgart. Your evacuation plan also saw several productions and control devices before that are needed to meet the anticipated U.S. command. It was about the lenses for Bildmeßgeräte. Colonel Warner, G-4 officer of the 9th U.S. Army, listened to what the Director lectured and let her know that he would not comment on the plans of the Soviet side., but in view of the fact that the U.S. Army had given the order to use the Zeiss factory in the war against Japan, the intention of the Board would " being considered ". These demanded the Colonel of the managers in the next 24 hours records or statements about the personnel, materials and equipment.

The managers made Colonel Warner and the other officers point out that even the Jena glass Schott & Gen.. would have to be relocated because to run the command special optical glasses are required. "Then" - as noted Stone in his report - "Dr. Schott was given by the Schott glass works of the command to create a list of equipment and personnel, those who are to be made by the Zeiss factory match." Material, equipment and personnel from the Jena glassworks should be brought to the subsidiary in Zwiesel, which was prepared according to information provided by Erich Schott to 75 percent to the start of production.

The following day, the directors laid the responsibility for the mission officers the desired lists before, in their compilation, the so concerned Zeiss employees obviously had imposed maximum restraint, because the Americans were most dissatisfied with the performance of their statement. Therefore, they demanded a rectification. At the same time received

{26} BACZ No. 19159 (Note: Btr establishment of a branch manufacturing site of the Zeiss factory).

{27} BACZ No. 19159 (Heinrich Küppenbender: Note Betr. packaging equipment and plant facilities of 20 April 1946).

The Zeiss works under American control [Page 13]

the managers provide information and exhibits for the removal of the emphatic command, the quantity indicated on the lists. Then pointed Heinrich Küppenbender on 14 June 1945 to be followed by all orders of the U.S. military strictly. {28}

The managers recruited between the 11th and 16 June 1945 among the scientists and engineers for voluntary resettlement in the American zone. Wilhelm Trostmann commented later on this action of the Executive Board:

"According to Dr. Hansen then Prof. Joos {29} has repeatedly tried to single this demand (voluntary departure Jenas author) absolute determination to change his negative men by visiting their homes and personal persuasion and volunteered with their relocation agree to in American territory. " {30}

In advertising, it was revealed that the addressee showed little willingness to leave Jena, because even the withdrawal of the Americans seemed not identified. And on top associated with a departure uncertainties were extremely large. Something different was the case with Heinrich tip Bender and several other executives who also had a personal interest, not to meet the Soviet military, as they were, even though they held no outstanding feature of the NSDAP, in virtue of their position in the defense industry integrates the Nazi system of rule. They had feared that they would be to account for it.

On 10 June 1945 began the removal of the scientific-technical documentation and the special equipment from the laboratories and workshops. They were the 45th Air Depot Group brought.

New directives of Americans

Removal of selected skilled workers - Waiving of industrial equipment

While the packaging of furniture, furnishings and documents in Jena was in full swing, Colonel Hubert Zempke learned from his superiors - he was on 11 June 1945 traveled to the headquarters to Paris to be far-reaching program for the evacuation of personnel and property carried forward - that you stick to the Allied definition and the withdrawal of troops from other zones of occupation the industrial plants leaves untouched. After that, the "Carl-Zeiss-works mission" could no longer be realized in full.

{28} BACZ No. 27200 Diary of workers and employees-Committee (entry of 14 June 1945).

{29} Prof. Dr. Georg Joos, Professor of Theoretical Physics at the University of Jena, since 1941 was a member of the Zeiss Executive Board. He led the laboratories of the company.

{30} BACZ No. 19159 (Notice of William Trost man).

[Page 14] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Since the 8th Corps of the U.S. Army, which was responsible for the control of Jena, knew this command denied his officers the removal of industrial material goods from Jena. Colonel Zempke, on 17 June 1945 was again arrived in Jena, urged together with Colonel Stone at the 8th Corps on the release of requisitioned. But you were able to accomplish nothing for the time being. The 8th Corps had even let into the foundation companies raise guards who had orders to prevent the removal of material and machinery. The efforts of the "Carl-Zeiss-works mission" Supervisor to obtain a written order for the execution of their project at the headquarters of the Air Force, were unsuccessful. Finally a radio call came in, who instructed the 8th Corps, Stone and Zempke to assist in the evacuation of data and people. material and equipment were not mentioned in the radio message, so that the 8th Corps saw no cause to allow the removal of material and equipment. Thereafter, the raw glass and the furnishings of the glassworks were , both were already loaded on 19 railway wagons, brought back into the glass factory. Likewise, the Packaged remained in the Zeiss plant in place. Officers charged with the mission now came not according to the request Küppenbenders, the legality of the shift action by a written . confirm command To obtain such an order, the Director had even let a memorandum draft, which should be signed by the officers Heinrich tip Bender reported later.:

"We prepared together before a Memorandurn in which was expressed clearly that it constitutes a command. I still remember that the American officers, the memorandum corrected ... We came across a that us a clean copy ... should be passed. This was not done. "{31}

After the U.S. President in mid-June 1945, Churchill and Stalin informed by telegram that he would pull U.S. troops out of the area that had been awarded the USSR issued the Allied High Command, in coordination with the military leadership on 18 and 19th June 1945 the secret orders to evacuate all the scientists and technicians during the retreat of the American Associations of Saxony, the province of Saxony and Thuringia, which the U.S. and the UK can be useful. {32}

This command brought together a group of officers from the headquarters on the afternoon of 18 June 1945 to Jena. Then the directors of the foundation companies were for the late evening of 18 June 1945 called together in the Administration Building. In the presence of several American officers Zempke Colonel and Colonel Stone opened the managers that, as Henry Küppenbender later noted, "no time to carry out

{31} Hermann: Only the name has stuck, p 15

{32} Klaus-Dietmar Henke: The American occupation of Germany, Munich 1995.

The Zeiss works under American control [Page 15]

the previously planned relocation was available. It therefore should be limited to the most important people, equipment and machinery. Col. Zempke needed this to me remained in memory sentence: We take the brain '"Colonel Zempke also announced that the directors are on a special list of the Allied headquarters and transported as the first, although Walther Bauersfeld had not been mentioned.. he stood the next day on the list of directors. Among the managers were required to list them from their areas of responsibility, the key staff. Prof. Dr. Georg Joos should call 20 designers 30 to 35 scientists and Prof. Dr. Walther Bauersfeld. The staff lists of Joos and Bauersfeld got the Americans on June 19, 1945. Küppenbender Henry and Paul Henrichs refrained from giving its lists. however, the night session presented by the American officers names did not correspond to the current staffing levels.

"In the mentioned night session led Bfd (In-house abbreviation for Bauersfeld author) in striking statements from that commanded by the Americans, measures could be a separation of the head from the torso the same. They led to the dismantling of the Zeiss factory and thus a destruction of our founder, Abbe work. "{33}

About this meeting, Colonel Stone noted in his secret report:

"It was a meeting of the directors of the Carl Zeiss plant convened and issued the verbal order to begin the mixing and packaging of the devices on the lists that were submitted with the original plans. The Directors have been told that this is not a request, but a command. And if there is no progress in assembling and packaging within 24 hours is visible, American troops were being taken to the factory to complete the work. In addition, the directors were informed that, if no visible success can be seen within 24 hours, they will be handed over to the local military authorities for insubordination. This action was effective, so that the assembling and packing the key devices started: {34}

Furthermore represents Stone stated that they had "list of research staff, as it had been submitted by the Directors of the Carl-Zeiss-work or the Schott glass works" used as a "guideline for the selection to be evacuated personnel" the . "

On the morning of 19 June 1945 Heinrich Küppenbender met with members of the Workers 'and Employees' Committee. He introduced her to the existing contracts for outsourcing parts of the Zeiss factory and then described what had happened the previous night. Heinrich

{33} BACZ No. 19159 (Heinrich Küppenbender: Note Betr. packaging of devices and tools on June 20, 1945 of 16 April 1946).

{34} BB # 89 Stone: Secret Report.

{35} BB # 89 Stone: Secret Report.

[Page 16] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Küppenbender especially emphasized that the American occupation authorities have arranged to command the Allied headquarters, "now implement the preparations for a shift in the deed, the packaging of the equipment accelerates to perform and to transfer these to be forwarded to the Americans. The demand of the shift has been interpreted as meaning that they lie in the complement of the American territories (eventl. also English) for Zeiss Group should serve belonging manufacturing operations. (Valuable for Contessa {36})

Justification of the management team, he still led to: "The management has to take this opportunity to once again pointed very clearly to the consequences of such an action for both to be displaced people, as well as for the remaining workforce, she has made it clear that the company could meet only as a coherent whole their tradition-bound tasks that required by the Americans step if he would be carried out, is tantamount to almost a separation of the head from the body and will cause a very serious concern in the farms. "{37}

To reassure members of the committee but he still led from:

"The removal of the laboratory equipment and machines, which is currently in flux, happens without this there is a deterioration of the respective devices in the home. The machines, which on photographic lenses are necessary for the production of the mentioned order and transported, may be taken from a very abundant supply. "

On the morning of the 20th June 1945 Heinrich Küppenbender was appointed Lieutenant Brayer. He made the Leader violent accusations because he packaging of laboratory equipment, drawings, etc. to slow pace for the scientists and engineers and threatened to stronger measures if the tempo is increased immediately. Then ordered Brayer "to begin immediately with the reinforced packing of tools and devices to bring the production in the American sector, based on the machinery of Amberg and Ebrach, in a short time to start up. Here, the necessary special equipment and machines for the production of large aviator lenses should be fully taken away. "

For Heinrich Küppenbender the demand Brayers was new, "that now but the devices for greater production capacity should be removed after (d V. business lines) referred to in the night meeting with Col. Zempke and GL the plan of relocating production to lack of time as unworkable was ". was new for Heinrich Küppenbender also

{36} The for Zeiss Ikon Contessa-owned factory in Stuttgart referring camera lenses from Zeiss works.

{37} The following comments are based on BACZ No. 19159 (Heinrich Küppenbender: Note Betr. packaging of devices and tools on June 20, 1945 of 16 April 1946), No. 27200 Diary of workers and employees-Committee (registration June 19, 1945).

The Zeiss works under American control [Page 17]

"That now again the entire manufacturing facility for the production of aviator lenses, so special machinery, measuring instruments and devices should be relocated."

The Director informed immediately the staff who were involved in the action package, about the assistance obtained from Brayer statement. He pointed Erich Schreiber and Walter Traut on to let the pack "devices for general Zeiss production and for the production of aviator lenses" and also to inform the superintendent., The question of Walter Traut "So also is the unique?" affirmed Heinrich Küppenbender assuming it refers to the devices for the Flyers lenses. As Traut then stated: "That means a cessation of production," said Küppenbender, turn only to the production of aviator lenses thinking, "I can not change it." In the interview the manager was passed by Traut: "All tools and equipment for civilian production, even if they are only available in a version that must be packed immediately within 24 hours of shift work." Although this information triggered in the operating departments incomprehension and opposition , began in various departments with the removal of devices. When the members of the Workers 'and Employees' Committee were informed by the manager of engineering and auxiliary systems, Wilhelm Trostmann about this arrangement, they laid the other hand, sharp protest. afternoon of June 20 1945, Otto Heinrich Marquardt Küppenbender to task {38}} The Director replied that one must have misunderstood him and made the late afternoon now underway action reversed Otto Marquardt listed under June 20, 1945 in the Committee diary..:

. "A.) The Zeiss shifted to command the Americans the means of production that are necessary for the production of a larger photo job in American territory, b) The GL shall act unanimously and divides it by the Americans with Bfd: 'We are voluntarily Jena & the Zeiss works not leave '; c) remain sufficiently Prod funds for peacetime production to establish a production of extreme tension;. d.) Erroneously led preparation for relocation be undone ... "The entry includes "... 11 Clock Around 120 senior business Angehör, including the four gentlemen of the GL to get the command from the Americans, to hold themselves for transport." {39}

The American officers who were charged with the "Carl-Zeiss-works mission" and tried again on 20 June 1945 to implement an extensive shift, ultimately the success of the American renunciation of the requisitioning of machinery and equipment was denied. Thwarted also the plans of the directors to build with these kits outside of the Soviet occupation zone a new production facility. It must remain undecided whether the statement of Heinrich Küppenbender morning

{38} BACZ No. 27200 Diary of workers and employees-Committee (entry of 19 April 1945).

{39} Mühlfriedel / Hellmuth: The Works Diary, p 196

[Page 18] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

20th June 1945 was the attempt, from all operating departments mop the devices that were necessary for the establishment of a complete manufacturing facility in the American occupation zone.

On 21 June 1945 was the Commanding General of the 12th Panzer Division of the U.S. armed forces from the headquarters of the 6th Army Corps command, a place for a group of scientists and their families, about 1,500 people, set up to be checked and interned. He was also instructed. Assess people immediately pose a security risk to the United States. For the accommodation of the announced general Heidenheim an der Brenz certain. {40}

The American officers selected from the Zeiss works 81 employees {41} and from the Jena glassworks 41 employees {42}, which with their families of 23 to 25 June 1945 were brought into the American occupation zone. At the same professors, faculty and staff of the University of Jena and their families were taken away. {43} Colonel Stone announced that the evacuation of 500 people by the American army was fast and efficient. The Army had assigned each family a truck. {44}

In his secret report on the "Carl-Zeiss-works mission" are J. Stone Recommendations for the use of the deportees professionals and evaluated its usefulness for the United States as follows: "Obviously controlled the Carl-Zeiss works to a large extent the highly qualified research potential of the German optical industry. evacuated scientists were the cream 'of the German research staff and are of enormous importance for the future optical development. " He advises his superiors to distribute these professionals to provide accurate and well-coordinated plans, because he feared that "these top people possibly in groups of back sneak into the Zeiss works". {45} The Colonel Suggests scientists by a committee of American to have it checked scientist and investigator thoroughly in terms of their value and their political ambitions. Thereafter possibly could be selected for an industrial or academic employment in the USA ten percent of scientists. The others should be distributed to the various precision mechanics and optics companies in the American occupation zone .

The report shows that the aim of "Carl-Zeiss-works mission" to spend selected production capacity in the American occupation zone and the deportees to provide for the immediate resumption of their work activities in view, not at or intended for only a short time

{40} Carl Zeiss - divided Germany. The German question in class. Series for politics, history, German. (Ed.) National Centre for Civic Education Baden-Württemberg, Issue 9 (July 1986), p 23

{41} BB # 89 Stone: Secret Report, Annex: List of evacuated Zeiss employees

{42} Steiner: The glassworks, p 212

{45} History of the University of Jena 1548/58-1958. Volume I., Jena 1958, p 687

{44} BB # 89 Stone: Secret Report.

{45} BB # 89 Stone: Secret Report.

The Zeiss works under American control [Page 19]

had. As Stone wrote his report, the U.S. was still at war with Japan, which only after the use of the atomic bomb by the U.S. Air Force on 14 August 1945 capitulated. The scientific and technical documentation and the equipment from the Zeiss works were brought to the U.S., they were not for the Zeiss group in Heidenheim available.

The American requisitions

The American Military Commission exhibited for the services which had provided the Zeiss works for the American forces from mid-April to end of June 1945 and for part of the transported away documents, materials and equipment Requisitionsscheine. Even the packaging of the seized documents and articles, the concerned departments built directories on the Withdrawn. On 4 October 1945 was an overview of the losses that were incurred by the Zeiss works by the American and British military, together. Thereafter, documents, materials and equipment were lost in the value of 14.1 million RM. In addition, the products came from the Zeiss Aerotopograph GmbH, Jena, worth 1.4 million RM.

The sum of 14.1 million RM sat down to 81.2 percent from confiscated products together, including both there were those that had already been completed when the war ended, and the newly-made, the one produced in the Allied order from April to June 1945 had. 6.3 percent of the determined value was attributable to machinery and equipment and 12.6 percent on original drawings and drawing breaks. The analysis of the requisitioned products shows that 50.5 percent of them were military optical instruments, primarily Bildmeßgeräte, sighting devices, binoculars, accessories and parts. Plus 7.7 percent came from the Bildmeßabteilung that produced no military products. 32 percent of the requisitioned products were removed from the photo department and 9.8 percent went to other departments. Table 2 in the Supplementary tables are supply details on the losses of the operating departments. In the drawings and bills of material, the emphasis was not on a backing of machines and devices. They accounted for only 32.7 percent of the original drawings and 32 percent of the BOMs. Furthermore, the American military for image and precision instruments, as well as for geodetic instruments interested. From the seized original drawings accounted for 11.8 percent on precision instruments, 10.6 percent to 9.3 percent to Bildmeßgeräte and geodetic instruments. {46}

{46} Calculated according BACZ No. 4884 (Review of American requisitions of 4 October 1945).

[Page 20] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

The appointment of the new Director

On 20 June 1945 informed the officers of the American military commission, the managers about their imminent removal. This forced them to come to a decision about the management of the Jena-based company for the period in which they will not be in Jena. They had to select the people who, during his absence perform their duties and had to agree on which skills are to have the new managements.

About to be selected persons, the Leader were quickly agreed, because there were only figures in question have the necessary authority in the workforce, were technically proficient and above all against the retiring managers loyal. They must also be of the Soviet occupation authorities and the Germans, in future to be leaders in Jena in Thuringia, accepted politically.

The choice fell on Dr. Friedrich Schomerus, Dr.-Ing. Schrade Hugo and Victor Sandman. Friedrich Schomerus had led the staff main line until 1933 and had been forced by the Nazis from this function. He was an expert on all matters relating to the Carl-Zeiss-Stiftung. {47} Hugo Schrade, since 1929 at the Zeiss factory, until 1942 had a leading position in the HR main line, and then worked as head of the Planning Board. Because he was married to a Jewess, he was persecuted by the Nazis. {48} Victor Sandman, since 1934 at the Zeiss factory, led the commercial department. In 1918 he was part of a workers 'and soldiers' council and had been sentenced to imprisonment. In the twenties, he was first a member of the USPD and then until 1928 the SPD. {48}

A particular problem it was for the directors to determine the responsibilities of their successors. The managers were so it looked before the constitution of the Carl Zeiss Foundation, appointed for life. It was a privilege to which they do not want to do without easily. At the same time, however, demanded the uncertain political and economic conditions that its representatives were sufficiently legitimized for the performance of their duties. After the foundation statute the directors were appointed without the Foundation administration and by the Commissioner no new Leader. First, they wanted to give Friedrich Schomerus and Hugo Schrade only power of attorney. Therefore, Paul Henrichs signed on 21 June 1945 an application to the district court, but did not send him off. On 22 June 1945 Paul Henrichs presented for the three selected employees a power of attorney, which authorized them "the business of the Board for the time being, as long as the members of the Executive not in Jena, perceive." On

{47} Wolfgang Mühlfriedel / Edith Hellmuth: The company Carl Zeiss Jena 1933-1939. In: Detlev Heiden / Gunther Mai (ed.): National Socialism in Thuringia, Weimar Cologne Vienna 1995, p 251

{48} PA # 94 (CV Hugo Schrade).

{49} BACZ Nr.8093 (personal file of Victor Sandman).

The Zeiss works under American control [Page 21]

same day told Paul Henrichs Hugo Schrade that you look at the position of an authorized officer is not qualified to perform the tasks of a manager. Therefore, would the managers, and in particular the suggestion of Dr. Erich Schott, determined from executives who remain in Jena, to form a new management team. Paul Henrichs taught Hugo Schrade of the intention to propose the Foundation's administration, Victor Sandman, Friedrich Schomerus and Hugo Schrade to managers of the company Carl Zeiss and Hugo Schrade to the Director in the company Schott & Gen.. to appoint. {50}

As the members of the Workers 'and Employees' Committee of the two founding companies but insisted that the officers have the same powers with the management of the companies, such as those appointed for life managers, they turned still on 22 June 1945. At the State Office of Education, the Foundation's administration, in Weimar In the conversation she had with the Ministerial Curt Böhme and Heinrich Hoffmann about it, she learned that Dr. Arno Barth, president of the court in Gera, had been appointed by the State Office already for the new foundation Commissioner. {51} In order not to lose time, over brought Committee members Arno Barth on the same day the certificate of appointment. They taught Arno Barth on the resulting in Jena situation and the corresponding articles of the Foundation's constitution. Arno Barth secured to its visitors, on 23 June 1945 to come to Jena.

On the morning of 23 June 1945 came the endowment commissioner to Jena, to clarify the personnel matters at the top of the Zeiss company. At 9.30 clock met the Director Walther Bauersfeld, Paul Henrichs and Georg Joos, officers Victor Sandman, Friedrich Schomerus, Hugo Schrade and the two members of the Workers 'and Employees' Committee, Otto Marquardt and Ernst solder, with your foundation Commissioner. Arno Barth marked the beginning of the situation and referred to the provisions of the Statute of the Carl-Zeiss-Stiftung. The note of the Arno Barth about 25 June 1945 anfertigte, it says:

"The most pressing question was found that a new management must be ordered. The current management had already taken precautions so far as they had ordered new power of attorney or had a panel of three men transferred the future management without being able to make these gentlemen but formally managers. My view is that both the workforce over as outwardly formal Bestallung new manager is needed if the current management removed

{50} BACZ No. 26830 (old) (Warenzeichenverfahren. memorandum dated 9 August 1963).

{51} Dr. Esau, the former Foundation Commissioner, had been dismissed because of his connection to the Nazi system. Dieter Hoffmann / Rüdiger Stutz: crossing the frontiers of science: Abraham Esau as an industrial physicist and research manager. In: Combative science. Studies on the University of Jena in National Socialism (Ed.: Uwe Hossfeld, etc.), Cologne Weimar Vienna 2003, pp. 137-179.

[Page 22] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

will finally put all those involved by ... . "Foundation The Commissioner added that Schrade Hugo, Victor Sandmann and Friedrich Schomerus" were taken in full agreement with all parties ... as new management in view. "{52}

The Acting Director expressed initially have reservations against the unrestricted transfer of the foundation laid down in the Statute rights and obligations for directors to the designated employees. They wanted to know the Makeshift this change more strongly emphasized in the management. Otto Marquardt, on 23 June 1945 the course of the meeting held in the diary of the Workers 'and Employees' Committee, noted: "The old GL would have preferred it if the Provisional is more emphasized to the contact Scho (Friedrich Schomerus author) and I also. contrary. {53}

What the incumbent Director made her hesitate, we can only guess. First, is to assume that it came to them to enter at a possible return to Jena again in their full rights as Leader. The them was granted by the Foundation Commissioner also readily. The previously quoted Barth notice is this: "However, the existing management team, as it corresponds to the Articles of Association, appointed for life. If they return, they are entitled to it; take over the old office back. For this reason, a temporary appointment of the new Director is provided as permitted by the Articles of Association "Paul Henrichs had provided for the period of one year. {54}

But it is also quite possible that the outgoing Director considered to act in the complete Zeiss manufacturing plant, whose construction they were planning in the American occupation zone, as appointed Leader. Probably the managers were also assumes that if Thuringia long period occupied by Soviet troops, will be able to take on as a second management responsibility for the foundations and corporate assets in the Western occupation zones.

On 23 June 1945, the new Director were used. The proceeds from the note by Arno Barth as well as out from the recording of Otto Marquardt, of 23 under the June 1945 states: "The old GL proposes the new GL ago. I declare that we are in the fortunate position of being able to provide us with full on the bottom of the proposals of the GL. In announcing the new GL will appear after Dr. Barth that a equipped with full powers GL is, but withdraws when about coming back the old GL ... as spelled out on all sides consent at the end: It is used a new GL. It consists of Dr. Schrade,

{52} Archive Mühljriedel (note by Arno Barth of the meeting on 23 June 1945).

{53} BACZ No. 27200 Diary of workers and employees-Committee (entry of 23 June 1945).

{54} Archive Mühlfriedel (note by Arno Barth of the meeting on 23 June 1945).

{55} BACZ No. 27200 Diary of workers and employees-Committee (entry of 23 June 1945).

The Zeiss works under American control [Page 23]

Dr. Schomerus and Prok (authorized representative author) Sandmann. The GL serve until the return of the old line. "{55} This process confirmed Walther Bauersfeld, Paul Henrichs and Richard Hirsch on 28 January 1946 in a letter to the" legal status of the Jena business lines "where they at" the gentlemen of Management at Carl Zeiss Jena glass and Schott & Gen.. FAO the Lord's managing director Victor Sandman "write:

"We fully agree with you in the opinion that there may be legal or factual reasons, only a single accountable management board based in Jena ... To open you the way statutes in accordance to order at ordinary course of business leaders, we have therefore the end of June of last year the Lord Foundation Commissioner suggested you as our follower and you pass the shops. We wish to acknowledge clearly and unequivocally that we have seen since our removal from Jena as the now solely and fully responsible business lines of Foundation companies inwards and outwards and considering them. "{56}

A copy of this letter was also the Stiftungskommissar.In the meeting with Arno Barth on 23 June 1945 the responsibilities of the new Executive Committee members are set. Hugo Schrade was responsible for the operation and production, Victor Sandmann for internal administration and finance and Friedrich Schomerus for personnel issues, for social policy and affairs of the Carl-Zeiss-Stiftung. On 27 June 1945 provided the foundation Commissioner to the American garrison commander, the management team at his request before. On the same day the foundation Commissioner signed the contracts with the managers appointed by him. The district court, he reported that the order of Walther Bauersfeld and Paul Henrichs has gone out to officers of the Carl-Zeiss-Stiftung. At the same time the foundation Commissioner informed that the members of the Executive Board, Friedrich Schomerus and Victor Sandman, have been appointed as agents of the Carl-Zeiss-Stiftung in affairs of the company Carl Zeiss new. {57} In teaching the Foundation Commissioner on 29 June 1945, the Foundation Administration in Weimar. Assistant Secretary of State Frederick bull by the State Office of Education had the changes at the top of the Jena-based company already endorsed orally. However, a written declaration Arno Barth had to send a reminder. {58}

{56} BACZ No. 16330 (letter from Walther Bauersfeld, Paul Henrichs and Richard Hirsch to the members of the Executive Boards of Carl Zeiss Jena glass and Schott & Gen.. Dated 28 January 1946).

{57} BACZ No. 26787 (Arno Barth: Notification to the District Court of 27 June 1945).

{58} TK No. 007 (Letter from Arno Barth to the National Office of Public Education November 9, 1945).

[Page 24]

CHAPTER TWO

The Soviet administration of the Zeiss plant

The new beginning

In the late afternoon of 1 July 1945 rang at the home of Hugo Schradedas phone. The caller was the doorman at the Zeiss high-rise and informed the Director with that wish him two officers of the Red Army to speak. When Hugo Schrade short time arrived at the factory later, introduced him to Major Sharov, who, like his companion, a topographic military unit belonged. The Major asked Hugo Schrade, to direct the work as before and asked him the appropriate powers of the occupying power from. On the same day Captain Grigoriev took command of the Zeiss works. Of sat Hugo Schrade on 2 July 1945, the superintendent informed. {1}

Figure 2 Director Dr. Hugo Schrade

The change of occupation troops taking advantage, Otto Marquardt gathered on the same day the members of the worker and employee-Committee in order to form the committee of a council and staff to ervveitern. {2} On the following day

came the directors with members of the works council together. They discussed the future position of the works council and discussed what needed to be done to remove active supporter of Nazism in the work of leading positions. The works councils called on the Executive to ensure that everything is removed from the constitution of the Carl-Zeiss-Stiftung, what the Nazis had in 1935 changed in their favor. {3} The directors who also attended the

{1} BACZ No. 15139 (Record of the superintendent meeting of 2 July 1945), No. 23407 (information on the troops of the Red Army to the field post number 94982).

{2} Mühlfriedel / Hellmuth: Betriabsratstagebuch, pp. 193, 197

{3} BACZ No. 12660 (minutes of the first joint meeting of the Executive Board and the Works Council of 3 July 1945).

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 25]

Restore the original version of the statute were interested, requested on 16 July 1945 when the provincial government in Weimar, to remove the embossed by the National Socialist spirit passages from the statute

and written by Ernst Abbe text to be restored. This was on 15 November 1945 also met. {4}

On 7 July 1945 were the managers to an information meeting at the Soviet city commander, letting them know that the occupying power's interest in a speedy resumption of production. {5}

The stated interest of the occupation officers to the timely resumption of production encouraged the directors and the council's intention to create the conditions for it immediately. These included primarily to troubleshoot war damage, the logical continuation of the conversion process and the establishment of a production program for the coming months. The Schrade discussed Hugo and Victor Sandman with the operating and sales managers. {6} Victor Sandman, on 10 July 1945 the production program of the Zeiss plant in front for the coming months, which he explained the line forces the following day. {7} The need for an early start of production, resulted primarily from the financial situation of the work. The Soviet occupation authorities had locked the company accounts with financial institutions, so that one could not rely on the Company deposits with the banks in Jena and Berlin in the foreseeable future. Of the funding in the amount of 19.2 million RM, about the Zeiss Company had in the Soviet occupation zone, only 2.6 percent {8} were in the company's treasury. For the same reason could outstandings not at companies from the Soviet occupation zone are withdrawn, and the business relationships with customers in the Western occupation zones were interrupted. In order to cover the running costs of being able to pay off all about wages and salaries, had stocks and newly produced products are sold. about the business intentions of the foundation company informed the sales department to clients in a letter dated 30 July 1945:

"Shortly after the occupation of the city of Jena by the American troops the Zeiss plant became operational again, and also under the Russian occupation, the work will be continued in our workshops. After

{4} chronicle of the Zeiss plant, written by Fritz Ortlepp, (typescript), p 648 The final confirmation of the Statute of the Carl-Zeiss-Stiftung was only on 11 Juni 1947. Ortlepp: Chronicle of the Zeiss plant, p 659

{5} BACZ No. 6471 (Minutes of the meeting of the directors of the City Commandant on July 7, 1945.

{6} BACZ No. 15139 (Record of the superintendent meeting of 2 July 1945), No. 8233 (minutes of the superintendent meeting of 11 July 1945).

{7} BACZ No. 8233 (minutes of the superintendent meeting of 11 July 1945).

{8} BACZ No. 19389 (the balance of the Carl Zeiss Jena for the financial year 1944/45). For the value adjustment account on 16 July 1948 indicated that 30 September 1947 assets valued at RM 17.7 million had been blocked by the Soviet authorities. BACZ. No. 15704 (a margin call).

[Page 26] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Eliminating the production of military equipment, we have our operating fully converted to the manufacture of products known to you for civil needs and are thus able to accept orders on these devices again and run it. At present, however, there is the limitation that deliveries may take place only in the Russian occupation zone, which require the approval of each of the local Russian plant commander. The permit shall be issued if non-Russian interests are affected by these deliveries. {9}

The plan of the People's Commissar for Armament

This customer information would prove to be too optimistic, because while the managers, the operating and sales manager who works councils, supported by sections of the workforce, all took to create peace unfit conditions at the Zeiss factory again, watched the officers from the People's Commissariat for arming of the USSR, on 11 July 1945 arrived in Jena, a very different plan. The People's Commissar for Armament of the USSR Dimitri E Ustinov, the entire precision engineering and optical industry was under the Soviet Union, had announced in early 1945 claim to the transfer of the two founding companies Zeiss and Schott including a large part of the workforce in the USSR. The one had also granted so that it the People's Commissariat after the occupation of Thuringia by the Red Army in particular mattered to gain a picture of the Zeiss potential and documents, equipment, Fertigerzeugnisseusw. sure. What plans the People's Commissar harbored regarding the precision mechanics and optics industry in Thuringia, is clearly in the fall of 1945. On 12 October 1945 Ustinov put in a "draft resolution for the disposal of the Council of People's

commissioners' down the details on the reduction of operating enterprises and the deportation of professionals. Afterwards he wanted to spend with the equipment 2,000 German scientists, engineers and technicians in the USSR, which should make the proper organization of the disassembly good., in a letter to the Head of Soviet intelligence, Lawrenti P. Beria, from October 12, 1945 Ustinov pointed out that the optics manufacturing in the USSR by more than two times can be raised by the transfer of the equipment of the Jena-based company. Simultaneously

will allow the export precision engineering and optical products due to rising production. This supported the People's Commissar with the fact that it even exists in the Balkans no such industry, and it is not sufficiently developed in European countries. This export will bring much-needed foreign exchange for the USSR. Of course, playing in the considerations of the People's Commissar also a role that by the dismantling

{9} BACZ No. 19223 (letter from the Department Disp. Raul Leonhardt of 30 July 1945).

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 27]

Foundation companies Germans a chance in the future to produce optical military equipment withdrawn, is at least difficult. With the disposal of Ministers of the USSR No. 1539-686 of 9 July 1946 certain JV Stalin that the dismantling of the Foundation Company on 22 Has to begin in October 1946. To realize this project, the reduction of research development and manufacturing capacity had to be prepared and implemented. At the same time it was necessary to create the conditions for the construction of the equipment and for the accommodation of the German technical personnel in the USSR. {10}

But back to the events in Jena in July 1945. On 11 July 1945 came an inspection group of the People's Commissariat for Armaments to Jena, the lieutenant colonel of the artillery Skopinzew management and engineering majors Turügin and Vinogradov belonged. Skopinzew had taken off before the Second World War, the Zeiss deliveries to the USSR and kept the connection to the Soviet trading company in Berlin. {11} The inspectors took the laboratories, design offices and workshops in inspection and showed particular interest in the optical military equipment. Finally, they discussed with management, which military equipment could produce the work for the Red Army. Ernst Fischer, who was responsible for military equipment production, gained from a conversation he had on 17 July 1945 with Turügin

had led the "impression that the Trilateral Commission this report will be essential in the part of the competent People's Commissariat in Moscow decisions to be taken" on the best and most appropriate utilization possibility of the Jena potential. {12}

On 19 July 1945 completed the three emissaries of the People's Commissariat their inspection. While the colonel returned to Moscow, the engineering majors remained in Jena. In its inspection report on 18 August 1945 was in Moscow, it was recommended to send in the next few months a larger circle of professionals to obtain information to Jena to dismantle the area of ​​armaments, the "civilian part of the plant (meaning Gerätebauanstalt author) in the central business Zeiss and the production of optical lenses for this factory Schott "for the time being to leave and fully restore. has also been proposed to use a Soviet director and chief engineer with the order in Jena to develop planning data for the reconstruction of the dismantled production in the Soviet Union. {13}

The People's Commissariat continued on 28 July 1945 a Technical Commission in a Zeiss Works, which was initially led by Turügin and Vinogradov.

{10} Matthias Uhl: The Ministry of Armament of the USSR and the dismantling of the Carl Zeiss works in Jena - a case study. In: Soviet dismantling in Germany from 1944 to 1949. Background, objectives and effects. Edited by Rainer Karlsch / Jochen Laufer with the assistance of Friederike Sattler. Contemporary History Research Volume 17, Berlin 2002, pp. 119-123.

{11} BACZ No. 6471 (memorandum of ongoing discussions with Lieutenant Colonel Skopinzew

on 16 July 1945).

{12} BACZ No. 6471 (memorandum Ernst Fischer Meeting with Major Turügin of 17 July 1945).

{15} Uhl: The Ministry of Armament of the USSR, p 118

[Page 28] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

A short time later became Major General Nikolayev, head of the Commission. This Commission, which has been factory internally referred to as Soviet or Russian factory Commission went after the foundation company on 31 December 1945 had been asked by the chief of SMA in Thuringia, Kolesnitschenko, under sequestration, in the Soviet administration of the works Zeiss and Schott. {14} It has been since the end 1945/Anfang 1946 by the Captain of the 2nd Head office in the People's Commissariat for Armaments, Major General AE Dobrowolski, passed. The head office was responsible for the overall opto-mechanical industry in the USSR. Major General Nikolayev now functioned in this administration as chief designer. The other employees of the factory Commission retained responsibility for the various subject areas.

The officers of the Soviet factory Commission had to manage between summer 1945 and autumn of 1946, a wide range of tasks. The main task was the preparation of the complete dismantling of the company of the Carl-Zeiss-Stiftung and the precision mechanics and optics works in Saalfeld and Gera. Then it came to the systematic development of the level of development in the field of military optical instrument design. This led the Commission to work particularly on the continuation of selected development issues. These gave Nikolayev on 7 September 1945 Hugo Schrade a list of 40 devices whose development during the war could not be completed and to which the People's Commissariat had a special interest. He let the Director know also that in the course of the conversion process nothing should be destroyed, because "the rich experiences of CZ will Russia benefit." Whether the production of these devices will take place in Russia, was not yet clear. {15} Hugo Schrade who was keen to separate the development and production of military equipment within the plant, proposed to carry out the work on the 40 sample devices in a particular department. In this department with the later name Konstruktionsbüro experimental units (CoA) working end of March 1946 150 persons under special safety regulations. {16} The responsibility for the construction of the sample devices was Hans Bachmann and transferred to other military equipment Georg Kresse.

On 26 November 1945 received Hugo Schrade of Major General Nikolayev a list of the "most important scientific and technical tasks that must be performed and of the company Carl Zeiss independently in cooperation with the firm Schott." It contained twelve scientific and technical

{14} Guard Major General Kolesnitschenko had with his command No 156 of 31 December 1945 on "the firm Karl Zeiss and their branches: Optical factory in Saalfeld, apparatus in Saalfeld, Technical plant in Gera with a total value of RM. 93,586,152. - It. balance sheet "a" sequester down "BACZ No. 15132nd

{15} BACZ No. 6257 (arrangement ordered development work with Nikolayev of 7 September 1945).

{16] BACZ No. 6359 (Minutes of a meeting with Nikolayev of 7 September 1945), (special permission to enter the Dept. KoV of 16 November 1945); BACZ No. 9793 (minutes of the superintendent meeting of 1 April 1946) .

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 29]

Complexes on military technical field. {17} In a letter to Hugo Schrade Nikolayev named these complexes and the type of results expected. The twelve complexes are listed in Table 3 in the Appendix Table. For Nikolayev, the work on the quartz melting and ultrarotempfindlichen cells had priority. The factory Commission fmanzierte the processing costs from its own budget. {18} The Executive Committee relating to the individual complexes professionals as a responsible leader. {19} In order to properly process the "ultra-red-theme" were Dr. Paul Görlich, Dr. Paul Gänswein Dr fetched. Alfred Krohs and engineer Werner Haunstein of Zeiss Ikon Dresden to Jena. {20} In March 1946, Nikolayev made very detailed requirements for the organization of this work. Although the running time of different topics was designed to late 1946, urged the Commission work on the completion of the work. {21}

The second task for the staff of the Soviet Works Committee was to ensure that Jena technicians and skilled workers prepare a manufacturing facility for the camera Contax in the USSR. First, the Zeiss works had since August 1945 photographic lenses to Zeiss lkon to deliver in Dresden. In September, the Technical Commission requested the production of the complete camera at the Zeiss factory. On 17 October 1945, the management was finally instructed for a camera manufacturing in Kiev until 1 March 1946 to create the technical basics. {22} This included drawings for

all the individual parts, assemblies, tools and equipment, the description of all operations, specialty and installation instructions, etc. as well as construction and testing of tools, jigs, gauges and special machines. This

Job could be completed only in September 1947. {23}

In February 1946, the Board awarded the contract to design a lens factory for the USSR. The Optics Plano rod formed to engineers, technicians and foremen created a comprehensive documentary about the optics manufacturing. For the first time, the technological process for the production of optical elements and systems of a modern engineering point of view has been described in 18 volumes. {24}

{17} BACZ No. 13449 (Minutes of a meeting with the Soviet factory Commission on 26 November 1945).

{18} BACZ No. 4900 (Technical and scientific development tasks - Major General Nikolayev on 26 November 1945).

{19} BACZ No. 4900 (Editor of the technical-scientific development tasks).

{20} Information by Werner Haunstein.

{21} BACZ No. 4900 (The most important scientific and technical tasks that must be performed and of the Carl Zeiss independently in cooperation with the firm Schott (Commission NKVV) Order of 26 November 1945).

{22} BACZ No. 15127 (meeting between Turügin, Schrade and hollow v. Beck on October 17, 1945); BACZ # 647 (Contax lenses and manufactured by Carl Zeiss Accessories September 11, 45.).

{23] BACZ No. 4718 (command of Major Selenin of 12 September 1947).

{24} Edith Hellmuth: The development of the VEB Carl Zeiss JENA 1945-1954 as part of the economic development and economic structure of the Soviet occupation zone and the GDR. Graduate thesis, Humboldt University, Berlin 1989, p 20

[Page 30] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

The members of the Works Committee finally controlled that the job of the supply department of the Main Political Administration of the Red Army from the early autumn of 1945, to manufacture 5,000 Cinematographic projectors for a Soviet model, was carried out. {25} In December 1945, the production of Tonkinokoffers K 25 began, and in early 1946 the improved K 101 {26} From both models, a total of 3,500 units were delivered to the Red Army. {27} In this case, had to be overcome extraordinary difficulties that resulted primarily from the desolate state of the industry. In addition, Major General Nikolayev demanded the construction of a completely new system. Under the designation D 15 was

a device that has been produced since 1947 in the Optical Institute Saalfeld in a larger number of units and a broad customer base found. {28}

Figure 3 Managers Rudolf Müller and Major Lebedev on Tonkinokoffer K 25 1 March 1946

The reparations in 1945 and 1946

The Soviet targets for 1946

From autumn 1945, the third object of the work of the Commission came to the fore. She had to take care that the various Soviet departments with Zeiss products were supplied from current production. Recipients were academic institutions, state trading organizations which supplied the Red Army and the civilian population in the USSR consumer goods, as well as Soviet foreign trade company. After the

{25} Ivan Sosonowitsch Kolesnitschenko: developed in the common struggle for the new antifascist democratic Germany and strengthened our eternal friendship. Contributions to the History of Thuringia (ed. SED district leadership Erfurt, District Commission for the Study of the history of the local labor movement), Erfurt 1985, pp. 33-34.

{26} BACZ No. S 95 (wl report of the Technical Directorate about the Zeiss factory).

{27} BACZ No. 15834 (draft letter from Carl Zeiss Jena to the finance department of SMATh of 11 August 1947).

{28} BACZ No. 13449 (Minutes of a meeting with the Soviet plant 26 November 1945); BACZ No. S 95 (Report of the Technical Directorate about the Zeiss factory).

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 31]

SMAD had newly regulated in October 1945, the organization and financing of reparations from current production of East German enterprises, the factory Commission requested the beginning of November 1945 by the Executive Board, the submission of a production plan for the year 1946. Thus, the foundation company was acquired by the Soviet planning system, because now no longer certain the management the scope and content orientation of the production program, but the second Head office of the People's Commissariat for Armaments and the Department of reparations and deliveries in the SMAD. The management had calculated and indicated a potential production volume of 83.2 million RM due to the given conditions for 1946. Thus, the Soviet side was not satisfied. In a meeting, the Head of the Department for reparations and deliveries, Major General Sorin, on 17 November 1945 led to the Zeiss business leaders in Berlin-Karl Horst, it was mainly about the reparations that were expected from the Zeiss factory. The Major General said the managers: "The company is obliged to reserve primarily their entire (or almost all) of production for the orders of the ARL (Department of reparations deliveries and author). The production of CZ is blocked by the ARL. Direct delivery to Russian needs support without ordering the disposal of the ARL is not allowed except at the current photo and Telez {29} old jobs. "{30} Sorin held the by the management

for 1946 provided for production volume too low, pointing to the sales in 1944, which had amounted to 215-240 million RM. Hugo Schrade made the Major-General points out that the sales figures of the war years included not only the benefits of the Zeiss plant, but also the suppliers. Without these supplies the Zeiss sales have only amounted to 87 million RM. Hugo Schrade expressed to Major-General nor the Please make sure the diet of the workforce. In fact, Jena became the first November 1945 classified as an industrial city, to which the food supply in Jena improved somewhat. {31}

'

The Board increased the planned production volume for 1946 to 116 million RM. {32} Major Selenin, responsible for production planning in the factory Commission, the proportions between the product groups revised again. So he reduced the planned production hours for the Departments microscopes, medical equipment, surveying equipment, precision instruments, as well as binoculars and raised them in Analysenmeßgeräten. {33} These requirements

{29} In-house abbreviation for the group scopes (binoculars, scopes).

{30} BACZ No. 15293 (old) (meeting at the Department of reparations and deliveries in the SMAD November 17, 1945).

{31} BACZ No. 26785 (old) (catering 1945).

{32} BACZ No. 6497 (overview of the production plan and its fulfillment in the quarters I-IV 1946).

{33} BACZ No. 15293 (old) (meeting with Major Selenin on production plan for 1946 on 26 to 27 December 1945), No. 8043 (overview of the evaluation conducted by Major Selenin program change), No. 8233 (minutes of the meeting manager January 4, 1946).

[Page 32] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

proved in 1946 anyway as preliminary, because the specific job situation changed constantly.

The problems of plan fulfillment

Since the Board looked at the pressure from Major General Sorin and factory commission newly formed production plan for the year 1946 as unrealistic, she decided on 26 December 1945, the work of the Commission for the first quarter of 1946 to submit a plan in two variants. The first variant contained the imposed production target and the second probably the attainable production levels. The management chose this way to hedge against a penalty, which threatened in the event that the required supplies to the USSR was not made on time. The second variant was justified as follows: "The purpose of this list is not only our safeguard against the Russians in terms of the penalty, but also to try together with the Russians, to remedy the difficulties encountered!" {34}

In fact, showed it after a few weeks that the Soviet notions of the performance of the Jena company were unrealistic in these times, because the prescribed for the first quarter 1946 revenue could not be reached. So it was also in the following quarters, so that the Commission was working despite all the threats against the Executive compelled to reduce production runs. {35}

There were several causes. The Zeiss works no longer received the necessary supplies. The Gußlieferungen from Saxony and Thuringia were almost completely failed, because the foundries had neither cast iron nor suitable fuels. There was a lack of electrical products for the devices that had been related to the war, mainly from southern and western Germany. It was the same with black metallurgical semi-finished products, specialty chemicals, diamonds, mirror glass, tools, etc., which were to end of war also supplied from West Germany. The experiments in

the Eastern Zone replacement to create, had only limited success because the relevant company itself raw materials and fuels were missing. Many companies were unable to deliver because of bomb damage and disassembly.

In the Zeiss works even existed operational bottlenecks. The Teilerei was the required production increase capacitively not grown. As missing four automatic Kreistelimaschinen and two or three machines for the production of the linear partition to meet the requirements. The lack of castings

{34} BACZ No. 4902 (creation of two lists for production and deliveries of 26 December 1945).

{35] BACZ No. 6497 (overview of the production plan and its fulfillment in the quarters I-IV. 1946 of 19 June 1946).

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 33]

let the natural production of these machines do not. The joinery and the Mikroskopfasserei were not fully operational by bomb damage. On top of that the joinery was claimed by the many custom-made for the occupation forces over charge. A parade of manufacturing facilities in suitable premises could be due to lack of transport does not bewerkstelligen.In the considered weeks and months, it was not possible to perform the usual in the Zeiss factory work performance. There was a lack of incorporated labor forces. A large proportion of skilled workers was still in captivity. Newly hired workers first had to be incorporated. The relocation of skilled workers in the American zone had torn a sensitive gap. A significant number of technically expert staff members had been arrested by Soviet authorities for different reasons. The multilayer system could not be reintroduced without further ado, because the ways of working in the evening and night hours uncertain and the transport links were highly erratic. All this meant that the plant only 70 percent of the power provided peace. {36}

Revenue generated from November 1945 to December 1946, and the part that was claimed by the Soviet occupation authorities of this is shown in Table 4 in the Appendix Table. To set the production back on track and execute the Soviet orders, the management was forced to take significant loans from the State Bank of Thuringia. In a draft letter to the National Office of Finance Dr. Friedrich Wönne describes the situation in late 1946: "We have the Russians on Russian command must expand our manufacturing on a large scale after the occupation of Thuringia on 07/01/1945 to the demands of the Russians on being able to meet deliveries of equipment for reparations. This increase has taken place against our will, because we have expanded our point of view works only up to a staff of 7-8000 people. Since the assets and inventories for reparations were purchased from us, it seems right and proper that they be treated by the Russians as reparations and not as spoils of war, especially since the reparations consisted solely of civil devices. {37}

The Carl Zeiss company took in the second half of 1945, three loans totaling 10.496 million RM on, from February to November 1946 were added further loans in the amount of 142.96 million RM. Of the Reparationskredite accounted for 49.8 percent. These liabilities were offset by claims on the Soviet authority in the amount of 38.2 million RM. In addition

came the expectation that the application of 14 April 1946 on increasing the price of the Zeiss products provides an additional payment of ten million RM. This

{36} BACZ No. 8043 (letter from Hugo Schrade to the Soviet factory 21 December 1945).

{37} BACZ No. 19667 (draft letter to the National Office of Finance of 21 November 1946).

[Page 34] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Application had been justified by the fact that the stop prices from 1944 do not cover the costs actually incurred. Until the end of October 1946, the required price increase had not yet been approved. {38}

Having had the officers of the People's Commissariat or the Ministry for Armament {39} over the content orientation of research, development and production, the management was no more room to achieve their strategic intentions of July 1945. The conversion process was interrupted by the development contracts for military optical devices. It had to profile foreign orders will be executed. This included the construction of the new Tonkinokoffers and its production in large numbers as well as the development and construction of equipment for a factory for photographic cameras. These orders also not allowed to separate from the Gera Technical workshop GmbH and Saalfeld Apparatus-Gesellschaft mbH, at the initiative of the Armed Forces exclusively for the production

arose of arms. The reparations forced to expand the manufacturing capacity strong. Also was not the original intention of the Board, for it was impossible to know if it will still be enough jobs for this capacity after the end of reparations. From the viewpoint of the Minister for Armaments, this capacity expansion was of course an advantage, because the enlarged park equipment proposed in the planned dismantling of the Soviet Union to book.

On the other hand, allowed the Soviet contracts, particularly reparations from current production, the core staff together and to complement. Many workers from Jena and surroundings who were conscripted during the war to work in the Zeiss works, including especially women and girls, who again took up employment in the Zeiss works, received not only to earn, but also food stamps, so authorized, larger food rations to buy. During November 1945 7.593 employees received special food stamps, there were 27 September 1946 12,532. Of them received 4.8 percent for heavy laborers card, 49.2 percent the heavy work card, 42.0 percent of the working card and four percent of the ration card for employees. {40} Both earning and ration cards was vital during these months. The inhabitants of the Soviet occupation zone had no access to their savings to banks and savings banks at that time.

{38} BACZ No. 19667 (draft letter to the National Office of Finance of 25 November 1946).

{38} On 15 March 1946 was adopted the Law on the reorganization of the Council of People's Commissars and the Council of Ministers of the USSR, followed by the People's Commissariat Department fürBewaffnung.

{40} BACZ No. 26785 (old) (Lebensmittelkarteneinstufung. September 27, 1946).

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 35]

Deportation, removal and resistance

The orders from Moscow, and the resistance to the complete degradation of the Zeiss plant

On the night of 21 22 October 1946 heralded Soviet military in the homes of 275 Zeissianern and 12 Schott staff and shared with the from the night's sleep startled that the Soviet military administration has ordered the "company where you have worked so far, together with the technical staff, for "to lay." further work after the Soviet Union With this company you will also be mobilized to work in the Soviet Union .... Now you are required to total with your family, your belongings to board rail wagons .... When packing your belongings in the car you will assist the soldiers "{41}

Among the Zeissianern selected for a work placement in the USSR about 36 employees were located, according to Victor Sandman from the scientific field, 100 from the construction and 130 from production. {42} belonged to them Zeissians, which, as Dr. Karl Gundlach and development manager Artur Pulz, the retirement age or had already almost achieved. As the designer Walter Kabisius learned of his removal, he suffered a heart attack, to which he succumbed Imme time later. {44}

Hugo Schrade was on the morning of 22 October 1946 informed around 11 clock of Major General Dobrowolski about the dismantling command. The head of the Soviet government had sent a letter to the Director-picked, in which he was informed of this fact and in which the measures were included, the Hugo Schrade had opened immediately. After the letter had been read, Dobrowolski warned of sabotage in the degradation and packaging of the dismantling of the goods by the staff members and threatened to penalties. Hugo Schrade could reach that the work as far remained in operation, "in order to avoid chaos and to facilitate the clean-up." To the question of Hugo Schrade, "whether parts remain shall be communicated by Major General Dobrowolski, that in the course of this afternoon or tomorrow carried further instructions which parts remain. " Schrade then learned only that the work will continue on the Contax program.

Immediately after the meeting with the head of the factory Commission officially Hugo Schrade the directors and works councils at the foundation company of the new situation.

{41} BACZ No. 8323 (Information to the employees of the works Zeiss and Schott about their work obligation in the USSR on October 21, 1946).

{42} VA No. 5886 (letter from Victor Sandman to Paul Henrichs 29 October 1946).

{43} BACZ No. 6730 (Directory in October 1946 were deported to the Soviet Union special labor of the Zeiss factory), No. 23736 (lists of names on the return of Zeiss specialists from the Soviet Union 1951-1953).

{44} VA No. 5886 (letter from Victor Sandman to Paul Henrichs 29 October 1946).

[Page 36] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Just hours after learning of the deportation and the dismantling of command, the actions started against the feared rightly complete degradation of the two founding companies. They were made at different levels and from different interests.

Of the Germans who opposed a total dismantling of the foundation company, no one spoke out against Germany's obligation to make reparation for the damage that had caused the German Wehrmacht in the USSR. However, they were of the view that, therefore, a well-functioning and complex economic organism does not have to be destroyed, for it was quite possible to provide the reparations in the form of precision mechanics and optical products, measuring and test equipment and special equipment. The management had submitted relevant offers immediately after the announcement of the dismantling command. {45}

In Jena, Weimar and Berlin worked together different political forces in order to prevent the total dismantling of the works Zeiss and Schott. The Foundation Commissioner, the Director and works councils, the Thuringian Minister President and functionaries of the SED intervened in the Soviet Military Administration against disassembly. Even Wilhelm Pieck and

Grotewohl, the chairman of the SED, sat down at the Supreme Chief of the SMAD, endeavor to retain equipment factory in Jena. Ultimately, however, was probably the interest of the Soviet Military Administration responsible for the fact that the Jena-based company were not completely degraded, but remained in nuclei. As Sokolowski learned from the beginning of the dismantling in Jena, he turned to Stalin. He argued in favor of keeping the equipment in Jena, who were required to supply the industry with Saxon camera lenses for photographic and cinema cameras because the camera industry had to provide substantial reparations. For the Reparationsaufkommen was ultimately responsible Sokolowski. In September 1946, a Soviet general had ordered the Zeiss factory so, monthly 6,000

To provide photographic lenses to Dresdner camera works. {46} It may for Sokolovsky opposition but also have been political reasons for the dismantling of the precision mechanics and optics companies in Thuringia was at the same time, in the other major production facilities in East Germany were reduced. Among the Junkers works in Dessau, the Henschel works in Staßfurt, Siebel works in Halle, several large printers and fuel and energy producers were. {47} This had an impact not only on the economic mainstream in the Soviet occupation zone, but also to the mood of the population. Both complicated the political order of the SMAD to change the socio-political relationships within the meaning of the USSR in Eastern Germany. The Allied Control Council showed the western

{45} BACZ No 1748 (suggestions from Carl Zeiss).

{46} BACZ No. 14985 (state of disassembly).

{47} Reiner Karlsch: Alone paid. The reparation of the SBZ / GDR 1945-53, Berlin 1993, p 80

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 37]

Representatives at this time anyway no more understanding of the reparations policy of the USSR. So took the head of the Economic Policy Department, Friedrich Wönne, on 2 November 1946 a telephone call counter, in which an employee of the Berlin Zeiss branch reported on that in the coming week an ally Control Committee is to be formed, which will deal with the recent dismantling and deportations in the Eastern Zone. {48}

Sokolovsky intervention with Stalin succeeded. On Stalin's statement submitted to the Council of Ministers of the USSR on 5 November 1946 found that six percent of the total capacity of the Zeiss plant is exempt from disassembly. Probably Sokolowski had proposed to maintain ten percent of the total capacity in Jena, because this statement received Jobst Rudolf, Erich Matthes, Otto Marquardt and the Chairwoman of the bulkhead work, Edward Heintz, on 7 November 1946 in a meeting with Otto Grote welfare and Wilhelm Pieck. In the note on this meeting at the party chairman who has made Hermann Fechner, representatives of fdgb Thuringia, stated this:

"Over the course of the debate then gave the comrades Wilhelm Pieck and Otto Grotewohl a report on the agreements reached until the hour of the SMA Karl Horst. It is important to notice that the part of the SMA Karl Horst, the commitment in principle was that a basis for the reconstruction or re-development of a peace-time production is left in the two companies. There is about the amount of the percentage of remaining operating capacity no final determination was made, but only with about 10% expected "{49}

Ustinov, who in turn Stalin objected to the request put forward by Sokolowski had obviously taken to ensure that only six percent of production capacity are excluded from the disassembly. He ruled on November 15, 1946, to, nothing to leave by the laboratories and production lines, which was for his ministry of interest. {50}

Once it became clear that the Zeiss works from the Soviet point of view supplier of the camera industry began between the management and the Soviet administration of the works Zeiss and Schott tough negotiations on the scope and quality of the equipment, which must remain in Jena, so that the expected benefits provided can be. Industrial Management at the Soviet Military Administration It had to be switched so that a minimum of technical equipment was left behind.

After Hugo Schrade had noted that ten percent of the production capacity remain in Jena, he immediately began reconstruction planning. On 9 November 1946 he submitted to Major General Dobrowolski in a conversation first proposals for the resumption of production {51}

{48} BACZ No. 8086 (Demontage. Soviet arrangements).

{49} BACZ No. 14986 (memo concerns disassembly of the Zeiss Company and Schott Jena November 7, 1946).

{50} Uhl: The Ministry of Armament, p 129

{51] BACZ No. 4699 (letter from the senior management to Dobrowolski on 10 November 1946).

[Page 38] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

and left two days later pick out drawings for a future production. He commissioned Karl Müller, head of the Planning Board to compile the part of the machinery which must be excluded from the dismantling in any case. Müller suggested that 700 remain of the 10,600 machines, which were available to the plant in October 1946, wholesale and retail 250 machines in Jena. According to the plans of Schrade and Müller future production program eyeglasses, photographic lenses, medical equipment, microscopes and precision instruments should include. Due to the allied provisions they wanted to dispense with the production of geodetic and aströnomischen devices Bildmeßgeräten and binoculars. Friedrich Wönne requested Schnittger, who was responsible for industry for the opto-mechanical industry in the Central Government, enter in the SMAD ensure that the lattice part of the machine and the 1 m-part machine can not be taken away as it passes through the transport

anyway unusable would. Schnittger also should work to ensure that machinery and equipment are exempt from removal, which were essential for an efficient factory, which also affected the means of production, of which there was only one copy in Jena. Wönne wanted to learn by Schnittger even if material and machinery, the eighth after the May 1945 were purchased, are also subject to removal. {52}

The dismantling of the course

The dismantling work began in early November 1946 and went on until mid-March 1947 back. While dismantling the work for the Contax program and the Reparationsaufträge ran on. But just as progressed the dismantling work, the production came to a standstill. In the first half of November 1946, the soldiers of the brigade trophy built the equipment from Park systematically. Of the total of 8,700 staff members working on 8 November 1946, 76 percent for disassembly Brigade, 6.5 percent were still busy with the Contax production and 17.5 percent with Reparationsaufträgen. {53}

Mid-November 1946 made Dobrowolski accelerate the dismantling work. Since the employees of the Zeiss plant was not sufficient to cope with the amount of works requested Dobrowolski workers from Jena employment office. {54}

Under the 15 November 1946 noted a report by the production management, that in the individual departments - except for the Contax production -. Stand 90 to 100 percent of the machines for the removal ready {55} To the

{52} BACZ No. 8086 (letter from Wönne Schnittger on November 13, 1946).

{53} BACZ No. 8086 (Dismantling the Zeiss factory); 14985 (state of disassembly).

{54} BACZ No. 27200 Diary of the works council (entry of 13 November 1946).

{55} BACZ No. 9796 (Report of the FBL of 15 November 1946).

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 39]

To bring the machine to the factory yard, the building walls often had to be torn, and the quality of transport packaging is recorded in a report:

"The packaging is very primitive and probably short-lived. To each machine a bar rack is built, which is screwed together with machine screws. The holes for the machine screws are often only drilled at a distance of 4-5 cm from the beam end, so that the beams have split now. The finished beams bolted together frame is then slyly from the outside with boards. The inside of the box is lined with ungesandeter roofing felt. The top of the box is not covered with roofing felt, so that the box lid can be destroyed by rain water and snow. "{56}

[Image 4]

Figure 4 Packing of dismantled machines in the Zeiss factory. November 1946

In mid-November 1946, the removal of the disassembly good, and on 12 December 1946 is a report on that half of the machines and two-thirds of the tools have already been brought into the USSR. {57} As the year went on to the trophy brigade, from the factory buildings

{56} BACZ No. 14985 (state of disassembly).

{57} BACZ No. 14985 (state of disassembly).

[Page 40] 1945-1948 Carl Zeiss Jena

Device for the transport of media - electric lines, compressed air, gas and water pipelines -, doors and windows, including frames, heating systems, built-in cabinets, etc. to remove. But had the factory Commission on 9 December 1946 an "Instruction on the dismantling of the interiors of rooms," published, in which is also described in great detail what is to be observed in the reduction of sanitation: "Before removal of the toilet bowl and urinals are clean it with soda and bleaching powder . Following acceptance, a second cleaning with soda and chloride of lime "{58} occurs

This part of the disassembly obviously had a dual function. He served on one hand, to create the conditions for an infrastructure in the Soviet works. Secondly, this should work the building for reuse are made largely useless. From the complete destruction of those buildings were only excepted in which the Contax executed works and which were required for the photo-optics program of SMAD.

In the course of dismantling it came to conflicts between the Zeissianern and officers and soldiers of the brigade trophy. The management and the works council had to deal with the Soviet leadership personnel for salaries of staff members, for the trophy brigade was responsible for the payment of the German workers. She had for a budget that had been measured in Moscow but obviously too tight. In addition, the trophy brigade just wanted to reward the German workers who carried out the dismantling work. This can, however, only in the position when the entire operating body work. The workers, who made it, it was on the 2nd December 1946 at least 1,093 persons were not on the staff lists of the brigade and therefore received no reward. {59} The management demanded but to pay these workers from the brigade budget. The remuneration from the trophy brigade was highly irregular. Erich Matthes mentioned in a conversation that at 15 he January 1947 with Walter Ulbricht led that nearly 1,500 workers had remained seven weeks without pay and thousands of workers have been paid only irregularly. {60} Otto Marquardt stated under the 26 November 1946 in the works diary that the workers Schiemann and Helfrich and half of colleagues their jobs only receive an hourly wage that is lower than a RM. The councils had with the officers on both the payment of overtime as well as on the related surcharges

{58} BACZ No. 9796 (Instruction on the dismantling of the interiors of rooms 9 December 1946).

{59} BACZ No. 19205 (wage payment to disassembly forces).

{60} BACZ No. 14912 (Matthes: Note on a meeting with Walter Ulbricht on 29 November 1946). '

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 41]

Amounting to 20 percent urge. Similarly there were problems in the payment of holiday premiums, compensation and separation in the fare refund.

Towards the end of 1946 turned out in negotiations with the Works Committee that the Ministry of Armaments in the assumption that the dismantling work will be completed by the end of 1946, had made no further financial provision, so that funds until the end of January 1947 stood ready to to pay the outstanding wages. {61}

The managers and the council felt obliged again and again to take staff members against assaults by the military in protection. So Otto Marquardt held under the 16th November 1946 in the works diary: "The Rosary and colleagues Gretscher have been beaten and choked by the Russians" And on December 15, 1946 bears Otto Marquardt. "Koll Kimmisch, Klemp (plumbing author) is for refusal of overtime of Russians fired. He is 31 years at Zeiss. I assure him that he gets a job again in 1-2 weeks. "{62}

The officers suspected constantly that the Zeissians their instructions do not execute properly. Any actual or apparent irregularity could be interpreted as sabotage and punished. This was also demonstrated on 20 November 1946 in the construction of 29 of the main work. On this day when transporting heavy machinery boxes of freight elevator had crashed. Major-general

Dobrowolski claimed on 21 November 1946 compared to the works council, the supporting cable was cut. The workers bird and Frank from the photo-turning shop, Mechsner from the F-milling and Klöpsch from the F-turnery, who had performed with the transport work, had been immediately arrested by the NKVD. However, the investigation of the process showed that the rope was pulled because it was drawn when pulling out the boxes with the help of a crane over a sharp concrete edge of the wall. {63} The result of examination and the occurrence of Otto Marquardt and Erich Matthes for the arrested resulted in Dobrowolski then to the fact that three of those arrested were released after three days, Bird but only on 4 December 1946 returned to work. In general, workers were repeatedly interrogated by members of the NKVD. In Erich Matthes Walter Ulb message reported in the previously mentioned meeting: "In addition, the workers on the interrogations at the NKVD is concerned.

Notwithstanding the sharp controls and the risk of being arrested, managed company employees selected tools, gauges, measuring equipment, etc., as well as valuable written documents with the intent aside, they make for reconstruction. On 3 December 1946 were Rudolf Klupsch

{61} BACZ No. 19205 (dismantling affairs).

{62} BACZ No. 27200 Diary of the works council (entries 16 November and 15 December 1946).

{63} BACZ No. 9796 (Dismantling FBL).

[Page 42] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

arrested and some of his colleagues from the material laboratory because they had hidden a spectrograph Q 24 and a metal microscope before the trophy brigade. {64}

In the course of dismantling the mood deteriorated rapidly in the workforce. The type of disassembly was perceived as meaningless. No one could imagine how the sensitive equipment and machinery to withstand carriage and could be taken in the USSR again. There were always rumors of further deportations. Before

all the employees who worked on the Contax program, feared that if their job is completed, could be brought together with the equipment to the Soviet Union. In one of the council members on 15 November 1946 worded report states:

"There are indications exist that a new evacuation of specialists is occurring or is imminent. It had lists of specialists from research and development departments to be submitted with details of their special work areas and their special work and its duration - as well as salary and other information about themselves "{65}.

The report also provides information about the "Stay Out of specialists from work ', which had increased in recent days. It has been suggested that they have traveled in the Western occupation zones.

What was the mood in the workforce Zeiss, shows the text of a leaflet, on 19 November 1946 in the north-work circulated: "For the 100th anniversary of the company Carl Zeiss Jena. Do not be saboteurs of the German economy. Lined up with you in the ranks of civil disobedience one! "{66}

The 100th anniversary of the Zeiss plant was originally to be committed in an appropriate form. But under the circumstances it was the directors are not able to realize their projects. On 17 November 1946 conceived the managers and representatives of the works council at the grave of Carl Zeiss, the special day in the history of the company, and Friedrich Schomerus wore in his apartment a small circle of Zeissianem the speech, which he wrote on this occasion for the solemn assembly in the People's House had.

The Demontagegut was shipped between mid-November 1946 and June 1947 to 7,232 cars and shipped in 155 trains in the USSR. It consisted of 13,693 technical equipment, including 2,140 special optical machines, lathes 2,218, 1,197 drilling and milling machines, as well as 980 of 84,516 tonnes of material, including laboratory equipment and technical documentation, semi-finished products, nonferrous metals, office supplies, sanitary facilities. {67}

{64] Reinhard Bernst: History of the Materials Laboratory of the company Carl Zeiss. In: Jena Yearbook on the technology and industrial history in 2002. Society for History of Technology in Jena, Jena 2002, p 135

{65} BACZ No. 14985 (Report of the council of 15 November 1946).

{66} BACZ No. 27200 Works Diary (entry of 19 November 1946); Mühlfriedel / Hellmuth: The Diary of the Works, p 201

{67} Uhl: The Ministry of Armament, pp. 130-131.

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 43]

The Usefulness of the Zeiss equipment and deported to the Soviet precision engineering and optical industry

The use of the equipment

The Minister for Armament was his intention to rebuild the Zeiss works at a single location in the USSR - as with other dismantled objects in his ministry area was possible - do not realize, because the Council of Ministers had him for granted no special program. And because he stood for such a project does not have the necessary financial resources, materials and labor available, Dmitri Ustinov had to find another solution. On 16 June 1946, he issued a secret instruction No. 188, which contained all measures for the use of the disassembly good and the accommodation of the deportees from Jena. The order called for to distribute the dismantled machines and equipment at 14 opto-mechanical operations. Only the equipment from the Jena glassworks was completely assigned to the Plant No. 233 in Lytkarino near Moscow. For the deportees jobs were provided in eight farms.

The preparatory work for the inclusion of disassembly goods were not made in the planned pace, so that was in December 1946 in the first three opto-mechanical undertakings would be able to absorb the allocated machinery and properly stored. The other operations needed until the summer of 1947 to use at least 50 percent of the machines and facilities. The Leningrad Mills Nos 349 and 357 found themselves unable to take over the machine and store. For most of the disassembly good given the plants Ranked # 233 in Lytkarino, # 393 in Krasnogorsk, # 784 in Kiev, No. 349 in Leningrad, No. 589 and No. 355 in Moscow in Zagorsk. The Minister for Armament suffered because of money, material and labor shortages that the commissioning of the equipment delayed again and again. The order of assembly was determined by military interests. According to the plans of the Ministry of armament was provided until the end of 1947 the production of rangefinders in Plant No. 69 in Novosibirsk and bomb target devices in the work to take No. 589 in Moscow. In contrast, one could see at this time, the operational readiness of the equipment for civil products only 20 to 40 percent. Until the early fifties it was finally able to resume production in manufacturing various civil groups. These included microscopes, equipment for spectral analysis, refractometers, geodesic devices, cameras, as well as photometric devices. The production of spectacles, binoculars, riflescopes, medical or astronomical instruments came only to a limited extent or not at all in motion. {68}

{68} Uhl: The Ministry of Armament, p 125

[Page 44] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

The use of Zeissians

The deported Zeiss specialists were in groups of different sizes their jobs in various works assigned. {69} The largest group of 117 people, among them four Saalfeld, came into the factory # 393 in Krasnogorsk. They were skilled workers from specialized workshops such as the final dimensions, gear shop and the teaching and production of various fields of optical engineering, in particular professionals for photo lenses and photographic lens production. Among the optics professionals also employees who dominated the technology for the production of the T-pad {70} were. Furthermore, in Krasnogorsk assembly workers were for Konstruktionsmusterbau and Bildmeßgeräte, technicians, engineers and designers from all design areas - excluded from the design office for astronomical devices - operates. Scientists from the cell, crystal and electrical laboratory, the Reproduction Laboratory and the Central laboratory had also assigned to the Krasnogorsker work. To them, the physicists were Dr. Paul Gänswein, Dr. Alfred Krohs and Dr. Paul Görlich from the cell lab, head of reproduction laboratories Dr. Charles Gundlach, the scientist Dr. Harald Straubel from the crystal lab, the famous developer of Astro- optics, Dr. August Sonnenfeld, and Dr. Robert Tiedecken, the expert in the field of computation of camera lenses, as well as the manager of the optical operation, Oskar Meier ball.

76 Zeissians were used in Leningrad preferably in the premises of the Leningrad Optical-Mechanical Association (LOMO) {71} Among them were mainly engineers and mechanics from the development and production of astronomical equipment, but also in the fields of precision instruments, analytical instruments, microscopes and Ferm'ohrbau and designers in the field of cinema, projection and planetariums. For the Leningrad group included Professor Dr. Friedrich Hauser from the microbiological laboratory and Dr. Konrad Kuehne from the quartz laboratory. In Podolsk the Ministry for Armament had two con-

neers from the "fine measurement, Geo, binoculars and medical instruments" used. Sokolniki was the temporary workplace for three designers from the area of ​​electrical and two mechanics from the test sample production. The group in Plant No. 569 in Sagorsk included 13 professionals from the construction and production of ophthalmic and medical devices and binoculars. plant in No. 589 in Moscow 19 Zeissians worked. they came for the most part from the design office

{69} The following information was compiled according to the lists contained in BACZ No. 6730 and 23736.

{70} by the T-coating, there is a reduction of the surface reflection of optical components due to the interference of light in thin layers. With the AR coating achieves a higher transparency of the optical systems and a reduction of stray light. The T-covering was applied at this time mainly on the optical systems of telescopes.

{71} LOMO was a union of several companies with approximately the same production profile as the Zeiss works. Within the framework of the CMEA the VEB Carl Zeiss Jena collaborated with LOMO.

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 45]

"Electrical", which also target facilities were constructed during the Second World War. This group included the two scientists, Dr. William Chamberlain and Dr. Herbert Kortum. In this work, bomb target devices have been developed and manufactured. {72}

The plant No 784 in Kiev was dedicated to the construction of machine tools and geodetic equipment. That was probably the reason why eleven designers from the design office for tools, machines, adjusting and testing equipment, five employees from engineering, to foremen and workers of the stamping, die casting, Teilerei and design engineers and production workers of the survey instrument design found their new job here . To the Kiev group also included Dr. Herbert Schorch, deputy manager of the unit operation, in which the measurement devices were produced. In this work, worked a total of 45 Zeissians. {73}

The Zeiss workforce learned only gradually through the letters from her fellow deportees, where they had arrived in the USSR for use. Friedrich Schomerus, responsible for personnel matters Leader, made contact with the individual groups. {74} In this way, the management won a picture of the different staging their employees and on their location. In the years 1946 and 1949 Friedrich Schomerus reported on the reconstruction of the Zeiss plant, and members from the groups described their impressions. This exchange of information was of course monitored and ausgwertet by the Soviet security service. Matthias Uhl found in the from him evaluated archives also a process in which the head of the Soviet State Security Service, Abakumov, on 18 August 1947 to Beria informed about statements made by an optics expert who # 349 worked in the Leningrad plant and complained about the fact that the equipment that had been brought to Leningrad "doing nothing". " The correspondent soon knew that their post Soviet censorship was defeated. They thought therefore probably very good at what they could entrust the paper and what does not so that reproduce the information in the letters of the deportees only a part of reality.

The situation was very different for the different groups at the respective places of work. In the letters from the first months of the extraordinary difficulties reflected that existed in the Soviet works to take the Demontagegut to use and deploy the Zeissians. Georg Günzerodt informed in November 1946 and in his first letter from Leningrad that he and the others of his group so far not yet

{72} Uhl: The Ministry of Armament, Appendix, pp. 141-145.

{73} locations and occupations compiled by the lists BACZ No. 6730 and the lists of returnees in BACZ No. 23736th

{74} BACZ No. 8244 (correspondence between Dr. Friedrich Schomerus and deported to the Soviet Union Zeissianern, 1946-1949). Following the resignation of Frederick Schomerus from the Zeiss factory in February 1949, no further correspondence has survived.

{75} Uhl, The Ministry of Armament of the USSR, p 133

[Page 46] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Work tasks were assigned to {76} Charles Gundlach reported from Krasnogorsk that you have used them until the beginning of December 1946 in their fields {77} Oskar Bihlmeier writes in March 1947 Dr. Ernst Wandersleb:.. "What should I do in Russia, I know not yet, sometimes it seems to me as if I should be put on hold "{78} In order to use the waiting time, he began to deal with Russian literature. Since he could barely read Russian, he oriented himself in some books based on the pictures. He requested information from Ernst Wandersleb to then look in the libraries of Moscow by German and English literature. Fritz Winter, foreman of the department aspheric optics, describes in his memoir of 1955 as a single at the time, as is its use in the factory in Krasnogorsk occurred:

"On October 1946, I came as a specialist with the 100% cleared department to Russia, I was 60 1/2 years old. Then There I made the 4 aspherical building my department, I was alone without any German assistance. But I must say, from the Russian side I got all the help, where I brought the structure also for manufacturing. It was very difficult for me to learn proper girl (men failed completely). From just 38 girls who came in succession, peeled then 5 girls as well out and the girl were of technical schools, of these 5 spoke just a

passable German. To train a champion, I only succeeded in the last year.

My boss was a technologist and worked in the Russian OBB. The same had the aspherical production and what so trimmings depends, quickly understood also spoke very good German, and has facilitated my work. Many attempts have been made with Russian bills, as daVertrauen was to the machines once there were invoices for bills over aspherical surfaces, which are also all turned out well. Setbacks are actually just caused by miscalculations.

We delivered an average of 1,200-1,500 lenses in the month, it ran not always have 4 machines. The last time we were in Russia I got an order for 12 exact condensers, {79} I said to the big boss, but it looks like lenses. However, this was denied me, because I was unwilling to make lenses. 10 Of the 12 pieces were good and corresponded exactly to the invoice.

After some time, there was great excitement, it was read to me that the lenses were very good, and at the end of the letter 6,000 units were ordered. It was here at Lenses for motion picture equipment. So there lenses, which was then confirmed to me laughing. That was shortly before our departure from Russia, the departure was regretted by my Russian superiors. It was also said to me that [underlined] I, my colleague Bernd and Dipl.-Ing. Reindel [/ underline]

{76} BACZ No. 8244 (Letter from Georg Friedrich Schomerus Günzerodt on November 19, 1946).

{77} BACZ No. 8244 (Letter from Karl Friedrich Schomerus Gundlach on February 2, 1947).

{78} BACZ No. 14944 (letter from Otto Bihlmeier at Ernst Wandersieb of 9 March 1947).

{79} condensers are optical lenses.

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 47]

(Meaning probably Walter Bernst and Rudolf Reindl author) should be given a contract for two years with very favorable conditions for us. I refused, I had become 66 years, my wife was sick, we wanted to go home, where my wife died after 2 months. To mention briefly that I, as [underlined] only [/ underline] specialist ... for my good performances by the Russian management as well as the Russian colleagues a very valuable parting gift and had later received a very nice letter, "{80}

Even Franz Peter reported from Issjum that the Russian people and the people very helpful and friendly were -.. "Only the ignorance of the language acts aggravating in every respect" {81} But not everyone Zeissians came across a friendly reception Herbert Kortum felt that the hosting environment was quite unfriendly towards the Germans - "not surprising after the war," {82} Charles Gundlach also notes in a letter.

"It does not feel that our work and our efforts, we give ourselves honestly, falling on a fertile ground for both parties. Why this is, is hard to say. The language difficulties and differences in the type of work ethic probably play a certain role. "{83}

The scientists and engineers from Jena were used in working groups and remained mostly among themselves. A Soviet liaison kept in touch with the management. In contrast, the Zeiss employees working in manufacturing were in the departments or even in brigades of the Soviet operation

[Figure 5]

[Text Image]

TO MR Anschütz, G., apprentice

It is mitgetellt you that by Order of the Soviet Government

Door you your services a monthly salary in the sum of 300 rubles.

is fixed.

It allows you every month packages in weight are 8 Klg

to send to Germany, and to obtain from Germany, 50% of your

Monthly salary to be sent in German marks to Germany.

S [A] e also it allows one-time German brands in Sowiet-

money in the sum of 3000 Rb. exchange.

DIRECTORATE

31/111-46.

[End of text]

Figure 5 statement of earnings for the apprentice Horst Anschütz, plant "Progress" Leningrad

integrated, as they met in large part guidance and Anlernaufgaben. Horst Anschütz, born in 1932, who came to Leningrad with his parents reported that he began an apprenticeship there after school. He was in the

{88} BACZ No. 18815 (memoir by Fritz Winter of 13 July 1955).

{81} BACZ No. 8244 (letter from Franz Peter Friedrich Schomerus of 28 March 1948).

{82} BACZ No. 8244 (letter from Herbert to Frederick Kortum Schomerus of 26 January 1948).

{83} BACZ No. 8244 (Letter from Karl Friedrich Schomerus Gundlach on March 26, 1948).

[Page 48] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Plant "Progress" first worked in a women's brigade., The women would have cared for him, "as her own child." He had to do everything in the operation, learned a lot. The disadvantage of this "doctrine" was - he was awarded a certificate or completion certificate.

About the living conditions of the deportees and their families

The information, which was in Jena on the living conditions of the deportees and their families were very different according to the location and the season. Charles Gundlach was pleasantly surprised in a rest home, "a former hunting lodge of a Russian count" to be accommodated and there pretty room to find an dining room with adjoining meeting and music room, hot water heating and running water, and electric lighting. {84} George Günzerodt reports already in his first letter: "Leningrad pleasantly disappointed There are no major damage, at least in the center.." {85} Friedrich Hauser was also very impressed by the city of Leningrad and its environs {86} In Issjum the small Zeissians group lived. located in a tract of blocks with hot water heater, Jacuzzi and open water, ten minutes from work. {87} The large group in Krasnogorsk had been billeted at various locations around the city. Georg Günzerodt complained of Leningrad, that a larger number of staff and their families, "housed in a colony at a considerable distance from here" was. {88} was in fact the greater part of

"Leningrad Zeissians" housed in the first year in a small castle in the western part of town near the Gulf of Finland, while far from the eastern outskirts of the settlement was, in quite a minor part of the Zeissians had found accommodation, and which was further developed. After completion of the houses also attracted the "castle dwellers" there to. The factories were in the south-east of the city. {89}

In the winter months, especially in winter 1946/47, the deportees and their families suffering from the cold continental climate. The Leningrad complained the windy and humid maritime climate. {90} The fireplaces in the houses of

Corridor were heated, did not offer much warmth. The German prisoners of war who built the houses, helped with the construction of furnaces.

{84} BACZ No. 8244 (Letter from Charles Gundlach at Schomerus of 2 Februar1947).

{85} BACZ No. 8244 (Letter from Georg Friedrich Schomerus Günzerodt on November 19, 1946).

{88} BACZ No. 18805 (memoir by Prof. Friedrich Hauser about his work at the Zeiss factory).

{87} BACZ No. 8244 (letter from foreman Franz Peter from Issjum to Frederick Schomerus of 28 March 1948).

{88} BACZ No. 8244 (Letter from Georg Friedrich Schomerus Günzerodt on November 19, 1946).

{89} According to statements by Otto Straube, Gisela and Horst Anschütz, which were as children and young people with their parents in Leningrad.

{90} BACZ no: 8244 (Letter from Georg Friedrich Schomerus Günzerodt on March 27, 1948).

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 49]

The diet prepared the Jenaern significant problems. The woman of the locksmith Walter Sweet, who was employed in Kiev, missed, especially fruits and vegetables. Only the working family member got potato allocation - one pound a day. "Can you imagine a household without this?" She wrote to a family friends in Jena. {91}

To many prepared the unbalanced diet health problems. However, some letter writers showed up with the food supply satisfied that she was good and sufficient, at least better than at home. Here were the

Single person at an advantage, especially against large families and low-paid workers {92} that. "With their sometimes numerous family members by hitting only provisionally and are advised directly in distress part {93} By" Eßgemeinschaften "was some deficiency are alleviated: The women cooked with for a single person, and this gave of their allocation, which in turn came the family benefit.

[Figure 6]

Figure 6 sports festival Zeissians in Leningrad. Houses of the Zeiss specialists in the background. 1 August 1948

One problem was the school for the children. In Leningrad was until spring 1948 regular school up to the 8th Class possible. Gisela

{91} BACZ No. 14944 (letter from the woman Sweet on April 8, 1947, a well-known family in Jena).

{92} According to Gisela and Horst Anschütz the Zeissians probably had a say about the height of Merit. There the working years were. Zeiss plant considered.

{93} See BACZ No. 8244 (Letter from Karl Friedrich Schomerus Gundlach on February 2, 1947).

[Page 50] 1945-1948 Carl Zeiss Jena

Anschütz reported that previously some parents took over the teaching and taught in the lower level reading, writing, numeracy and History. Similar evidence is also from the other places.

The Leisure spent the Zeissians usually together. They shaped joint Christmas and Easter celebrations and concerts. In April 1948 Robert Tiedecken reported from Krasnogorsk, that they had organized a reading of the first part of Goethe's "Faust" in February, a carnival event, organized a dance party or a cultural evening of classical music and poetry in March to Easter. {94} The " Moscow "," Krasnogorsker "and" Leningrad "could, albeit only visit to a modest extent, theater performances and concerts in Moscow and Leningrad. Living in Leningrad Zeiss employee took during the summer months exploring the urban environment. {95} In other German experts living in Leningrad sports competitions were held. In the first year, the Zeissians in Leningrad could move freely. Later they had to log off when they wanted to leave the residential area to more than 1 km away and got a local companion. {96}

Among the deported older employees to whom it was particularly difficult to acclimate to the new conditions were. Therefore Charles Gundlach asked the meantime the 69th Had reached the age to obtain again a shortening of the length of stay for elders with Friedrich at Schomerus, whether it was the directors are not possible with the competent authorities. With regret Friedrich Schomerus had to inform you that the management lack such influence possibility. {97}

The uncertainty over their fate was for many Zeissians a severe emotional stress, which they overcame only gradually, for they had not only uncertainty about the length of their stay in this distant land and about the welfare of their loved ones in Jena, they worried also about the fate of the Jena factory. Friedrich Schomerus could end 1947 and 1948 report with joy from the reconstruction started {98} played a major role for the Zeiss employees who had slyly in the USSR, the concern, what work it upon return -. Always when that would be - be obtained. That's why they wrote Friedrich Schomerus the year 1948/1949:

"First, we would like you ... say that you will all find on your return with us again recording. We will be very pleased if you

{94} BACZ No. 8244 (Letter from Robert Tiedecken to Frederick Schomerus of 6 April 1948).

{95} BACZ No. 18805 (memoir by Prof. Friedrich Hauser about his work at the Zeiss factory).

{98} After story by Gisela Anschütz.

{97} BACZ No. 8244 (Letter from Friedrich Karl Schomerus Gundlach of 17 April 1947).

{98} BACZ No. 8244 (similar-sounding letters of Friedrich Schomerus of 11 December 1947 Georg Günzerodt, Leningrad. Wilhelm Hess, Kiev; Charles Gundlach, Krasnogorsk, Franz Peter, Issjum; Herbert Kortum, Moscow as well as letters from December 1948 Franz Peter, Herbert Kortum, William Hess, Georg Günzerodt).

The Soviet administration of the Zeiss plant [Page 51]

all soon return to us, and expect through your experience gained there in technical as in the social area rich for us win! "{99}

Beginning of 1951 it was decided in the Ministry of Armament that the Zeissians allowed to return to the home in the foreseeable future. 13 Zeiss plant employees died during their extraordinary labor input in the USSR.

The results led to the dismantling and the labor input of the deportees

Looking at the results of disassembly and the labor input of Zeissianern in the USSR from the perspective of the Minister for Armaments, then ultimately have the expectations that Ustinov 1945 harbored only partly fulfilled. It had not been possible with the help of the transferred equipment and deported professionals to form a new center of precision mechanics and optics industry, whose products the Soviet Union procured a prominent position on the international market. The gained through the dismantling material and technical capacities needed to be decentralized, their use was not effective in every case. But above all, came by the way of disassembly occurred, the innovative nature of the Zeiss factory and its staff not to wear. The characteristic of the Zeiss factory direct link between science and production was neither due attention as the development and maintenance of a finely annoying corporate organism. The fragmentation of the production areas and the forces dropped the "Jena climate", the basic requirement for the performance of the Zeiss plant, not arise. Merely in the large

Groups that worked in Leningrad and Krasnogorsk, there was extensive success in building the facilities and the placement of the characteristic in the Zeiss factory cooperation between research, development and production. The native workers lacked the years acquired and passed down from generation to generation professional knowledge and skills of the masters, specialist and skilled workers. It had been shown that the technical training of Russian and Ukrainian workers was not sufficient to cope in a short time the work involved in the manufacture precision engineering and optical products in qualitative and quantitative terms. {100}

Nevertheless, the opto-mechanical industry of the USSR received advanced production equipment and technologies that were doing their service at the various production for a long time. Jena professionals who visited the farms in the fifties and sixties who are still functioning machinery and equipment with laudatory remarks were

{99} BACZ No. 8244 (Letter from Fr Georg Schomerus Günzerodt in Leningrad on 16 December 1948). Similarly denominated letters were sent to correspondents all groups.

{100} Uhl: The Ministry of Armament, pp. 134-140.

[Page 52] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

demonstrated. The time spent in the USSR Zeissians have different functions in the modernization of the production apparatus and work organization, and for the training of professionals in the relevant establishments

contributed. The expertise of the Jena scientists and engineers was taken mainly in solving technical problems in military claim. After the departure of Zeissians was omitted in the civil sector in many cases the development of optical precision instruments, so that the old Zeiss designs have been offered for a long time. {101}

Ustinov it was also fails to realize the plan to liquidate the Jena Zeiss works. The was opposed not only the interest of other Soviet departments to reparations and the structure will of the Zeiss workforce, but also and especially the change of course, the 1947 completed the leadership of the CPSU and the Soviet Government in Germany policy. The course now pursued aimed at a gradual recovery of the economy in the Soviet occupation zone.

The dismantling damage to the Zeiss works

Although it did not come to a complete liquidation of the foundation company, both companies suffered by the removal and deportation of professionals significant losses from which they were able to recover only in the course of a decade. This contributed significantly to the fact that the Zeiss factory, the already weakened by the Second World War leadership in optical precision device largely lost and could only hold in selected areas or recover.

In mid-March 1947, the dismantling has been completed. Between the 12th and 14 March 1947 handed the staff of the Ministry of Armament of the USSR and an officer of the brigade trophy Hugo Schrade from the transfer documents for the Jena plant parts in which the condition of these parts work has been described. In the document on the main work is noted for the transfer:

"1) The production area of ​​the main plant CZ with an area of ​​127,000 square meters (including garages), with 22,500 square meters sanitary and electrical facilities are not dismantled, which belong to the 6% that the work according to the main commander command of Marshal of the Soviet Union Sokolowski, have remained. "{102}

In early December 1946, the Board compiled the first time the losses were the Zeiss company in Jena developed by the disassembly. A final injury determination was not possible because the scale at the beginning of the dismantling inventory lists were in the hands of the Soviet factory Commission. The request from the management to the [... page 53 is missing]

{101} From the experiences Otto Straube during the later cooperation.

{102} BACZ No 1784 (handover protocol major work of 13 March 1947).

[Page 53 is missing]

[Page 54]

CHAPTER THREE

The reconstruction of the Zeiss factory in Jena and the emergence of the ZEISS OPTON GmbH in Oberkochen

The incipient recovery in Jena

Once it was known that after completion of dismantling the production can be resumed to a limited extent, Victor Sandmann had on 26 November 1946 submitted documents for future production, finance and sales planning, from 1 January 1947 starting, vorzeichneten the individual steps for the reconstruction of the Zeiss plant until 1948. The Director cited the priority tasks for 1947, the shakeout of the investment sector, the stockpiling and the prefabrication and added: "Basically, the production is to be striven for on a broad basis in all civil departments" {1} from the sales departments, he called for each production area predetermine the final objectives. Areas should start business as soon as it made the technical possibilities. themselves delaying the completion of the dismantling caused Victor Sandman, bring its plans to changed circumstances.

On 6 February 1947 called Hugo Schrade together the managers to conduct the first practical steps in the way. He pointed to the recovery of premises and the collection of abandoned machinery and equipment at certain locations of the buildings. Hugo Schrade "After completion of dismantling all the rooms are cleaned and verschlossen.Das staircase 14 is the first to be repaired to set (doors, floors, toilet facilities)." Demanded the floors IV prepare under construction 29 to VI for the resumption of production. {2}

[Figure 8]

Figure 8 Director Victor Sandman

{1} BACZ No. 20837 (material by Victor Sandmann about planning for 1947 of 26 November 1946).

{2} BACZ No. 16146 (Minutes of the superintendent meeting of 6 February 1947).

The reconstruction of the Zeiss factory in Jena [Page 55]

In planning the reconstruction work the demands of the occupying power had first priority This affected both the Contax program as well as the SMAD-optic contract in December 1946. The SMAD took great pains to ensure that its instructions have been adhered to. So SMAD employee checked Chewaldin of 20 to 22 August 1947 the Zeiss factory. He visited all the laboratories, workshops and stores and inquired about the occupancy of the premises and of the order planning. Karl Müller informed the SMA emissaries across different technical and material difficulties that existed in terms of photo-optics program. For example, was the production of Contax cameras in default because the tool room was still concerned with the manufacture of tools for the job. {3}

Nevertheless, the directors had already a larger period in mind. Building on the dispositions of the end of November 1946 Victor Sandmann was on 14 February 1947 Guidelines for the design of the production program before. He instructed the sales department lines to offer in coordination with the production lines, the traditional civil Zeiss program. These devices were manufactured in future select as soon as possible in accordance with their quality. Only after that, further programming should be done. Victor Sandman demanded that initially some standard types are applied and expressed the view that 1947/48 a program extension must be avoided. The departments should bring at least one characteristic Zeiss instrument on the market. Experiments with new developments had to be omitted. Only equipment with minor improvements could be offered. He emphasized: "Carl Zeiss must first appear with goods of the same kind and quality in the market." {4} end December 1948 reminded the planning director Erich Schreiber in a manager session because the management had conceived the plan after dismantling, the overall structure of the work until 1951 perform. The workforce should increase during this period to 9,000 scientists, technicians, workers and merchants. At the same time, was intended that in 1951 amounted to approximately 700,000 hours per month, the productive hours.

Dr. Hans Harting, who was asked by Hugo Schrade in the summer of 1945 to carry out the business of the Scientific main line on his behalf, initiated the reconstruction of the laboratories, and designed in collaboration with the laboratory managers, the scientific reconstruction program.

For now, the reconstruction program could be implemented gradually in consultation with the industry department of the SMAD and the head of the SMA in Thuringia. Up to 1948 into the management had for each business area that they wanted to re-edit, obtain the approval of the SMAD. When in February 1948 received the orders for reconstruction work on astro major equipment from Brazil and Canada, required the

{3} BACZ No. 4732 (review of the Zeiss plant by Mr. Chewaldin of the SMAD, Berlin-Karl Horst from 20 to 22 August 1947).

[Page 56] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

Executive Board for the approval of the SMAD. It was the same at the end of 1947 Exportgeschäften.5 still subject to the Zeiss factory inspection by the industrial management of SMAD. {6}

It was only in May 1948 Hugo Schrade received in the course of a conversation with the head of the SMA in Thuringia on the question of whether there is a limit for the construction of the Zeiss plant, of Kolesnitschenko the answer, "that the reconstruction is no upper limit to "." For the fundamental question stated General IC, as noted, the conversation transcript, "that even such devices are to be included in the planning, which the Reparationsverwaltung not interested, however, for export or other requirement in Germany appear necessary." {7} In a later encounter with the Major General Hugo Schrade learned that the management need no longer obtain permits from the SMA, if she wants to expand the production area of ​​the company. The reason for this new attitude of the Soviet occupying power lay in the changed policy of the Soviet government in Deutschland.Im the course of 1947, the Director dealt repeatedly with the organizational structure of the Zeiss plant, which had to be aligned to the needs of reconstruction. It was above all about closing the staffing gaps that were caused by the deportation of the experts in the USSR and by the consequences of dismantling, especially in the management hierarchy. At the same time skilled workers had to use according to their work experience and skills in the newly constituent operating departments.

In February 1948, was the Zeiss factory, the following organizational structure: the Board with the staff departments were under the Chief Scientist of the management, development main line, main line operation, Commercial main, distribution main line and main line staff. Moreover, vocational school and apprenticeship workshops formed a separate structural unit. For newly formed operating main line included seven service lines and the training system. {8}

On 13 March 1947 gave Hugo Schrade in the manager meeting the end of the dismantling known and presented for testing. "The way for the reconstruction is now free and it should be taken with all the forces that task in attack {9}

The staff of the research and development areas brought together with the operation of their craftsmen working spaces back in order. You

{4} BACZ No. 4907 (letter from Victor Sandman Subject:... Reconstruction of the factory production program).

{5} BACZ No. 6501 (correspondence with Carl Zeiss - SMAD)

{6} BACZ No. 6501 (correspondence from Carl Zeiss - SMAD industrial administration from 29 / December 30, 1947).

{7} BACZ No. 26785 (old) (Minutes of a visit by Hugo Schrade at Kolesnitschenko on May 10, 1948).

{8} Hellmuth: The development of the VEB Carl Zeiss, plant 4.13-14.

{9} BACZ No. 16146 (Minutes of the managers meeting on March 13, 1947).

The reconstruction of the Zeiss factory in Jena [Page 57]

both began with the reconstruction of the documentation for the measuring and test equipment that were essential for the resumption of research and development work, as well as with the work at the provided for the sale of products. Likewise, construction documents were created for specific machines and equipment.

Although initially the development work were at the forefront, which resulted from the Sokolowski command, so the staff of the research and development of main lines prepared at the same time before the traditional Zeiss range of equipment for manufacturing. As an example of the measurement laboratory can be taken, which was under the direction of Fritz Leo and in the

Horst Lucas, who had returned to Jena in 1947, was involved in influential positions. The staff of the laboratory began to reconstruct the full program at physico-optical measuring instruments. {10} At the same time the Abbe refractometer Laborinterferometer and Kreiselpolarimeter been redesigned on the reconstruction work in other product groups will be discussed in the fifth chapter.

The rapid reconstruction of the Zeiss factory was in production mode (FBL), the Rudolf Müller headed, particularly clear. In this mode, you worked in 1947 primarily still Contax program to complete the entire Fabrikein device for the production of photo-equipment of the type Contax, including all tools, equipment, tools, drawings and technical documents, final. In June 1948, the factory body could be charged with a total value of 7.4 million RM. {11}

Then it came to it, to create the material and technical conditions for the production of photo-optical systems that demanded the Sokolowski command. Until June 1947 we focused on the production of small-screen lenses in

To put gear, then place in the summer of 1947 to begin production of reproductive lenses, and from

September 1947 began the production of cinema projection lenses. On 25 November 1947 provided the Department the

twenty thousandth lens ready. {12}

[Figure 9]

Figure 9 mm camera Contax. June 1947

{10} Lothar Kramer: Fritz Lion - life and work. In: Jena Yearbook on the technology and industrial history 1999, pp. 53-54.

{11} BACZ No. 17140 (Wipo. Annual Report of Sales for optical measuring instruments for the fiscal year; annual report of the Department of Various sales for the fiscal 1947/48); Hellmuth: The development of the VEB Carl Zeiss, p 31

{12} Schumann: Carl Zeiss. Then and Now, p 636

[Page 58] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

This progress has been possible because by the end of 1948, the production area was expanded from 3,000 to 10,200 m2 and the equipment park grew from 120 to 420 aircraft, of which 45 machines were, however, still needs work. The staff of the FBL, which counted immediately after dismounting only 400 workers and employees, to the end of 1948 had already reported on 1,288 people. Rudolf Müller made especially for that in the workshops - in spite of all difficulties - the technological processes were modern. He succeeded to the end of 1948 not provided for

Set up changing rooms and washing facilities. {13}

The glasses production, which began back in the spring of 1947, has increased rapidly, so that the glasses-operation in the fourth quarter of the same year to deliver 70,000 lenses and you could make Duopal, Star and Katralgläser. {14}

Of particular importance to the development of its own foundry in which 22 was June 1948 the first racking of the self-designed cupola was. {15}

Significant expenses were necessary to prepare the ravaged by bombing and disassembly production building again. At the main plant 50,000 m2 were repaired for the production again, so that could be worked in December 1947 on a total area of ​​70,000 m2. It was necessary to build 6,500 m2 of wall surface re-run on 30,000 m2 repainting, use 3,000 m2 window glass to move 2,500 m2 of parquet new or to repair and raise 1,800 m2 asphalt and concrete pavements. {16}

On 8 March 1947 was one of the staff even 6,392 employees, of whom 33.5 percent of employees and 66.5 Lohnarbeiter.17 But since there was not enough employment for this group after the completion of the dismantling, about 1,000 workers had to be on leave, so that the number of employees decreased to 5,048 workers and employees in April 1947. After the reconstruction took place quicker than expected, they called in the course of the year a part of the furlough back to the factory. End of 1947, the Zeiss works again employed 6,233 Personen18 and the following year 9,000 scientists, engineers, technicians, merchants and laborers. Thus, the specification of the first construction plan was implemented. {19}

The reconstruction was financed from different sources. 1947 reached the Board, that the invoices for services that Soviet military units and contractors had claimed before the disassembly,

{13} BACZ No. 15410 (FBL report: 18 months construction).

{14} Schumann: Carl Zeiss. Then and Now, pp. 636-637.

{15} BACZ No. 18947 (Timeline of ZBL October 1946 - December 1948).

{16} BACZ No. 6478 (annual report of Hugo Schrade on the company meeting the Zeiss and the glass work on December 5, 1947).

{17} BACZ No. 26785 (old) (Personal statistics of 10 August 1947.).

{18} BACZ No. 6478 (annual report of Hugo Schrade front of the staff of the Zeiss and Schott work on December 5, 1947).

{19} Schumann: Carl Zeiss. Then and Now, p 676

The reconstruction of the Zeiss factory in Jena [Page 59]

were paid in part. Furthermore, the Contax program could be settled. Secure revenue were the proceeds of reparations and sales to Soviet trade organizations. While the cost of the reparations had to be paid out of the Thuringian state budget, paid the trade organizations in cash. During the year 1947 the Zeiss factory supplied products worth RM 8.9 million and from January to June 1948 for a further 1.3 million RM to Soviet authority. The proportion of deliveries of Carl Zeiss Jena to the USSR's total sales and percentage of Soviet trade organizations at these deliveries is shown in Table 8 in the Appendix Table.

1947 claimed the USSR and 67.1 in the first six months of 1948, 16 percent of total sales of the Zeiss factory. {20} With the gradual resumption of production and revenue rose from the sale of finished products to the local population. However, the financial results of the Zeiss plant were affected by the pricing policy of the Allies, because in the period consider here the stop prices of the year 1944, which were below cost even at its introduction were considered. Meanwhile, since the prices of raw materials, materials and semi-finished products were further increased by the hand, the management saw in 1946 caused to be submitted to the German and Soviet authorities Price requests for price increase, it was initially not responding to. After all, it came to price increases, which ranged between 70 percent and 125 percent for medical devices for astronomical devices. In September 1947 there was a certain concession to the effect that ran for products for which price increase requests, the requested rates could be calculated. For reparations prices had continued to be recognized as they were 1944/45. {21}

But the decisive share of the cost of reconstruction had the credit of the Thuringian State Bank. How to describe yet decided the Thuringian state parliament early in 1947 a law to rebuild the foundation company, on the basis of the country took a loan guarantee of 35 million RM. Of this amount, 71 percent to the company Carl Zeiss. {22} Also for 1948, the state government a reconstruction of monthly credit up to two million RM ready. {23}

Between January 1947 and June 1948, the turnover of the company Carl Zeiss gradually grew in some setbacks. In this period, the Company realized a total of 22.3 million RM. {24} The See Table 9 in Appendix Table

{20} Source: Calculated by BACZ No. 23200 (sales in the Zeiss works and monthly reports of success).

{21} BACZ No. 15293 (Internal Communication on the provisions of the SMAD about reparations of 29 April 1947 pricing from 1 September 1947).

{22} BACZ No. 23341 (note of a telephone conversation between Friedrich VVönne and Kohlitz of 25 January 1947).

{23} BACZ No. 7792 (gathering Archive Chronicle.); Hellmuth: The development of the VEB Carl Zeiss, pp. 30-31.

{24} Calculated according BACZ No. 23200 (sales in the Zeiss works and monthly reports of success).

[Page 60] from 1945 to 1948 Carl Zeiss Jena

an impression of the sales development during this period. In the spring of 1947, the Zeiss works first products from at the Leipzig Fair. The following year, the Zeiss employees were able to show the new microscope LgO, a phase contrast enema clearing and the spherical mirror lamp at the Leipzig Spring Fair. {25}

[Figure 10]

Figure 10 Zeiss booth in Leipzig. Spring of 1947

In the summer of 1948, the first reconstruction stage of the Zeiss factory was largely completed.

[End of text for this topic]

The defense of the first nationalization experiment

As the end of the dismantling of the Foundation Company was imminent and the foundation company could build their traditional peacetime production in the foreseeable future, there was the first debate on the Constitution of the Carl-Zeiss-Stiftung. While the Director and the

{25} BACZ No. 9102 (Mikro-Vertrieb. Annual Report 1947/48 the Department of Micro and Med).

[50 pages not copied because not belonging to this topic]

[Page 110] 1949-1964 VEB Carl Zeiss JENA

Particularly noticeable gaps that were created by the war and its aftermath in the regular workforce. Of the approximately 16,000 workers and employees who worked at the plant by mid-decade, only 29.4 percent were already during the war Zeiss workforce. After completion of the dismantling took 12,000 workers to their activities in the Zeiss factory and had to be made by experienced Zeissianern in technical and mental respects familiar with the Zeiss spirit. This was a prerequisite to continue the product development pace and offered at the required level to produce the products in traditional Zeiss quality and at reasonable cost. The experienced Zeissians were supported by colleagues who returned from the USSR in the early fifties.

[Sequel to this topic]

The return of the Zeissians from the USSR

As early 1951, the plant management of deportees received the news that their return is imminent, she met immediately the necessary preparations for the reception of colleagues. It employees were charged with the care of the return and their families {72} and provided funding for the temporary accommodation of returnees as well as for the purchase of furniture and household items. In the annual report by 09/30/1952 20,000 Mark repatriation costs were under "extraordinary expenses" reported that had not taken over the Ministry of Interior of the GDR. Moreover, 337,000 M salary expenses were incurred impairment losses for the first three months. {73}

The first 13 returnees arrived in August 1951 in Jena. {74} Among them were the doctors Charles Gundlach and August Sonnenfeld, two of the elders, who had been transferred in 1946 to the USSR. {75} The vast majority of the deportees arrived in January and June 1952 to Jena back. {76} They were received with great cordiality. Plant management and operation of union leadership did everything they could to give them the feeling that they are welcome at the Zeiss works and Jena {77} Rudolf Müller, Technical Executive, holds for testing in his memoirs. "We Zeissians prepared the families an indescribably warm welcome. Zeiss Chapel

{72} BACZ No. 23736 (materials on the issue of return of specialists from the Soviet Union to Jena. Reporting the operating party organization of the SED Dr. Hugo Schrade March 16, 1951).

{73} BACZ No. 15975 (annual report as at September 30, 1952 the VEB Carl Zeiss Jena optics).

{74} BACZ No. 20845 (annual report as at September 30, 1951 the VEB Carl Zeiss Jena optics), No. 9340 (Monthly Report of the Cultural Director of 4 October 1951, the Central Committee of the SED, Department agitation).

{75} BACZ No. 15863 (letter from the culture Schiek Director of VEB Carl Zeiss Jena in the Promotion Committee at the Deputy Prime Minister of the GDR Betr. allocation of IN-cards from August 17, 51).

{76} BACZ No. 18934 (Chronology DAL 1952).

{77} BACZ No. 23736 (materials on the issue of return of specialists from the Soviet Union to Jena. Reporting the operating party organization of the SED Dr. Hugo Schrade March 16, 1951).

The integration of the Zeiss plant in the state socialist system [Page 111]

[Image 16)

Figure 16 Dr. August Sonnenfeld speaks at the reception for the first returnees from the USSR. 7 August 1951

welcomed their counterparts with native songs. ... The plant director Dr. Hugo Schrade prepared all a reunion with his beloved homeland, which went to the heart of all. {78}

The plant management offered each returnee an activity in his old department unless otherwise specified in the individual work areas now no structural changes had occurred. That left Hugo Schrade the repatriates in a meeting on 29 July 1952 know:

"I can not say after you were gone five years, the get there and then. I can until I have spoken with you and knows what you've done in the Soviet Union. Therefore, I have arranged that once everyone can collect on the same job claim and is used gehaltlich as he had allegedly taken the development here. However, this should only be a temporary arrangement. In the course of a quarter, things should be put in order, "{79}

The returnees were given after a conversation with Hugo Schrade a workplace that corresponded to their professional career. Employees who were employed prior to their removal as deputy master or technician

{78} NL XIII/13 Rudolf Müller - memories.

{79} BACZ No. 23736 (Protocol on the pronunciation of representatives of the plant management, BPO, BGL, and the district leadership of the SED on June 29, 1952).

[Page 112] 1949-1964 VEB Carl Zeiss JENA

received master sites or were employed as full-designers. Older colleagues who do not even want to retire, took over control or manual tasks.

To get a good recording of the returnees it was not only in the Zeiss factory strives Also the SED party leadership and the Ministry stayed for a smooth reintegration, as it should be avoided everything that the experts could cause you to travel on to West Germany. With some Zeissians, who had lived through the hard period of reconstruction, pushed the politically desired preference for the "SU-specialists" on reservations. This was especially true when one or the other returnees gave the impression that he was predestined by staying in the Soviet Union to ., in the work to take on a leadership role this purpose represents Rudolf Müller retrospect:

"Some were surrounded with the nimbus of a qualified in the Soviet Communists, who finally recognition of the many austerities - may ask - where not even in the so unbearably hard audited by the fascist war the land he missed. They saw their chance in being able to now, 'to enforce its policy work. They had obviously made some and gave themselves than when the Central Committee of the SED could have given them such an order. Obviously, they made for a rapid deployment of the expatriate Dr. Paul Goerlich as the main head of research and development. Brown was employed as Principal Chief of the Personnel Department and Röhrdanz as Director of Labour Controlled unrest crept up through the ranks of leading cadres. ... Surrounded me a mysterious mistrust of the 'new'. Hardly anyone but turned the current concerns of the company! "{80}

A particular problem was the provision of housing for those who had lived with their families in the USSR. It had to be procured accommodation for 169 families {81}, whose former homes were now occupied by Jena residents or evacuees, including "a number of activists and members of the creative intelligentsia," {82}. The discussions on the housing problem with the city government showed that 30 residential units with 2-3 rooms in the cooperative and 50 apartments can be provided by the municipal housing office. In order to satisfy the need somewhat, the new building of 90 apartments was needed. In the state intelligence policy, which provided for the construction of 300 single-family homes throughout the DDR program, Jena received investment funds for ten such new buildings. {83} The efforts resulted in August 1951 that in the Camburger

{80} NL XIII/13 Rudolf Müller - memories.

{81} BACZ No. 23736 (letter from the plant manager to the mayor of the city of Jena on 27 February 1951, the placement of the returning Zeiss specialists concerning).

{82} BACZ No. 23736 (Report of the operating party organization to Hugo Schrade March 16, 1951).

{83} BACZ Ni .. 23736 (Meeting Minutes of March 13, 1951).

The integration of the Zeiss plant in the state socialist system [Page 113]

[Image 17] [Image 18]

Figure 17 Rudolf Müller (left) welcomes the design manager Hermann shrink

Figure 18 Wilhelm Lutz

[Image 19] [Image 20]

Figure 19 Master Paul Schnerr with daughter Heidi (Background)

Figure 20 Sepp Bauer (left) with Dr. Harald returnees Straubel (right)

Figure 17-20 welcome returnees from the USSR. 9 June 1952

[Page 114] 1949-1964 VEB Carl Zeiss JENA

Road were built 40 homes. Another 60 returnees had other opportunities to be found. {84}

Due to a request by Hugo Schrade to the Deputy Prime Minister Heinrich Rau, the city council received the promise that in 1952 in Jena more about 100 apartments for the intelligence can be built in addition. {85} early February 1952, a fortnight after the arrival of the largest returnee group , reports the cultural director of the Central Committee of the SED:

"The housing has made great difficulties initially, but has been done on the whole, to the satisfaction of the specialists. Basically, the returnees have been housed in their former homes. As far as the apartments could not be freed until the arrival, the returning colleagues were with their families in the hotel

temporarily housed. (Now all colleagues are housed. Complaints are not available.) ... We have the returnees widely supported in all aspects of their new sedentarisation, homes repaired, missing household items, gas stoves, ovens, cookers procured, etc. they support changing money etc.. Difficulties it has nowhere given. "{86}

Temporary inconsistencies especially with currency exchange, which led to discontent and unrest among the returnees were settled and put in order. {87}

26 scientists and engineers who had worked in Krasnogorsk, Leningrad, Moscow and Kiev on military tasks or gained greater insights were in 1952 still remained in the Soviet factories and were mid-year 1953 for half a year on the island Gorodomlia in Seliger {88 }, located between Leningrad and Moscow, relocated before

they could leave the USSR in November 1953 {89}. Among them were the

{84} BACZ No. 9329 (Protocol on the meeting with the Mayor Herdegen on August 9, 1951).

{85} BACZ No. 15802 (Heinrich Rau letter to the mayor of the city of Jena on 8 February 1952).

{86} BACZ No. 9340 (Monthly Report of the Cultural Director of the Central Committee of the SED of 5 February 1952)

{87} the beginning of 1951 had laid down that the returnees can exchange their rubles merit a ruble to 0.63 and 0.68 marks for the course. See BACZ No. 23736 (Minutes of a meeting in Berlin on 13 March 1951). Remittances from German specialists from the Soviet Union during the period of their stay to their relatives in East Germany, however, were issued at a price of 1 ruble in 2 DM is why the money was restructured quibble returns again: half of final salary should be in the ratio 1 : 2, the rest will be exchanged at a ratio 1:0,63 rubles in German marks. Nevertheless, it came initially for the transfer of amounts which did not meet the expectations de specialists. Only after appeals were made by the operation, the remittances were subsequently repaired. See BACZ No. 9340 (Monthly Report of the Cultural Director of the Central Committee of the SED from 1 April 52)

{88} On this island had since 1946 German rocket specialists lived and worked in 1953 were only a few there that should also "forgotten".

{89} BACZ No. 19600 (SU-returnees - name formation concerning individual contracts and retirement benefit plans as of May 12, 54 by EMS / Her) and, according to the son of Otto Fritz Straube Straube, who as a child (born 1939) with his parents in Leningrad and stayed on the island Gorodomlia.

The integration of the Zeiss plant in the state socialist system [Page 115]

former manager Oskar Bihlmeier, Georg Kresse, Dr. Konrad Kuehne from the quartz laboratory, the Astro-foreman Walter Pfaff, the doctors Herbert Kortum and William Chamberlain, who had worked in a Moscow arms factory, as well as the engineer Fritz Straube, while Herbert Kortum the "quarantine" in the mental preparation of an electronic calculating machine, the later OPREMA, was included. {90}

[Figure 21]

Figure 21 Return of the Fritz Straube family from the USSR. 26 November 1953

[End of text on this topic]

The growth and structural change in the workforce

As shown elsewhere, the competent ministry, determined by the setting of indicators scope and basic structure of the Zeiss workforce. After the Zeiss workforce in the first half of the fifties grew considerably, remained until the mid-sixties, the number of employees largely constant. From 1950 to 1954, the number of employees rose from 10,496 to 16,554. 1954 had the Jena farms a different large proportion of the employees of the plant. In manufacturing operations accounted for 36.5 and on the glasses operating only 3.7 Prozent.91 Table 12 in the Appendix table are also more detailed information.

1965 worked at the Zeiss factory workers and 17,161 Angestellte.92 Table 13 in Appendix Table gives an impression of the quantitative development of the workforce of the VEB Carl Zeiss JENA.

1965 worked 83 percent of the employees of the VEB Carl Zeiss JENA in the laboratories, design offices and manufacturing facilities in Jena. 17 percent were employed in the nine manufacturing facilities, their locations in different

Regions of the GDR were, of which 8.5 percent in Saalfeld, 3.9 percent and 1.9 percent in ice rink in Lommatzsch. The remaining employees worked in smaller manufacturing facilities.

In the period under consideration took place in the workforce a number of structural changes. Between 1950 and 1960, the proportion of production workers fell to 68.4 from 60.5 percent. In contrast, the proportion of the technical staff and the rest of the industrial and non-industrial staff increased from 31.6 to 39.5 percent. It is noteworthy that shifted the proportions between the latter three groups of employees. 1955 had the technical staff account for 27, the other industrial

{90} According to Otto Straube.

{91} Compiled and calculated by BACZ No. 18934 (Chronicle of the Department of Labour).

{92} In full employment units and apprentices. Statistical Yearbook 1965 of the VEB Carl Zeiss JENA, p 15

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